Kurz gefasst
- Im Gegensatz zur strauchigen Gewöhnlichen Hasel wächst sie als Baum mit einem einzigen Stamm und regelmäßiger, kegelförmiger Krone und erreicht 15–20 m.
- Sehr widerstandsfähig gegen Trockenheit, Versalzung, basische Böden und Luftverschmutzung — daher ihre Beliebtheit in Alleen, auf Parkplätzen und städtischen Plätzen.
- Sie besitzt eine Pfahlwurzel, die den Gehwegbelag nicht anhebt; das erschwert allerdings das Verpflanzen älterer Exemplare.
- Blüht sehr früh (Februar–März) mit hängenden, gelben Kätzchen, lange vor dem Blattaustrieb.
- Die Nüsse sind essbar, haben aber eine dicke, harte Schale und stecken in einer dicht zerschlitzten Hülle — sie auszulösen ist arbeitsaufwendig.
- Sie wächst langsam, lebt lange (bis zu 150 Jahre) und benötigt praktisch keinen Formschnitt.
Botanische Daten
- Familie
- Betulaceae (Betulaceae)
- Höhe
- 12–20 m
- Breite
- 6–10 m
- Wuchsform
- Kegelförmig
- Wuchsgeschwindigkeit
- Langsam
- Standort
- Sonne, Halbschatten
- Boden
- Lehmig, Humos, Sandig, Kalkhaltig
- pH-Wert
- pH 6–8
- Feuchtigkeit
- Trocken, Mäßig
- Blütezeit
- Februar–März
- Winterhärte
- USDA 4a–8a
- Vermehrung
- Aus Samen, Aus Stecklingen
Merkmale
Ein Baum mit geradem, einzelnem Stamm und einer außerordentlich regelmäßigen, in der Jugend schmal kegelförmigen, im Alter breit eiförmigen Krone. Die Rinde ist grauweißlich, korkig, tief in kleine, schuppige Platten aufgerissen — ganz anders als die glatte Rinde der strauchigen Gewöhnlichen Hasel und eines der leichtesten Erkennungsmerkmale. Die Blätter sind breit eiförmig bis rundlich, mit herzförmigem Grund und doppelt gesägtem Rand, und färben sich im Herbst gelb. Die Blüten sind eingeschlechtig: die männlichen in hängenden, gelben Kätzchen von bis zu 10 cm Länge, die weiblichen unscheinbar, mit roten Narben. Die Nüsse stehen zu mehreren bis zu einem Dutzend in dichten Trauben, umhüllt von einer stark zerschlitzten, drüsigen Hülle; sie sind kleiner als Haselnüsse und haben eine deutlich dickere Schale.
Anbau und Pflege
Bewässerung
Nach dem Anwachsen ist die Baum-Hasel außerordentlich widerstandsfähig gegen Trockenheit, Versalzung und Bodenverdichtung — genau diese Eigenschaften haben sie zu einem der am liebsten gepflanzten Alleebäume gemacht. Regelmäßiges Gießen benötigen ausschließlich junge Bäume in den ersten 2–3 Saisons nach der Pflanzung, bevor die Pfahlwurzel tiefere Schichten erreicht.
Düngung
Ein Baum mit sehr geringen Nährstoffansprüchen — ausgewachsene Exemplare benötigen praktisch keine Düngung. Es genügt, die Baumscheibe frei von Grasnarbe zu halten und sie mit organischem Material zu mulchen.
Pflanzung
Sie verträgt fast jeden durchlässigen Boden, auch verdichtete, trockene und kalkhaltige. Ein entscheidender Hinweis: Die Baum-Hasel bildet eine Pfahlwurzel aus — eine Ausnahme in der Gattung Corylus —, dank der sie den Belag der Gehwege nicht anhebt, die aber auch das Verpflanzen älterer Exemplare erschwert. Ausschließlich Material mit Wurzelballen oder aus dem Container kaufen und sofort an den endgültigen Platz pflanzen, mit Raumreserve für eine Krone von 6–10 m Durchmesser.
Schnitt
Sie benötigt praktisch keinen Schnitt — die regelmäßige, kegelförmige Krone formt sich von selbst, und das ist ihr größter Vorzug im Stadtgrün. Sich auf das Entfernen trockener, kranker, sich kreuzender Triebe sowie etwaiger Unterlagenaustriebe und unterer Äste beschränken, die in das Lichtraumprofil der Straße ragen.
Begleitpflanzen
Gute Nachbarschaft
Sie stäuben zum selben, sehr frühen Zeitpunkt, und die Baum-Hasel kann Sorten der Haselnuss bestäuben; sie dient zudem als Unterlage für hochstämmige, baumförmige Formen der Gewöhnlichen Hasel.
Das tiefe Pfahlwurzelsystem der Baum-Hasel konkurriert in der oberen Bodenschicht wenig, wodurch unter ihrer Krone schattenliebende Bodendeckerstauden gut wachsen.
Er verträgt den trockenen Schatten unter der Baumkrone und begrünt die Baumscheibe, ohne in derselben Tiefe wie die Pfahlwurzel der Hasel um Wasser zu konkurrieren.
Schlechte Nachbarschaft
Ein ausgewachsener Baum wirft auf einer Fläche von 6–10 m Durchmesser einen dichten, geschlossenen Schatten — darunter gedeihen ausschließlich schattenliebende Arten, während sonnenliebende Pflanzen vergeilen und verkümmern.
Die Grasnarbe konkurriert wirksam mit dem jungen Baum um Wasser und Stickstoff in der oberen Bodenschicht und verlangsamt sein Wachstum in den ersten Jahren deutlich — und die Baum-Hasel wächst ohnehin langsam.
Die Belegstufe zeigt an, ob der Zusammenhang durch Studien, Beobachtung oder gärtnerische Tradition gestützt ist.
Giftigkeit
| Für wen | Stufe | Hinweise |
|---|---|---|
| Menschen | Keine | Die Nüsse sind vollständig essbar und im Geschmack der Haselnuss ähnlich. Achtung: Haselnüsse gehören zu den häufigsten Nahrungsmittelallergenen und unterliegen in der EU einer Kennzeichnungspflicht — allergische Personen sollten sie meiden. |
| Hunde | Keine | — |
| Katzen | Keine | — |
Geschichte und Herkunft
Die Art stammt vom Balkan, aus Kleinasien und dem Kaukasus und gelangte gegen Ende des 16. Jahrhunderts über Wien, wohin Pflanzen aus den Gebieten des Osmanischen Reiches gebracht wurden, in die Gärten Westeuropas. Über Jahrhunderte blieb sie eine Sammlerkuriosität der Parks und Arboreten. Ihre eigentliche Karriere begann erst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, als man Bäume suchte, die in immer schwierigeren städtischen Bedingungen überdauern können — Trockenheit, winterlicher Versalzung, verdichtetem Boden und begrenztem Wurzelraum. Heute ist die Baum-Hasel eine der eisernen Arten in Projekten des Straßengrüns in Polen und Deutschland.
Verwendung
Vor allem ein Alleen- und Straßenbaum — für die Bepflanzung von Straßen, Parkplätzen, Plätzen und Fußgängerzonen, wo die Widerstandsfähigkeit gegen schwierige Bedingungen und ein vorhersehbarer, regelmäßiger, schnittfreier Wuchs zählen. In Parks und großen Gärten ein wirkungsvoller Solitär mit ausgeprägter, kegelförmiger Silhouette. Im Obstbau wird sie als Unterlage für Hochstammformen der Haselnuss verwendet, in der Forstwirtschaft als Beimischung. Die Nüsse sind essbar, wenn auch schwierig zu verarbeiten; das Holz wird in der Tischlerei geschätzt.
Wissenswertes
- Obwohl die Hasel windblütig ist und keinen Nektar liefert, gehört ihr Pollen mitunter zur ersten Nahrung für die Bienen nach dem Winter — die Kätzchen stäuben bereits im Februar.
- Die Baum-Hasel dient als Unterlage für Hochstammformen der Haselnuss: dank ihr lässt sich die strauchige Gewöhnliche Hasel als Bäumchen auf einem Stamm ziehen.
- Die Pfahlwurzel ist in der Gattung Corylus eine Ausnahme — gerade ihr verdankt es die Baum-Hasel, dass sie den Gehwegbelag nicht anhebt und die städtischen Bedingungen so gut verträgt.
Häufige Fragen
Worin unterscheidet sich die Baum-Hasel von der Gewöhnlichen Hasel?
Das sind zwei verschiedene Arten derselben Gattung, und sie unterscheiden sich vor allem in der Wuchsform. Die Gewöhnliche Hasel (Corylus avellana) ist ein mehrtriebiger Strauch von 3–6 m Höhe, der von der Basis austreibt, mit glatter Rinde und einem flachen, ausgebreiteten Wurzelsystem. Die Baum-Hasel (C. colurna) wächst als Einzelbaum bis 15–20 m, hat einen geraden Stamm, eine regelmäßig kegelförmige Krone, eine grauweiße, korkig aufgerissene Rinde und eine Pfahlwurzel. Sie unterscheiden sich auch in den Nüssen: bei der Baum-Hasel sind sie kleiner, haben eine dickere Schale und stecken in einer dicht zerschlitzten Hülle. Die Baum-Hasel verträgt Trockenheit, Versalzung und städtische Bedingungen erheblich besser.
Kann man die Nüsse der Baum-Hasel essen?
Ja, sie sind essbar und schmecken ähnlich wie gewöhnliche Haselnüsse. In der Praxis werden sie jedoch selten gesammelt: Sie sind kleiner, haben eine deutlich dickere und härtere Schale und stecken zudem fest in einer verwachsenen, dicht zerschlitzten Hülle, aus der sie sich nur schwer herauslösen lassen. Das Verhältnis von Arbeit zu gewonnenem Kern ist schlicht ungünstig. Wenn die Nussernte das Ziel ist, pflanzt man weit besser Kultursorten der Gewöhnlichen Hasel; die Baum-Hasel pflanzt man wegen des Wuchses und der Widerstandsfähigkeit, nicht wegen des Ertrags.
Warum wird die Baum-Hasel so häufig an Straßen gepflanzt?
Weil sie Eigenschaften vereint, die man selten in einem einzigen Baum sucht. Sie verträgt Trockenheit, die Versalzung nach dem winterlichen Enteisen, verdichteten und basischen Boden sowie Luftverschmutzung. Ihre Pfahlwurzel geht in die Tiefe, statt sich dicht unter der Oberfläche auszubreiten, sodass sie Gehwege und Bordsteine nicht zerstört. Die Krone wächst ohne Eingriff regelmäßig und kegelförmig, was die Pflegekosten radikal senkt — der Baum benötigt keinen Formschnitt. Hinzu kommen die Langlebigkeit (bis zu 150 Jahre) und das Fehlen ernsthafter Krankheiten. Der Nachteil ist das langsame Wachstum und die letztlich beachtliche Größe, die man im Planungsstadium einkalkulieren muss.
Quellen
- Plants of the World Online (POWO)Datenbank (GBIF, POWO…)
- Missouri Botanical Garden — Corylus colurnaInstitution / Botanischer Garten
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