Kurz gefasst
- Bildet hohe Horste (1–2,5 m) – ein eindrucksvolles Strukturgras.
- Braucht volle Sonne; nach dem Anwachsen trockenheitsverträglich.
- Die gefiederten Blütenstände erscheinen im Spätsommer.
- Die trockenen Halme zieren den Garten im Winter – erst im Frühjahr zurückschneiden.
- Anspruchslos und langlebig.
- Treibt spät aus, meist erst im Mai – ein leerer Horst im Frühjahr bedeutet keinen Frostschaden.
- Der Horst wird im Frühjahr geteilt, alle 4–6 Jahre, wenn seine Mitte abzusterben beginnt.
- Frühe Sorten (Malepartus, Kleine Fontäne) blühen in kühlen Sommern zuverlässiger als späte (Gracillimus).
Botanische Daten
- Familie
- Poaceae (Poaceae)
- Höhe
- 1–2.5 m
- Breite
- 0.6–1.2 m
- Wuchsform
- Horstbildend
- Wuchsgeschwindigkeit
- Schnell
- Standort
- Sonne
- Boden
- Lehmig, Humos, Sandig
- pH-Wert
- pH 5.5–7.5
- Feuchtigkeit
- Mäßig, Feucht
- Blütezeit
- August–Oktober
- Winterhärte
- USDA 4a–9a
- Vermehrung
- Durch Teilung
Merkmale
Horstbildendes Gras mit schmalen, bogig überhängenden Blättern, oft mit hellerem Mittelstreifen oder querer Bänderung. Im Spätsommer bildet es gefiederte, silbrig-rosa Rispen auf hohen Halmen. Der Horst ist kompakt und bildet keine Ausläufer – Chinaschilf wächst nur am Rand weiter und treibt keine unterirdischen Ausläufer, sodass der Horst selbst nicht durch das Beet wandert, anders als das Zuckerrohr-Chinaschilf (Miscanthus sacchariflorus). Ausbreiten kann es sich dagegen über Samen: Wo die Saison lang genug ist, damit die Samen ausreifen, sät sich die Pflanze selbst aus – in einigen US-Bundesstaaten gilt sie deshalb als invasive Art. Die Blätter sind 0,6–2 cm breit und haben eine deutliche, hellere Mittelrippe; ihre Ränder sind scharf gesägt, weshalb man zum Rückschnitt und zum Auskämmen der trockenen Halme besser Handschuhe trägt. Der Blütenstand ist eine fächerartige Rispe aus zahlreichen, fingerförmig abstehenden Teilblütenständen: frisch ist sie rotbraun oder rosa, mit der Zeit bleicht sie zu Silber aus und hält sich in dieser Form bis ins Frühjahr. Im Herbst färbt sich das Laub – je nach Sorte – gelb, orange oder rotbraun. Es ist ein wärmeliebendes Gras mit C4-Photosynthese: Es treibt spät aus, meist erst im Mai, wenn sich der Boden erwärmt hat, und wächst danach bis zum Spätsommer rasant; ein leerer Horst im April bedeutet nicht, dass die Pflanze erfroren ist. Die endgültige Höhe erreicht es in der Regel in der zweiten bis dritten Saison nach dem Pflanzen. Es braucht volle Sonne – im Halbschatten werden die Halme lang und der Horst fällt zur Seite auseinander. Es verträgt Böden von leicht sauer bis neutral, von sandig bis lehmig; schlecht reagiert es allein auf Staunässe, die im Winter um den Horst steht. Nach einigen Jahren stirbt die Horstmitte ab und die Pflanze muss geteilt werden.
Beliebte Sorten
- ‘Malepartus’
- Eine der zuverlässigsten Blühsorten im kühleren mitteleuropäischen Klima. Sie wird 1,8–2 m hoch und entwickelt ihre Rispen bereits im August – zunächst dunkel rotbraun, später silbrig. Im Herbst färbt sich das Laub orangerot.
- ‘Kleine Fontäne’
- Niedrigere Sorte, etwa 1,4–1,6 m hoch, mit bogig überhängenden Blättern, die sich zu einer Fontänenform ordnen. Sie blüht früh und reich, über viele Wochen hinweg – eine gute Wahl für kleinere Gärten und Staudenbeete.
- ‘Gracillimus’
- Klassische Sorte mit sehr schmalen Blättern und leichter, feiner Textur, etwa 1,5–1,8 m hoch. Sie blüht spät, und in kühlen Sommern kommt es vor, dass sich die Rispen nicht mehr entwickeln – gepflanzt wird sie vor allem wegen des Laubes.
- ‘Zebrinus’
- Sorte mit querer, cremegelber Bänderung auf den Blättern – einem unter Gräsern seltenen Muster. Sie erreicht 1,8–2 m, doch der Horst fällt leicht zur Seite auseinander; sie braucht volle Sonne und eher magere Erde, mitunter auch eine Stütze.
- ‘Strictus’
- Ebenfalls quer gebändert, jedoch mit steifen, aufrechten Halmen und schmalerem Horst als Zebrinus – die bessere Wahl dort, wo das Gras aufrecht stehen soll. Sie wird etwa 1,8–2 m hoch.
- ‘Ferner Osten’
- Kompakte Sorte von etwa 1,2–1,5 m Höhe mit schmalen Blättern. Sie entwickelt ihre Rispen früh, intensiv rot, mit der Zeit zu Silber ausbleichend; im Herbst färbt sich das Laub rot-orange.
Anbau und Pflege
Bewässerung
Nach dem Anwachsen trockenheitsverträglich; Bewässerung ist vor allem in der ersten Saison und bei anhaltender Trockenheit nötig.
Düngung
Anspruchslos – ein Stickstoffüberschuss führt zum Umknicken der Halme.
Pflanzung
Verträgt verschiedene Böden; wächst am besten auf fruchtbarem, mäßig feuchtem Boden in voller Sonne.
Schnitt
Die vorjährigen, vertrockneten Halme knapp über dem Boden abschneiden, bevor neue Triebe erscheinen.
Begleitpflanzen
Gute Nachbarschaft
Ähnliche Ansprüche – Sonne, mäßige Feuchtigkeit; die herbstliche Zierde von Gräsern und Fetthenne ergänzt sich hervorragend.
Klassische Kombination des naturalistischen Gartens (Präriestil) – Gräser bilden den Hintergrund für blühende Stauden.
Schlechte Nachbarschaft
Der ausladende, hohe Horst des Chinaschilfs beschattet und verdrängt schnell niedrigere Pflanzen in unmittelbarer Nachbarschaft.
Die Belegstufe zeigt an, ob der Zusammenhang durch Studien, Beobachtung oder gärtnerische Tradition gestützt ist.
Giftigkeit
| Für wen | Stufe | Hinweise |
|---|---|---|
| Menschen | Keine | — |
| Hunde | Keine | — |
| Katzen | Keine | — |
Geschichte und Herkunft
Chinaschilf gewann mit der Entwicklung naturalistischer Gärten und des Präriestils (New Perennial Movement) an der Wende vom 20. zum 21. Jahrhundert an Beliebtheit, geprägt unter anderem vom Gartengestalter Piet Oudolf. In der Natur wächst es in Ostasien – in China, Korea, Japan und auf Taiwan – an lichten Hängen, Wegrändern und auf brachliegenden Feldern. In Japan, wo es susuki heißt, dient es seit Jahrhunderten als Nutz- und Ritualpflanze. Nach Europa kam es im 19. Jahrhundert als botanische Rarität und blieb lange eine Sammlerpflanze. Den Durchbruch brachten deutsche Staudengärtnereien: Karl Foerster nahm die Ziergräser in den Kanon des Staudengartens auf, und in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts säte Ernst Pagels aus Leer Samen der Sorte Gracillimus aus und wählte daraus Sämlinge, die früh und im kühleren Klima zuverlässig blühen. Aus seinen Selektionen stammen viele der Sorten, die heute in deutschen und polnischen Gärtnereien erhältlich sind.
Verwendung
Für naturalistische Gärten und Präriegärten, als Solitär, in Gruppen sowie als saisonaler, ungeschnittener Sichtschutz. Die Blütenstände eignen sich für Trockensträuße. Als Sichtschutz wirkt es realistisch von Juli bis März: Die volle Höhe erreicht es im Hochsommer, im Winter schirmen die trockenen Halme den Blick ab, doch nach dem Frühjahrsschnitt bleibt die Stelle 3–4 Monate lang leer – Chinaschilf ersetzt daher keine immergrüne Hecke. In der Reihe pflanzt man es alle 80–120 cm; einem einzelnen, stattlichen Horst lässt man rundum mindestens einen Meter Freiraum, denn die überhängenden Blätter nehmen deutlich mehr Platz ein als die Basis. Pflanze es nicht unmittelbar an den Weg – die scharf gesägten Blattränder sind unangenehm bei Berührung. Klassische Partner sind Sonnenhut (Echinacea), Rudbeckia, Hohe Fetthenne (Hylotelephium spectabile), Perowskie (Perovskia), Herbstastern und Wasserdost (Eupatorium), unter den Gräsern das Reitgras (Calamagrostis × acutiflora). Die silbrigen Rispen kommen vor dunklem Hintergrund – einer Eibenhecke oder einer Wand – und im Gegenlicht der tiefen Herbstsonne am besten zur Geltung. Gut wirkt es am Rand eines Gartenteichs (aber nicht im Wasser) und an Böschungen. Auf der Terrasse lässt es sich in einem großen Kübel (ab etwa 40 l) kultivieren, doch der Wurzelballen friert dort schneller durch als im Boden und braucht einen Winterschutz. Für kleine Gärten wähle niedrigere Sorten; die hohen bleiben Parks und Beeten vorbehalten, die aus der Ferne betrachtet werden.
Wissenswertes
- Chinaschilf wird wegen seines schnellen Wachstums und hohen Ertrags als Energiepflanze zur Biomasseproduktion erforscht.
- Im Winter zählen die bereiften, trockenen Blütenstände des Chinaschilfs zu den dekorativsten Elementen des Gartens.
- In Japan heißt Chinaschilf susuki und zählt zu den sieben Kräutern des Herbstes (aki no nanakusa); seine Rispen stellt man beim Mondschaufest tsukimi in Vasen, und mit den Halmen deckte man die Dächer ländlicher Häuser.
- Für Energiebiomasse baut man nicht das Chinaschilf selbst an, sondern das Riesen-Chinaschilf (Miscanthus × giganteus) – eine sterile Kreuzung aus Chinaschilf und Zuckerrohr-Chinaschilf, die keine Samen ansetzt und sich ausschließlich vegetativ durch Rhizomteilung vermehrt.
Häufige Fragen
Wann schneidet man Chinaschilf zurück?
Im zeitigen Frühjahr, bevor neue Triebe erscheinen – die vorjährigen Halme knapp über dem Boden abschneiden. Im Winter sollte man sie stehen lassen, da sie den Garten zieren und den Horst vor Frost schützen.
Ist Chinaschilf invasiv?
Die meisten Gartensorten wachsen langsam und bilden kompakte Horste. Manche Arten können sich in wärmerem Klima aussamen, weshalb man bewährte, wenig aussamende Sorten wählen sollte.
Warum fällt mein Chinaschilf auseinander und neigt sich zur Seite?
Die häufigste Ursache ist ein zu nährstoffreicher Boden oder Stickstoffüberschuss, der zum Umknicken der Halme führt, sowie zu starke Beschattung. Chinaschilf wächst am kompaktesten in voller Sonne auf mäßig nährstoffreichem Boden.
Wann und wie teilt man Chinaschilf?
Im Frühjahr, im April oder Mai, wenn die ersten Triebe zu sehen sind. Eine Teilung im Herbst oder Winter endet oft mit Ausfällen, denn Chinaschilf treibt spät aus und wurzelt vor dem Frost nicht mehr ein. Den Horst hebelt man mit dem Spaten heraus; ältere, dicht verfilzte Wurzelstöcke zerteilt man mit einem scharfen Werkzeug – notfalls mit einer Säge – in faustgroße Stücke mit Wurzeln und Trieben. Der Eingriff wird alle 4–6 Jahre wiederholt, wenn die Horstmitte abstirbt. Fällt der Horst zwar auseinander, bleibt seine Mitte aber gesund, liegt die Ursache eher in einem Stickstoffüberschuss oder in Beschattung – siehe die eigene Frage zum Auseinanderfallen des Horstes.
Warum blüht mein Chinaschilf nicht?
Meist entscheiden die Sorte und die Länge der Saison: Späte Sorten wie Gracillimus schaffen es in kühlen Sommern nicht, ihre Rispen vor den Frösten auszubilden. Weitere Ursachen sind eine zu junge Pflanze (die volle Blüte setzt meist ab der zweiten bis dritten Saison ein), Lichtmangel sowie ein Stickstoffüberschuss, der die Blattbildung auf Kosten der Blütenstände fördert. In kühleren Regionen blühen frühe Sorten wie Malepartus und Kleine Fontäne zuverlässiger.
Quellen
- Plants of the World Online (POWO)Datenbank (GBIF, POWO…)
- RHS — Miscanthus sinensisInstitution / Botanischer Garten
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