Kurz gefasst
- Die überwiegende Mehrheit der Sorten ist selbstunfruchtbar — ein einzelner Baum im Garten setzt in der Regel keine Früchte an.
- Starkwüchsig: wild bis 20 m, im Obstgarten 4–8 m, auf schwachwüchsiger Unterlage (Gisela 5) nur 2,5–3,5 m.
- Blüht im April, die Früchte reifen je nach Sorte von Juni bis Juli.
- Benötigt volle Sonne sowie einen tiefgründigen, warmen und durchlässigen Boden; verträgt keine Staunässe.
- Nur nach der Ernte schneiden (Juli–August) — ein Winterschnitt droht mit Gummifluss und Bakterienkrebs.
- Ungleichmäßige Feuchtigkeit kurz vor der Ernte führt zum Aufplatzen der Früchte.
Botanische Daten
- Familie
- Rosaceae (Rosaceae)
- Höhe
- 3–20 m
- Breite
- 3–10 m
- Wuchsform
- Aufrecht
- Wuchsgeschwindigkeit
- Schnell
- Standort
- Sonne
- Boden
- Lehmig, Humos, Sandig
- pH-Wert
- pH 6–7.5
- Feuchtigkeit
- Mäßig
- Blütezeit
- April–Mai
- Winterhärte
- USDA 4a–8b
- Vermehrung
- Aus Stecklingen, Aus Samen
Merkmale
Ein Baum mit kräftigem, geradem Mitteltrieb und in charakteristischen Quirlen austreibenden Ästen, was eine regelmäßige, etagenförmige Silhouette ergibt. Die Rinde ist rotbraun, glatt und glänzend, mit deutlichen waagerechten Lentizellen und schält sich im Alter in horizontalen Bändern ab — ein Erkennungsmerkmal der Art. Die Blätter sind elliptisch, gesägt, hängend, mit zwei roten Nektardrüsen am Grund der Blattspreite. Die Blüten sind weiß, fünfblättrig, in Dolden und entfalten sich zusammen mit den Blättern. Die Früchte sind Steinfrüchte mit süßem, saftigem Fruchtfleisch — je nach Sorte von gelb über rot bis fast schwarz. Die Baumgröße in Kultur hängt vor allem von der Unterlage ab: auf einem Sämling der Vogel-Kirsche wächst der Baum sehr stark, auf schwachwüchsigen Unterlagen vom Typ Gisela bleibt er niedrig und tritt früher in den Ertrag ein.
Anbau und Pflege
Bewässerung
Entscheidend ist eine gleichmäßige Feuchtigkeit während der Fruchtreife — ein plötzlicher Wasserzustrom nach der Trockenheit (Platzregen, reichliches Gießen) führt kurz vor der Ernte zum massenhaften Aufplatzen der Kirschen. Ausgewachsene Bäume vertragen kurze Trockenperioden, nicht aber stehendes Wasser um die Wurzeln.
Düngung
Mäßig. Ein Stickstoffüberschuss verlängert das Triebwachstum bis in den Spätsommer, mindert die Winterhärte und begünstigt Gummifluss sowie Bakterienkrebs, für die die Süßkirsche außerordentlich anfällig ist.
Pflanzung
Ein tiefgründiger, warmer und gut durchlässiger Boden — die Süßkirsche verträgt keine verdichteten, staunassen Standorte. DAS WICHTIGSTE: Die überwiegende Mehrheit der Sorten ist selbstunfruchtbar, daher muss bereits bei der Planung der Pflanzung eine zweite, kompatible Sorte mit gleicher Blütezeit vorgesehen werden.
Schnitt
In den ersten Jahren die Krone formen, später auf das Auslichten beschränken — Triebe entfernen, die mit dem Mitteltrieb konkurrieren, ins Kroneninnere wachsen oder krank sind. Auf Astring schneiden, Wunden mit mehr als 2–3 cm Durchmesser verschließen.
Begleitpflanzen
Gute Nachbarschaft
Notwendige Voraussetzung für den Fruchtansatz — die Süßkirsche ist in den meisten Sorten selbstunfruchtbar und benötigt in der Nähe (bis etwa 50 m) eine andere Sorte, die zur gleichen Zeit blüht.
Ähnliche Bodenansprüche und Blütezeit erleichtern die gemeinsame Führung des Obstgartens, aber Achtung: Die Sauerkirsche ist kein Befruchter für die Süßkirsche — zur Bestäubung wird eine zweite Süßkirschsorte benötigt.
In die Baumscheibe gepflanzt, vertreibt er mit seinem starken Geruch traditionell Blattläuse, die sich gern an den Triebspitzen der Süßkirsche ansiedeln.
Schlechte Nachbarschaft
Arten der Gattung Prunus sind besonders empfindlich gegenüber Juglon — einer allelopathischen Substanz, die von den Wurzeln der Schwarznuss abgegeben wird, ihr Wachstum hemmt und zum Absterben führt.
Die Grasnarbe konkurriert sehr wirksam mit der jungen Süßkirsche um Wasser und Stickstoff in der oberen Bodenschicht und verlangsamt ihr Wachstum in den ersten Jahren nach der Pflanzung deutlich.
Die Belegstufe zeigt an, ob der Zusammenhang durch Studien, Beobachtung oder gärtnerische Tradition gestützt ist.
Giftigkeit
| Für wen | Stufe | Hinweise |
|---|---|---|
| Menschen | Keine | Die Früchte sind essbar und unbedenklich. Steine, Blätter und Rinde enthalten cyanogene Glykoside (Amygdalin) — zerbissene Steine können in großen Mengen schädlich sein, das Verschlucken einiger ganzer Steine stellt jedoch keine Gefahr dar. |
| Hunde | Leicht | Das Risiko betrifft zerbissene Steine sowie in größeren Mengen gefressene Blätter; das Fruchtfleisch ist unbedenklich. |
| Katzen | Leicht | Ähnlich wie bei Hunden — die Gefahr geht von zerbissenen Steinen und Blättern aus, nicht vom Fruchtfleisch selbst. |
| Pferde | Mäßig | Welkende Blätter von Pflanzen der Gattung Prunus setzen besonders viel Blausäure frei — Schnittgut sollte nicht auf die Weide geworfen werden. |
Geschichte und Herkunft
Die Kirsche ist einer der ältesten kultivierten Obstbäume Europas — ihre Steine wurden an archäologischen Fundstellen aus der Bronzezeit gefunden. Nach der von Plinius dem Älteren überlieferten römischen Tradition brachte der Feldherr Lucullus im 1. Jahrhundert v. Chr. edle Süßkirschen aus der Stadt Kerasos (dem heutigen Giresun) in Pontos nach Rom — von diesem Namen leitet sich die griechisch-lateinische Bezeichnung der Kirsche ab und mittelbar auch die Namen in vielen europäischen Sprachen. Die wild wachsende Vogel-Kirsche wurde in Europa lange vor dem Aufkommen der Kultursorten gesammelt und genutzt.
Verwendung
Für Haus- und Erwerbsobstgärten — in kleinen Gärten ausschließlich auf schwachwüchsigen und wuchshemmenden Unterlagen, die den Baum in Reichweite halten und die Ernte erleichtern. Ein wertvoller Park- und Waldbaum (Edellaubholz-Beimischung) mit hohem Wert für Vögel und bestäubende Insekten. Die Früchte werden hauptsächlich roh verzehrt, außerdem zu Kompott, Konfitüre und Likören verarbeitet.
Wissenswertes
- Der Artname avium bedeutet wörtlich „der Vögel“ — Vögel fressen die Früchte und verbreiten die Steine, wodurch sich die Kirsche selbst in Wäldern und Gebüschen aussät.
- Das Kirschholz mit seiner warmen, rötlichen Farbe gehört zu den wertvollsten heimischen Möbelhölzern — deshalb wird die Art in Wäldern als sogenannte Edellaubholz-Beimischung gepflanzt.
- Die erste wirklich selbstfruchtbare Süßkirschsorte war die kanadische „Stella“, Ende der 1960er Jahre eingeführt; erst dank ihr und ihren Nachkommen hat ein einzelner Baum im kleinen Garten die Chance zu fruchten.
Häufige Fragen
Setzt eine einzelne Süßkirsche im Garten Früchte an?
In der Regel nicht. Die überwiegende Mehrheit der Süßkirschsorten ist selbstunfruchtbar — der eigene Pollen befruchtet die Blüten nicht, sodass der Baum reich blüht, aber keine Früchte ansetzt. Erforderlich ist in der Nähe, am besten bis 50 m, eine zweite, kompatible Sorte, die zur gleichen Zeit blüht. Eine Ausnahme bilden die wenigen selbstfruchtbaren Sorten (z. B. „Stella“, „Lapins“, „Sunburst“), die einzeln fruchten — und nur solche lohnt es sich zu pflanzen, wenn im Garten und in der Nachbarschaft keine andere Süßkirsche steht. Zu bedenken ist, dass die Sauerkirsche die Süßkirsche nicht bestäubt.
Warum platzen die Süßkirschen kurz vor der Ernte auf?
Das ist eine Reaktion auf den plötzlichen Wechsel der Wasserversorgung: Nach einer trockenen Phase führt ein ergiebiger Regen oder eine Wassergabe zu einem raschen Wasserzustrom in die reifenden Früchte, deren Haut sich nicht schnell genug dehnen kann — und aufplatzt. Wasser dringt auch unmittelbar durch die Haut der benetzten Früchte ein. Es hilft eine ausgeglichene Bodenfeuchte (Mulchen, regelmäßiges Gießen statt Überschwemmen nach der Trockenheit), die Wahl weniger anfälliger Sorten sowie — im Erwerbsanbau — Regenschutzüberdachungen.
Wann schneidet man die Süßkirsche?
Ausschließlich im Sommer, direkt nach der Ernte — am besten im Juli oder August. Die Wunden verheilen dann rasch, mitten in der Vegetation, und der Baum wehrt sich wirksam gegen eine Infektion. Der bei Apfelbäumen übliche Schnitt im Herbst, Winter und Vorfrühling ist bei der Süßkirsche ein Fehler: Er begünstigt Gummifluss (Harzaustritt) und Bakterienkrebs, die ganze Äste zum Absterben bringen können.
Quellen
- Plants of the World Online (POWO)Datenbank (GBIF, POWO…)
- RHS — Prunus aviumInstitution / Botanischer Garten
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