Kurz gefasst
- In Polen heimisch; eine natürliche Pflanze der Ufer von Gräben, Bächen, Quellfluren und nassen Wiesen.
- Es ist eine STAUDE, die viele Jahre lebt — nicht zu verwechseln mit dem Wald-Vergissmeinnicht der Gärten, das eine kurzlebige zweijährige Pflanze ist.
- Es blüht außerordentlich lange, von Mai bis in den September — weit länger als seine Verwandte aus dem Garten.
- Die Blüten sind blau mit einem gelben Auge, das nach der Bestäubung seine Farbe zu Weiß wechselt — ein Signal für die Insekten.
- Standort: dauerhaft nasses Ufer oder eine Flachwasserzone bis 10 cm Wasser; Trockenheit verträgt es überhaupt nicht.
- Der Name scorpioides stammt von dem wie ein Skorpionschwanz eingerollten Blütenstand, der sich im Verlauf der Blüte streckt.
Botanische Daten
- Familie
- Boraginaceae (Boraginaceae)
- Höhe
- 0.15–0.4 m
- Breite
- 0.3–0.6 m
- Wuchsform
- Kriechend
- Wuchsgeschwindigkeit
- Schnell
- Standort
- Sonne, Halbschatten
- Boden
- Lehmig, Tonig, Humos, Torfig
- pH-Wert
- pH 5.5–7.5
- Feuchtigkeit
- Nass, Feucht
- Blütezeit
- Mai–September
- Winterhärte
- USDA 4a–9a
- Vermehrung
- Durch Teilung, Aus Samen, Aus Stecklingen, Durch Ausläufer
Merkmale
Eine Staude mit kriechenden, verzweigten Trieben, die an den Knoten wurzeln und dadurch einen lockeren, sich ausbreitenden Teppich von 15–40 cm Höhe bilden. Die Triebe sind kantig und anliegend behaart, die Blätter länglich bis spatelförmig, matt und weich behaart — ihre Form gab der Pflanze den Gattungsnamen Myosotis, wörtlich „Mäuseohr“. Der Blütenstand ist ein Wickel: ein dicht zu einer Spirale eingerollter Trieb, der aussieht wie ein Skorpionschwanz und sich allmählich streckt, während sich nacheinander die Blüten öffnen — an der Spitze der Windung sitzen stets noch geschlossene Knospen, und am Grund reifen bereits die Früchtchen. Genau diesem Merkmal verdankt die Pflanze das Artepitheton scorpioides. Die Blüten sind klein (5–8 mm), fünfblättrig, von reinem, hellem Blau, mit einem deutlichen gelben Auge in der Mitte — und dieses Auge wechselt nach der Bestäubung seine Farbe zu Weiß und signalisiert den Insekten, dass in dieser Blüte kein Nektar mehr ist. Die Blüte zieht sich von Mai bis September hin, weit länger als beim Wald-Vergissmeinnicht der Gärten. Nach dem Verblühen bilden sich kleine, glänzende, schwarze Klausen, die sich an Fell und Kleidung heften. Die Pflanze breitet sich auch vegetativ aus, über kriechende Triebe und kurze Ausläufer.
Anbau und Pflege
Bewässerung
Die Pflanze verlangt unbedingt einen dauerhaft nassen Untergrund und erträgt die Überflutung mit flachem Wasser ohne Schaden — in der Natur vermag sie den ganzen Sommer in einem Graben mit Wasser bis zum Grund der Triebe zu wachsen. Trockenheit beendet die Saison in wenigen Tagen: Die Triebe welken und die Pflanze vertrocknet vorzeitig. Das ist die einzige wirkliche Bedingung ihrer erfolgreichen Kultur.
Düngung
Eine Düngung ist überflüssig, und ein Stickstoffüberschuss ergibt üppige, umfallende Triebe auf Kosten der Blüte. In der Nähe eines Gartenteichs verzichtet man besser ganz auf Mineraldünger, weil er ins Wasser gespült wird und Algen begünstigt.
Pflanzung
Ein dauerhaft nasses Ufer oder eine Flachwasserzone mit einer Wassertiefe von ungefähr 10 cm über dem Substrat — es ist die klassische Pflanze des äußersten Wasserrandes, hervorragend geeignet, um den Rand der Folie im Teich zu verdecken. Der Boden nährstoffreich und humos, er darf schwer und lehmig sein. In Gruppen zu mehreren Stück pflanzen, denn eine einzelne Pflanze ergibt eine kümmerliche Wirkung; sie breitet sich von selbst mit kriechenden Trieben aus.
Schnitt
Nach dem Verblühen und dem Umfallen der Triebe das ganze Pölsterchen tief über dem Substrat abschneiden — bei ausreichend Wasser treibt es mit einer frischen Rosette wieder aus und blüht oft ein zweites Mal gegen Ende des Sommers. Im Vorfrühling die vertrockneten, vorjährigen Triebe entfernen.
Begleitpflanzen
Gute Nachbarschaft
Ein klassisches Duett des äußersten Wasserrandes: Die gelbe Sumpfdotterblume blüht ab April, und wenn sie verblüht, übernimmt das blaue Vergissmeinnicht das Ufer und hält es den ganzen Sommer über in Farbe. Identische Ansprüche, dieselben Bedingungen, einander ergänzende Farben und Zeiten.
Das niedrige, kriechende Vergissmeinnicht füllt den Raum am Grund der hohen Horste der Schwertlilie, der von Natur aus kahl bleibt — beide Pflanzen haben dieselben Ansprüche an ein nasses Ufer und konkurrieren nicht um Licht.
Die senkrechten, dünnen Triebe der Binse und der flache, blaue Teppich des Vergissmeinnichts zu ihren Füßen ergeben zwei völlig verschiedene Stockwerke und Texturen bei denselben Wasseransprüchen.
Schlechte Nachbarschaft
Der Rohrkolben besetzt denselben Ufergürtel, ist aber um ein Mehrfaches höher und breitet sich mit Rhizomen sehr schnell aus — in zwei, drei Saisons beschattet und erstickt er das niedrige Vergissmeinnicht vollständig.
Genau entgegengesetzte Ansprüche: Der Lavendel braucht trockenen, durchlässigen und kalkhaltigen Boden, das Sumpf-Vergissmeinnicht einen dauerhaft nassen. Auf einem Standort wird eine von beiden immer eingehen.
Die Belegstufe zeigt an, ob der Zusammenhang durch Studien, Beobachtung oder gärtnerische Tradition gestützt ist.
Giftigkeit
| Für wen | Stufe | Hinweise |
|---|---|---|
| Menschen | Keine | Die Pflanze gilt nicht als giftig und stellt weder bei Berührung noch in einem Garten mit Kindern eine Gefahr dar. Wie viele Vertreter der Raublattgewächse kann sie jedoch Spuren von Pyrrolizidinalkaloiden enthalten, die bei langfristigem Verzehr die Leber belasten — deshalb ist sie weder eine Speise- noch eine Heilpflanze, und man sollte aus ihr keine Aufgüsse zubereiten. |
| Hunde | Keine | — |
| Katzen | Keine | — |
| Pferde | Keine | — |
Geschichte und Herkunft
Das Vergissmeinnicht hat eine der bekanntesten Legenden der europäischen Botanik, auch wenn ihre ältesten aufgezeichneten Fassungen erst aus dem romantischen 19. Jahrhundert stammen. Ein Ritter soll am Fluss blaue Blumen für seine Dame gepflückt haben, ins Wasser gefallen sein und ihr im Ertrinken den Strauß mit dem Ruf „Vergiss mein nicht!“ zugeworfen haben. Der Name in genau diesem Wortlaut setzte sich in nahezu allen Sprachen Europas durch: forget-me-not, ne m'oubliez pas, niezapominajka. Dass die Legende von einem im Fluss ertrinkenden Ritter erzählt, ist kein Zufall — die Heldin der Erzählung ist eben die Art des Wasserrandes und nicht das trockenheitsliebende Wald-Vergissmeinnicht der Gartenbeete. Die Blume wurde dadurch zu einem dauerhaften Symbol der Erinnerung und der Treue: Sie war in den 1930er Jahren das Erkennungszeichen der deutschen Freimaurerei, heute ist sie das Emblem von Organisationen, die sich mit der Alzheimer-Krankheit befassen, und vieler Gedenkinitiativen. Im Gartenbau hat die Art dagegen eine bescheidenere, aber dauerhafte Karriere als Grundpflanze der Ränder von Gartenteichen gemacht — geschätzt für das, was keine ihrer Verwandten vermag: eine Blüte über fünf Monate hintereinander, an einer Stelle, an der Wasser steht.
Verwendung
Die Grundpflanze des unmittelbaren Wasserrandes: Mit ihr bepflanzt man den Rand eines Gartenteichs, das Ufer eines Bachlaufs und einer Kaskade, und ihre kriechenden Triebe verdecken hervorragend die herausstehende Folie oder den Beton — ein Problem, mit dem sich in kleinen Gewässern nahezu jeder auseinandersetzen muss. Sie bewährt sich auch in Regengärten, in sumpfigen Senken und überall dort, wo sich das Wasser von selbst sammelt. Ihr größter Vorzug ist die Länge der Blüte: Der blaue Teppich hält von Mai bis September, sie füllt also die ganze Lücke zwischen den frühlingshaften Sumpfdotterblumen und dem spätsommerlichen Blut-Weiderich. Stets in Gruppen zu mehreren Stück pflanzen, denn eine einzelne Pflanze ergibt eine kümmerliche Wirkung, und am besten am Grund höherer Wasserstauden — der Schwertlilie, der Binse —, deren unterer Teil kahl bleibt. Im Handel sind Sorten mit kräftigerem Blau ('Mermaid') sowie weiße und rosa erhältlich. Die Pflanze ist pflegefrei und langlebig unter einer einzigen, aber unbedingten Bedingung: Der Untergrund darf nicht austrocknen.
Wissenswertes
- Das gelbe Auge in der Mitte der Blüte ist ein funktionierender Signalgeber: Nach der Bestäubung wechselt es seine Farbe zu Weiß, und erst dann hören die Insekten auf, dort hineinzuschauen. Dadurch lenkt die Pflanze Hummeln und Bienen ausschließlich zu den Blüten, in denen noch Nektar ist — und vergeudet weder deren Zeit noch ihren eigenen Pollen.
- Das Artepitheton scorpioides bedeutet „skorpionartig“ und bezieht sich auf den Blütenstand: Jung ist er eng zu einer Spirale eingerollt, die an einen Skorpionschwanz erinnert, und er streckt sich allmählich, während sich nacheinander die Blüten öffnen. Im Ergebnis sieht man an einem Trieb zugleich geschlossene Knospen an der Spitze der Windung, entfaltete Blüten in der Mitte und reifende Früchtchen am Grund.
- Der Gattungsname Myosotis bedeutet auf Griechisch „Mäuseohr“ und bezieht sich auf die Form und die weiche Behaarung der Blätter. Die Legende vom ertrinkenden Ritter, der den Strauß mit dem Ruf „Vergiss mein nicht!“ zuwirft, betrifft eben diese Art des Wasserrandes — nicht das Wald-Vergissmeinnicht der Gärten, das auf trockenen Beeten wächst und am Wasser nicht überleben würde.
Häufige Fragen
Wodurch unterscheidet sich das Sumpf-Vergissmeinnicht vom gewöhnlichen Garten-Vergissmeinnicht?
Das sind zwei verschiedene Arten mit völlig unterschiedlicher Lebensweise. Das Wald-Vergissmeinnicht der Gärten (Myosotis sylvatica), das im Frühjahr in Kisten für die Beete verkauft wird, ist eine kurzlebige zweijährige Pflanze: Sie blüht einige Wochen im Mai, vertrocknet danach und hält sich im Garten nur noch über die Selbstaussaat. Das Sumpf-Vergissmeinnicht ist eine echte Staude, die viele Jahre lebt, sich mit kriechenden Trieben ausbreitet und von Mai bis in den September blüht. Sie unterscheiden sich auch in ihren Ansprüchen: Das Wald-Vergissmeinnicht wächst in einem gewöhnlichen, durchschnittlich feuchten Beet, das Sumpf-Vergissmeinnicht verlangt dauerhaft nassen Untergrund und erträgt die Überflutung mit flachem Wasser. Wenn du ein Vergissmeinnicht für den Gartenteich suchst, brauchst du eben dieses.
Warum wird das gelbe Auge in den Blüten meines Vergissmeinnichts weiß?
Das ist normal und eine der interessanteren Sachen an dieser Pflanze. Das gelbe Auge ist ein Signal für die Insekten: Es führt sie zum Nektar. Nach der Bestäubung der Blüte wechselt es seine Farbe zu Weiß, was für eine Hummel oder eine Biene bedeutet „hier ist nichts mehr“ — dadurch besuchen die Insekten ausschließlich noch unbestäubte Blüten. Die Pflanze spart auf diese Weise deren Zeit und sichert sich selbst eine wirksamere Bestäubung, denn der Pollen gelangt nicht dorthin, wo er schon überflüssig ist. Das weiße Auge ist also kein Zeichen von Krankheit oder Alterung, sondern ein Beweis, dass die Blüte ihre Aufgabe erfüllt hat.
Muss das Sumpf-Vergissmeinnicht im Wasser wachsen?
Im Wasser muss es nicht, in nassem Untergrund aber schon — und das ist eine unbedingte Bedingung. Am besten wächst es am äußersten Rand des Gewässers oder in einer Flachwasserzone mit bis zu etwa 10 cm Wasser über dem Substrat und erträgt die Überflutung ohne Schaden. Es kommt auch in einem Regengarten oder in einer sumpfigen Senke zurecht, sofern der Boden nicht austrocknet. In einem gewöhnlichen, durchlässigen Beet hat es nichts zu suchen: Bei der ersten Julitrockenheit welkt es binnen weniger Tage. Wenn du ein Vergissmeinnicht für einen trockeneren Platz willst, wähle das Wald-Vergissmeinnicht — das ist eine andere Art, eben an solche Bedingungen angepasst.
Quellen
- Plants of the World Online (POWO) — Myosotis scorpioidesDatenbank (GBIF, POWO…)
- RHS — Myosotis scorpioidesInstitution / Botanischer Garten
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