Kurz gefasst
- Ein Strauch ohne Dornen — im Unterschied zur Stachelbeere aus derselben Gattung Ribes — der in langen, hängenden Trauben fruchtet.
- Die Blätter haben nicht das Aroma der Schwarzen Johannisbeere; am Geruch des zerriebenen Blattes lassen sich beide Arten am leichtesten unterscheiden.
- Fruchtet an Kurztrieben älteren Holzes — an 8–10 Gerüsttrieben führen, nicht jedes Jahr alles Ältere ausschneiden.
- Sehr frosthart (bis Zone 3) und halbschattentolerant — bewährt sich an einer kühleren Nordwand.
- Ernte von Ende Juni bis Juli; die Früchte färben sich rot, bevor sie ihren vollen Geschmack erreichen.
- Die Früchte sind reich an Pektinen — der Saft geliert ohne Zusatz von Gelatine.
Botanische Daten
- Familie
- Grossulariaceae (Grossulariaceae)
- Höhe
- 1–1.8 m
- Breite
- 1–1.5 m
- Wuchsform
- Aufrecht
- Wuchsgeschwindigkeit
- Mäßig
- Standort
- Sonne, Halbschatten
- Boden
- Humos, Lehmig, Sandig
- pH-Wert
- pH 6–7
- Feuchtigkeit
- Mäßig
- Blütezeit
- April–Mai
- Winterhärte
- USDA 3a–8a
- Vermehrung
- Aus Stecklingen, Durch Absenker
Merkmale
Ein Strauch mit aufrechterem Wuchs als die Schwarze Johannisbeere, mit dornenlosen Trieben. Die Blätter sind 3–5-lappig, gezähnt und beim Zerreiben geruchlos — ein einfaches und sicheres Merkmal zur Unterscheidung von der intensiv duftenden Schwarzen Johannisbeere. Die Blüten sind klein, grünlichgelb, flach und schüsselförmig, zu je einem Dutzend und mehr in hängenden Trauben vereint. Die Früchte sind kugelige, fast durchscheinende Beeren mit intensiv roter (bei den weißen Sorten — farbloser) Haut, durch die die Samen hindurchschimmern; der Geschmack ist deutlich sauer und erfrischend.
Anbau und Pflege
Bewässerung
Verträgt Trockenheit besser als die Schwarze Johannisbeere, doch Austrocknung während der Fruchtreife ergibt kleine Beeren und lässt die Trauben abrieseln. Unter den Strauch gießen und dabei das Benetzen der Blätter vermeiden.
Düngung
Die Nährstoffansprüche sind geringer als bei der Schwarzen Johannisbeere — ein jährliches Mulchen mit Kompost genügt. Achtung: Die Gattung Ribes ist empfindlich gegenüber Chloriden, daher mit Kaliumsulfat düngen und nicht mit Kalisalz.
Pflanzung
Ein nährstoffreicher, humoser, durchlässiger Boden. Im Unterschied zur Schwarzen Johannisbeere in derselben Tiefe pflanzen, in der der Strauch in der Baumschule stand — die Rote Johannisbeere wird nicht jedes Jahr durch Triebe von der Basis erneuert, sondern an bleibenden Gerüsttrieben geführt, sodass tiefes Pflanzen keinen Sinn hat. Sie verträgt Halbschatten gut, was die Nutzung kühlerer Winkel des Gartens erlaubt.
Schnitt
Die Rote Johannisbeere fruchtet an Kurztrieben am Grund der einjährigen Zuwächse und an 2–3-jährigem Holz. 8–10 Gerüsttriebe unterschiedlichen Alters führen und jedes Jahr nur die ältesten (über 4–5 Jahre) sowie den Überschuss neuer Bodentriebe entfernen; die Seitenzuwächse lassen sich einkürzen, um die fruchttragenden Kurztriebe zu verdichten.
Begleitpflanzen
Gute Nachbarschaft
Zwischen die Sträucher gepflanzt, vertreibt er mit seinem starken Geruch traditionell Johannisbeerblattläuse, deren Saugtätigkeit rote Blasen auf den Blättern verursacht.
Die Blüten locken Schwebfliegen und Marienkäfer an — die natürlichen Feinde der Johannisbeerblasenlaus, des Hauptschädlings dieser Art.
Ähnliche Bodenansprüche und Halbschattentoleranz erlauben es, beide Arten in einem gemeinsamen Nutzteil des Gartens zu führen; sie sind nicht nah verwandt und teilen daher keine wesentlichen Krankheiten.
Schlechte Nachbarschaft
Dieselbe Gattung Ribes bedeutet einen gemeinsamen Pool an Schädlingen und Krankheiten (u. a. Johannisbeerglasflügler und Johannisbeer-Knospenmotte), die leicht zwischen eng gepflanzten Sträuchern überspringen.
Die Rote Johannisbeere ist Zwischenwirt des Strobenrostes — eines Pilzes, der seinen Entwicklungszyklus nur unter Mitwirkung eines Ribes-Strauches und einer fünfnadeligen Kiefer abschließt. Für die Johannisbeere ist er wenig gefährlich, für die Weymouth-Kiefer kann er tödlich sein.
Die Belegstufe zeigt an, ob der Zusammenhang durch Studien, Beobachtung oder gärtnerische Tradition gestützt ist.
Giftigkeit
| Für wen | Stufe | Hinweise |
|---|---|---|
| Menschen | Keine | Die Früchte sind vollständig essbar und werden für ihren hohen Gehalt an Pektinen und Vitamin C geschätzt. |
| Hunde | Keine | — |
| Katzen | Keine | — |
Geschichte und Herkunft
Die Rote Johannisbeere stammt aus West- und Mitteleuropa und gelangte verhältnismäßig spät in die Gärten — die ersten Erwähnungen ihrer Kultur stammen aus dem 15.–16. Jahrhundert, vor allem aus den Niederlanden, Dänemark und Norddeutschland. Als Art der kühlen Zonen wurde sie in Nord- und Mitteleuropa rasch heimisch, wo sie zur Grundlage hausgemachter Konserven wurde. Der deutsche Name Johannisbeere („Johannis-Beere“) verweist auf den Johannistag (24. Juni) — das traditionelle Datum der ersten reifen Früchte.
Verwendung
Anbau zur Fruchtnutzung in Hausgärten — vor allem für Konserven: Gelees, Säfte, Konfitüren, Weine und Liköre, außerdem als wirkungsvolle Dekoration von Kuchen und Desserts. Dank ihrer Halbschattentoleranz nutzt sie kühlere Stellen gut aus, die andere Obstpflanzen nicht erschließen; sie lässt sich auch am Spalier an einer Wand oder einem Zaun sowie als Hochstamm ziehen.
Wissenswertes
- Der deutsche Name Johannisbeere, also „Johannis-Beere“, stammt vom Johannistag (24. Juni) — dem traditionellen Datum der ersten Ernte.
- Die Weiße Johannisbeere ist keine eigene Art, sondern eine Farbvariante der Roten Johannisbeere, der der rote Fruchtfarbstoff fehlt.
- Die Früchte enthalten außerordentlich viel Pektin, weshalb der Saft der Roten Johannisbeere von selbst zu Gelee geliert, ohne Zusatz von Gelatine oder Geliermitteln.
Häufige Fragen
Worin unterscheidet sich die Rote Johannisbeere von der Schwarzen?
Außer der Fruchtfarbe gibt es etliche Unterschiede. Die Blätter der Schwarzen Johannisbeere verströmen beim Zerreiben einen intensiven, harzigen Geruch — bei der Roten sind sie geruchlos. Die Schwarze ist wasser- und nährstoffhungriger, die Rote verträgt Trockenheit und Halbschatten besser. Der wichtigste Unterschied ist praktischer Natur: Die Schwarze Johannisbeere fruchtet an 1–2-jährigen Trieben und verlangt das jährliche Ausschneiden älterer Triebe bodennah, während die Rote an Kurztrieben älteren Holzes fruchtet und an bleibenden Gerüsttrieben geführt wird. Diese beiden Schnittweisen zu verwechseln, ist die häufigste Ursache für ausbleibenden Ertrag. Die Früchte der Schwarzen Johannisbeere haben zudem erheblich mehr Vitamin C, die der Roten — mehr Pektin.
Warum fruchtet ein großer, stattlicher Strauch der Roten Johannisbeere so schwach?
Meist ist das die Folge davon, sie wie die Schwarze Johannisbeere zu schneiden. Das jährliche bodennahe Ausschneiden aller Triebe, die älter als 2–3 Jahre sind, entfernt die fruchttragenden Kurztriebe, an denen bei der Roten Johannisbeere die Trauben angesetzt werden — der Strauch baut dann nur Blattmasse wieder auf. Weitere Ursachen sind ein zu dichtes, nicht ausgelichtetes Strauchinneres, tiefer Schatten sowie Austrocknung während der Fruchtreife.
Wächst die Rote Johannisbeere auch im Schatten?
Sie ist einer der wenigen Beerensträucher, die Halbschatten wirklich gut vertragen — sie kommt sogar an einer Nordwand des Hauses zurecht, fruchtet dann allerdings etwas schwächer, und die Früchte sind saurer. In voller Sonne ist der Ertrag am größten und sind die Beeren am süßesten. Tiefen Schatten (z. B. unter der geschlossenen Krone eines großen Baumes) sollte man jedoch meiden: Die Triebe vergeilen, und der Fruchtansatz hört praktisch auf.
Quellen
- Plants of the World Online (POWO)Datenbank (GBIF, POWO…)
- RHS — Ribes rubrum (redcurrant)Institution / Botanischer Garten
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