Kurz gefasst
- Standort: HALBSCHATTEN oder SCHATTEN — untypisch für Clematis, verträgt gut eine schattige Nordwand.
- Sehr FROSTHART — Zone 3a, verträgt bis −40 °C.
- Blüht FRÜH (IV–V) mit hängenden Glöckchen — anders als großblumige Hybriden (VI–IX).
- Schnittgruppe 1 — nur NACH der Blüte schneiden, und nur leicht.
- Fußbereich MUSS beschattet sein — Mulch, Bodendeckerstaude oder Pflanzung hinter einem anderen Strauch.
- In Deutschland und der Schweiz in der Natur GESCHÜTZT (Alpen, Karpaten) — für den Garten nur Zuchtpflanzen kaufen.
Botanische Daten
- Familie
- Ranunculaceae (Ranunculaceae)
- Höhe
- 2–3 m
- Breite
- 1–1.5 m
- Wuchsform
- Kriechend
- Wuchsgeschwindigkeit
- Mäßig
- Standort
- Halbschatten, Schatten
- Boden
- Humos, Lehmig
- pH-Wert
- pH 6.5–7.5
- Feuchtigkeit
- Mäßig, Feucht
- Blütezeit
- April–Mai
- Winterhärte
- USDA 3a–7b
- Vermehrung
- Durch Absenker, Aus Stecklingen, Aus Samen
Merkmale
Mehrjähriger, sommergrüner Kletterer, der 2–3 m hoch wird und sich mit den Blattstielen an Stützen windet (keine Haftwurzeln, keine Ranken). Triebe dünn, braungrün, einjährige verholzen meist. Blätter gegenständig, aus 9 (manchmal 3+6) kleinen, eiförmig-lanzettlichen Fiederblättchen mit gezähntem Rand — ergibt einen leichten, filigranen Habitus. Blüten einzeln, aus den Blattachseln auf langen Stielen, HÄNGENDE Glöckchen mit 4 Perigonblättern 3–4 cm lang. Farbe der Typart — violett-blau; Gartensorten (‘Frances Rivis’, ‘Willy’, ‘Ruby’, ‘Constance’, ‘Pink Flamingo’) erweitern die Palette um Weiß, Rosa und intensives Purpur. Im Inneren der Blüte sichtbare Krone aus weißen, umgewandelten Staminodien — ein charakteristisches Merkmal der Untergruppe Atragene. Blüten duften schwach. Nach der Blüte zieren feine, gefiederte Nüsschen mit langem, gefiedertem Anhängsel — sie sehen aus wie silberne Federbüsche und halten bis in den Herbst.
Anbau und Pflege
Bewässerung
Der Fußbereich (unteren 40 cm) MUSS beschattet und kühl sein — am besten mit dicker Rindenmulchschicht abdecken oder eine niedrige Bodendeckerstaude nördlich pflanzen. Der obere Teil der Pflanze darf in der Sonne stehen.
Düngung
Im Frühjahr Kompost 3–5 cm um die Basis, nach der Blüte (VI) Volldünger gemäß Anleitung. Alle 2–3 Jahre lohnt sich Gartenkalk — Waldreben bevorzugen neutralen bis leicht alkalischen pH-Wert.
Pflanzung
Pflanzloch 50×50×50 cm ausheben, mit Kompost, Gartenerde und Sand befüllen. Wurzelhals 5–8 cm UNTER Bodenniveau pflanzen (nicht so tief wie großblumige Hybriden — 8 cm reichen). Kletterhilfe: Rankgitter, Pergola, Netz oder benachbarte Sträucher — hat keine Haftwurzeln, windet sich mit den Blättern.
Schnitt
Nach der Blüte nur verblühte Triebe und beschädigte Zweige entfernen. Gesunde einjährige Triebe nicht einkürzen — an ihnen blüht sie im Folgejahr. Alle paar Jahre kann ein Verjüngungsschnitt erfolgen: 1/3 der ältesten Triebe an der Basis entfernen.
Begleitpflanzen
Gute Nachbarschaft
Funkien bilden eine niedrige, dichte Gruppe, die den Fußbereich des Kletterers bedeckt — sie kühlen die Wurzeln und sorgen für die notwendige Beschattung des Wurzelbereichs.
Immergrüne Staude, die den Fußbereich des Kletterers deckt; Schatten und Feuchtigkeit am Fuß passen wechselseitig zueinander.
Schlechte Nachbarschaft
Sie konkurrieren aggressiv um Wasser und Raum in der Wurzelzone der Waldrebe und schwächen sie.
Die Belegstufe zeigt an, ob der Zusammenhang durch Studien, Beobachtung oder gärtnerische Tradition gestützt ist.
Giftigkeit
| Für wen | Stufe | Hinweise |
|---|---|---|
| Menschen | Leicht | Frische Triebe und Blätter enthalten Protoanemonin — eine Haut und Schleimhäute reizende Substanz aus der Familie Ranunculaceae. Der Saft kann Hautentzündungen auslösen. |
| Hunde | Leicht | — |
| Katzen | Leicht | — |
Geschichte und Herkunft
Die Art wurde 1753 von Linné unter dem Namen Atragene alpina beschrieben, erst im 19. Jahrhundert in die Gattung Clematis eingegliedert. Wächst natürlich in den Alpen, Karpaten, Sudeten und den Gebirgen Skandinaviens, meist an felsigen, kalkreichen Hängen von 800 bis 2400 m ü. NN. Im 18. Jahrhundert in die Gärten eingeführt — als einer der ersten Kletterer für Nord- und schattige Seiten. Im 20. Jahrhundert leiteten schwedische und britische Züchter (Magnus Johnson, Raymond Evison) aus ihr eine Reihe von Gartensorten ab. In freier Natur in Deutschland/Österreich/Schweiz GESCHÜTZT — für den Garten nur aus legaler Zucht kaufen.
Verwendung
Für schattige Wände, Pergolen und Rankgitter an Nord- und Ostseiten — einer der wenigen Kletterer, die in solch schwierigen Bedingungen blühen. Wächst hervorragend durch andere Sträucher (Rosen, Azaleen, Rhododendren) und bildet eine zweistöckige Blütenkomposition. Für Natur-, Bauern- und Steingärten. In kleinen Gärten — an einen Zaun, Balkongitter, schmale Pergola. Ein Klassiker alpiner und skandinavischer Gartenprojekte.
Wissenswertes
- Der Artname alpina verweist auf die alpine Herkunft — die Art wächst bis 2400 m ü. NN, höher als die meisten anderen Clematis.
- Die Untergruppe Atragene (zu der C. alpina gehört) unterscheidet sich vom übrigen Genus durch die sogenannte Krone aus umgewandelten Staminodien im Blüteninneren — das ergibt den Eindruck einer Blüte in der Blüte.
- Im Gegensatz zu großblumigen Hybriden (Blütendurchmesser bis 20 cm) hat die Alpen-Waldrebe kleine (3–4 cm) und hängende Blüten — eher naturhaft, wiesenartig.
- Die Sorte ‘Frances Rivis’ erhielt 1994 den prestigeträchtigen RHS Award of Garden Merit — bis heute eine der meistgepflanzten Sorten dieser Art.
Häufige Fragen
Wodurch unterscheidet sich die Alpen-Waldrebe von großblumigen Sorten?
Durch mehrere Grundmerkmale. Alpen (Gruppe Atragene): blüht im FRÜHJAHR (IV–V), kleine (3–4 cm) hängende Glöckchenblüten, verträgt Halbschatten und Schatten, Schnittgruppe 1 (nur nach der Blüte). Großblumige Hybride: blüht VI–IX, große (10–20 cm) seitlich oder aufwärts gerichtete Blüten, braucht Sonne, meist Schnittgruppe 2 oder 3 (stärkerer Schnitt). Auch die Frosthärte unterscheidet sich: die Alpen-Waldrebe verträgt −40 °C (Zone 3a), Hybriden 6a–7a.
Blüht die Alpen-Waldrebe tatsächlich im Schatten?
Ja — sie ist eine der wenigen Clematis, die schattige Standorte wirklich verträgt. In Halbschatten (einige Stunden Morgensonne) blüht sie reich, in tiefem Schatten spärlicher, aber regelmäßig. Voraussetzung: der Fußbereich muss kühl und feucht sein, und die Stütze soll dem Kletterer erlauben, in die oberen Bereiche mit etwas Licht zu wachsen.
Wann und wie schneidet man die Alpen-Waldrebe?
Alpen-Clematis gehören zur SCHNITTGRUPPE 1 — sie blühen an Trieben aus dem Vorjahr. NUR nach der Blüte (VI) schneiden, und nur leicht: verblühte Triebe und beschädigte Zweige entfernen. Gesunde, einjährige Triebe nicht einkürzen. Alle 3–5 Jahre kann ein Verjüngungsschnitt erfolgen: 1/3 der ältesten Triebe an der Basis entfernen. Ein Frühjahrs- oder Herbstschnitt (typisch für Hybriden der Gruppe 3) ELIMINIERT die Blüte in diesem Jahr.
Quellen
- Plants of the World Online (POWO) — Clematis alpinaDatenbank (GBIF, POWO…)
- RHS — Clematis alpina growing guideInstitution / Botanischer Garten
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