Kurz gefasst
- Immergrüner Farn — die Wedel bleiben den ganzen Winter über erhalten und sterben erst ab, nachdem sich neue entwickelt haben.
- Blüht nicht: Er vermehrt sich durch Sporen, die in runden Sori auf der Wedelunterseite heranreifen.
- Epiphyt und Lithophyt — in der Natur wächst er auf Baumrinde, Felsblöcken und Mauern, nicht in typischer Gartenerde.
- Sehr frosthart (Zone 3a), benötigt Schatten oder Halbschatten und einen sauren, humosen Untergrund.
- Das Rhizom kriecht flach unter der Streuschicht — sehr flach pflanzen, nicht vergraben.
- Das Rhizom schmeckt süßlich, daher der polnische Volksname „słodycz“ (Süße).
Botanische Daten
- Familie
- Polypodiaceae (Polypodiaceae)
- Höhe
- 0.1–0.3 m
- Breite
- 0.2–0.6 m
- Wuchsform
- Kriechend
- Wuchsgeschwindigkeit
- Langsam
- Standort
- Halbschatten, Schatten
- Boden
- Humos, Sandig, Torfig
- pH-Wert
- pH 4.5–6.5
- Feuchtigkeit
- Mäßig, Feucht
- Blütezeit
- —
- Winterhärte
- USDA 3a–8b
- Vermehrung
- Durch Teilung, Aus Samen
Merkmale
Er bildet lockere, flache Kolonien von Wedeln, die einzeln aus einem langen, kriechenden, mit rostbraunen Schuppen bedeckten Rhizom entspringen. Die Wedel sind steif, ledrig, einfach gefiedert (nur einmal geteilt, in längliche Abschnitte mit abgerundeten Enden) und behalten ihre dunkelgrüne Farbe den ganzen Winter über. Auf der Wedelunterseite sind große, runde, orangefarbene Sporenhäufchen (Sori) sichtbar, die in zwei regelmäßigen Reihen beiderseits der Mittelrippe stehen — ihnen verdankt die Gattung ihren englischen Namen „polypody“, und sie sind die einzige „Fortpflanzungsstruktur“ dieser Pflanze.
Anbau und Pflege
Bewässerung
Mag einen stets leicht feuchten, aber niemals durchnässten Untergrund. Das Rhizom kriecht dicht unter der Oberfläche und fault in nasser, verdichteter Erde leicht — wichtiger als das Gießen sind feuchte Streu und Schatten.
Düngung
Sehr sparsam — in der Natur lebt die Pflanze von dem Humus, der sich in den Spalten von Rinde und Fels sammelt, Mineraldünger sind überflüssig.
Pflanzung
Das Rhizom flach legen, direkt unter der Streu- oder Humusschicht — nicht tief vergraben. Bewährt haben sich eine Felsspalte, ein bemooster Findling, ein morscher Stamm oder ein lockerer, humoser Waldboden.
Schnitt
Ausschließlich die vom Frost geschädigten oder braun gewordenen Wedel direkt am Ansatz herausschneiden.
Begleitpflanzen
Gute Nachbarschaft
Eine klassische Kombination des Schattengartens — beide Pflanzen brauchen Schutz vor der Sonne und einen humosen, leicht feuchten Boden, und die gefiederten Wedel des Tüpfelfarns kontrastieren gut mit den breiten Blättern der Funkie.
In der Natur teilen sich beide Arten häufig denselben Standort — den bemoosten Stamm eines alten Baumes oder eine schattige Mauer; sie haben identische Lichtansprüche.
Moospolster halten rund um das kriechende Rhizom dauerhaft Feuchtigkeit und Humus, genau wie im natürlichen Lebensraum des Tüpfelfarns.
Schlechte Nachbarschaft
Völlig gegensätzliche Ansprüche — Lavendel braucht volle Sonne und einen trockenen, alkalischen Boden, in dem der Tüpfelfarn rasch vertrocknet.
Der Gewöhnliche Tüpfelfarn wächst auf saurem, humosem Untergrund im Schatten — Kalkung und ein sonniger Standort schaden ihm.
Die Belegstufe zeigt an, ob der Zusammenhang durch Studien, Beobachtung oder gärtnerische Tradition gestützt ist.
Giftigkeit
| Für wen | Stufe | Hinweise |
|---|---|---|
| Menschen | Keine | Das Rhizom schmeckt süßlich (daher der Volksname „słodycz“, Süße) und wurde früher gekaut sowie in der Kräuterheilkunde verwendet. Es ist jedoch keine essbare Pflanze im landläufigen Sinn — in größeren Mengen kann es abführend wirken. |
| Hunde | Keine | — |
| Katzen | Keine | — |
Geschichte und Herkunft
Das Rhizom des Tüpfelfarns, in der alten Kräuterkunde als Rhizoma Polypodii bekannt, war ein geschätzter Rohstoff mit süßlichem Geschmack — man setzte es als mildes schleimlösendes und abführendes Mittel ein, und Kinder auf dem Land kauten es wie ein natürliches Bonbon, daher der polnische Volksname „słodycz“ (Süße). Für die Süße sind die im Rhizom enthaltenen Saponine und intensiv süß schmeckenden Verbindungen verantwortlich, nicht einfache Zucker. Die Art war in europäischen Wäldern schon immer häufig, doch erst die Mode der Waldgärten und Steinkompositionen gab ihr wieder einen Platz in der Zierkultur.
Verwendung
Für Wald- und Schattengärten, für Steingärten im Halbschatten, zur Bepflanzung von Mauerfugen, bemoosten Felsblöcken und morschen Stämmen. Er bewährt sich als niedriger Bodendecker im Schatten von Bäumen, wo nur wenige andere Arten wachsen wollen, sowie in der Topfkultur in kühlen, hellen Räumen.
Wissenswertes
- Farne blühen überhaupt nicht — sie haben weder Blüten noch Samen und vermehren sich durch mikroskopisch kleine Sporen. Die Legende von der „Farnblüte“ in der Johannisnacht ist eben deshalb eine Erzählung über etwas, das sich nicht finden lässt.
- Das Rhizom des Tüpfelfarns schmeckt deutlich süß — in manchen Regionen Europas nannte man ihn geradezu „Lakritzfarn“ wegen dieser Ähnlichkeit.
- Als Epiphyt schmarotzt der Tüpfelfarn nicht am Baum — er nutzt den Stamm ausschließlich als Stütze und bezieht Wasser und Nährstoffe aus Humus und Moos, die sich in den Winkeln der Rinde ansammeln.
Häufige Fragen
Wann blüht der Gewöhnliche Tüpfelfarn und welche Farbe haben seine Blüten?
Der Tüpfelfarn blüht nie — wie alle Farne gehört er zu den Sporenpflanzen, die weder Blüten noch Samen hervorbringen. Was mitunter für „Blüten“ gehalten wird, sind die runden, orangebraunen Sporenhäufchen auf der Wedelunterseite. Er vermehrt sich über diese Sporen oder — im Garten weitaus einfacher — durch Teilung des kriechenden Rhizoms.
Kann man den Gewöhnlichen Tüpfelfarn in gewöhnliche Gartenerde pflanzen?
Besser nicht in schwere, lehmige Erde. In der Natur wächst der Tüpfelfarn auf Baumrinde, Felsblöcken und Mauern und bezieht Wasser aus Humus und Moos, er benötigt daher einen sehr durchlässigen, sauren und humosen Untergrund. Das Rhizom legt man flach, direkt unter die Streuschicht — tief in nasse Erde vergraben fault es einfach.
Sollte man die Wedel des Tüpfelfarns für den Winter zurückschneiden?
Nein. Der Gewöhnliche Tüpfelfarn ist immergrün und ernährt sich über den Winter gerade von diesen Wedeln — man entfernt sie erst im Vorfrühling, und zwar nur die erfrorenen oder braun gewordenen, wenn sich neue zu entwickeln beginnen.
Quellen
- Plants of the World Online (POWO)Datenbank (GBIF, POWO…)
- RHS — Polypodium vulgareInstitution / Botanischer Garten
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