Zweigriffeliger Weißdorn

Crataegus laevigata · Midland hawthorn (EN) · Zweigriffeliger Weißdorn (DE)

Der Zweigriffelige Weißdorn (Crataegus laevigata) ist ein einheimischer, dorniger Strauch oder kleiner Baum von großer Bedeutung für Vögel und Bestäuberinsekten, traditionell als Schutzhecke und Heilpflanze genutzt.

Sonne/Halbschatten Wenig Wasser USDA 4b–8a Giftig
Bewässerungsrechner

Kurz gefasst

  • Standort: Sonne oder Halbschatten, verträgt nahezu jeden Boden, auch kalkhaltigen und nährstoffarmen.
  • Sehr frosthart und langlebig — kann sogar hundert Jahre alt werden.
  • Weiße oder rosafarbene Blüten im Mai, rote Früchte (Weißdornbeeren) ab September.
  • Wichtige Bienenweide und Brutschutz für Vögel dank dorniger Triebe.
  • Blüten und Früchte werden seit Langem in der Kräuterheilkunde zur Unterstützung der Herzfunktion verwendet.

Botanische Daten

Familie
Rosaceae (Rosaceae)
Höhe
3–6 m
Breite
3–5 m
Wuchsform
Ausladend
Wuchsgeschwindigkeit
Mäßig
Standort
Sonne, Halbschatten
Boden
Lehmig, Kalkhaltig, Humos
pH-Wert
pH 6–7.8
Feuchtigkeit
Mäßig
Blütezeit
Mai–Mai
Winterhärte
USDA 4b–8a
Vermehrung
Aus Samen, Aus Stecklingen

Merkmale

Ein ausladender Strauch oder kleiner Baum mit dichter Krone und steifen, dornigen Trieben. Die gelappten, dunkelgrünen Blätter erscheinen früh im Frühjahr. Weiße, seltener rosafarbene Blüten in Doldentrauben bedecken den Strauch im Mai massenhaft, und im Herbst reifen kleine, rote Früchte, die Weißdornbeeren.

Anbau und Pflege

Bewässerung

Ausgewachsene Pflanzen benötigen praktisch kein Gießen — nur im ersten Jahr nach dem Pflanzen regelmäßig gießen.

Im Sommer alle ~14 Tage · Trockenheitstoleranz: Hoch

Düngung

Bescheiden — der Weißdorn kommt gut mit nährstoffarmen Böden zurecht, ein Düngerüberschuss ist nicht nötig.

alle 1–2 Jahre, im Frühjahr · kompost

Pflanzung

Für eine Hecke dicht pflanzen, in Reihe alle 40–50 cm; verträgt nahezu jeden Gartenboden außer sehr nassem.

Zeitpunkt: Oktober–November oder März · Abstand 40–60 cm

Schnittkalender

Schnittgruppe: Laubbäume — Schnitt in der Ruhephase

Warum dann: In der blattlosen Ruhephase ist das gesamte Kronengerüst sichtbar, und der Baum steht nicht in vollem Wachstum — Wunden heilen ruhiger ab, und das Risiko der Krankheitsübertragung ist geringer. Das ist die sicherste Zeit, um diese Bäume zu schneiden.

Was und wie schneiden

Schneide von Spätherbst bis zum Vorfrühling, an frostfreien Tagen. Entferne tote, kranke, beschädigte und sich kreuzende Triebe sowie konkurrierende Leittriebe und lasse einen Haupttrieb stehen. Schneide sparsam. Führe den Schnitt knapp hinter dem verdickten Astring (Astkragen) am Astansatz — nicht bündig mit dem Stamm und ohne einen Stummel stehen zu lassen; eine solche Wunde vernarbt am besten.

Formhecken — 1–2 Mal jährlich (Juni und August); frei wachsende Exemplare — Erhaltungsschnitt im Winter.

Was du nicht tun solltest

Entferne große Äste nicht ohne deutlichen Grund, und bei dicken und hohen Bäumen überlasse den Schnitt Baumpflegern (Arboristen). Schneide nicht im zeitigen Frühjahr, wenn der Saft steigt, und auch nicht bei Frost. Entferne in einer Saison nicht mehr als etwa ein Viertel der Krone.

Begleitpflanzen

Gute Nachbarschaft

Gewöhnliche HaselGärtnerische Tradition

Traditionelle Zusammensetzung einer ländlichen Hecke mit ähnlichen Ansprüchen — gemeinsam bilden sie einen reichen Lebensraum für Vögel und Insekten.

Gewöhnlicher SchneeballPraktische Beobachtung

Ergänzt den Weißdorn farblich durch seine Früchte im Herbst und verlängert die Nahrungssuche der Vögel in der Mischhecke.

Schlehe (Prunus spinosa)Gärtnerische Tradition

Ein klassischer Partner in Feldhecken mit ähnlichen Ansprüchen und Schutzfunktion für Kleinwild.

Schlechte Nachbarschaft

WalnussDurch Studien belegt

Der Walnussbaum gibt Juglon an den Boden ab, eine allelopathische Verbindung, die für viele Rosengewächse, darunter auch den Weißdorn, schädlich ist.

Die Belegstufe zeigt an, ob der Zusammenhang durch Studien, Beobachtung oder gärtnerische Tradition gestützt ist.

Krankheiten und Schädlinge

Feuerbrand

Blüten und junge Triebe werden plötzlich braun und anschließend schwarz, als wären sie vom Feuer versengt — daher der Name der Krankheit. Die Spitzen befallener Triebe krümmen sich charakteristisch nach unten zu einem Haken, der an einen Bischofsstab erinnert. Bei hoher Luftfeuchtigkeit tritt aus dem befallenen Gewebe ein milchiger, klebriger Bakterienschleim aus, und die Infektion breitet sich rasch im Trieb abwärts aus, sodass ganze Äste absterben. Befallene Blätter und Früchte vertrocknen, bleiben aber lange am Baum haften. Am stärksten befallen werden Birne und Quitte, danach der Apfel, und unter den Zier- und Wildgehölzen — Weißdorn, Zwergmispel, Feuerdorn (Pyracantha) und Eberesche, die ein gefährliches Infektionsreservoir sein können. An der Rinde von Ästen und Stamm entstehen deutlich abgegrenzte, eingesunkene Nekrosen (Rindenbrand) mit aufreißender Rinde; nach dem Anschneiden ist das Gewebe unter der Rinde rotbraun verfärbt, oft mit marmorierten Streifen. Der Tropfen des Bakterienschleims wird mit der Zeit bernsteinfarben und trocknet ein, und das Vorhandensein der Bakterien lässt sich mit dem sogenannten Ausströmtest bestätigen — aus frisch angeschnittenem, in Wasser getauchtem befallenem Gewebe treten Schlieren einer trüben Bakteriensuspension aus. Befallene Früchte werden schwarz und mumifizieren, bleiben am Baum hängen, was den Feuerbrand vom gewöhnlichen Welken durch Wassermangel unterscheidet.

Monilia-Fruchtfäule (Braunfäule)

An Kern- und Steinobst treten braune, sich vergrößernde Fäulnisflecken auf, auf denen konzentrisch angeordnete, graubeige Sporenpolster entstehen. Befallene Früchte faulen, trocknen ein und mumifizieren, wobei sie oft bis zur nächsten Saison am Baum hängen bleiben. Im Frühjahr befällt der Pilz auch Blüten und Kurztriebe, verursacht deren Absterben und lässt die Zweigspitzen zurücksterben. Die Krankheit hat zwei deutliche Phasen. Die frühjährliche Monilia-Spitzendürre (meist Monilinia laxa an Steinobst — Sauerkirsche, Süßkirsche, Pflaume, Aprikose) beginnt an den Blüten, die braun werden, welken und vertrocknen, ohne abzufallen; die Infektion dringt durch den Griffel in den Kurztrieb ein, umringelt ihn und führt zum Absterben ganzer Triebe, deren vertrocknete Blätter wie nach einer Verbrennung herabhängen — daher die irreführende Ähnlichkeit mit Frostschäden. Bei Steinobst tritt an befallenen Trieben häufig Gummifluss (Gummose) sowie kleine, aufgerissene Rindenkrebse auf. Die sommerlich-herbstliche Braunfäule der Früchte (hauptsächlich Monilinia fructigena an Apfel und Birne) entwickelt sich an reifenden Früchten: Der Fäulnisfleck erfasst rasch die ganze Frucht, das Fruchtfleisch wird braun und weich, und an der Oberfläche wachsen charakteristische, konzentrisch angeordnete Ringe cremebeiger Konidien-Sporenpolster. Unter kühlen Bedingungen (u. a. im Lager) können die Früchte die Form harter, schwarz glänzender Mumien ohne Sporulation annehmen (sogenannte Schwarzfäule). Die am Baum hängenden mumifizierten Früchte sowie die Monilia-Krebse an den Trieben sind die Hauptsporenquelle in der folgenden Saison.

Blattläuse

Kleine (1–3 mm) weichhäutige Insekten in Grün, Schwarz oder Rosa, die in Kolonien an jungen Trieben und auf der Blattunterseite saugen. Sie scheiden einen klebrigen Honigtau aus. Ein diagnostisches Merkmal, das Blattläuse von anderen kleinen saugenden Insekten unterscheidet, ist das Paar Siphonen (röhrenförmige Fortsätze) am Hinterleibsende sowie das Schwänzchen (Cauda); in einer Kolonie treten meist ungeflügelte Formen (parthenogenetische Weibchen) neben geflügelten Wanderformen auf, die im Sommer neue Pflanzen anfliegen. Im Sommer vermehren sich Blattläuse parthenogenetisch und lebendgebärend in vielen Generationen, wodurch die Population lawinenartig anwächst; im Herbst erscheint bei vielen Arten eine geschlechtliche Generation, die überwinternde Eier am Wirt ablegt, und wirtswechselnde Arten wandern zwischen dem Winterwirt (oft einem Baum oder Strauch) und dem Sommerwirt (einer krautigen Pflanze). Fraßsymptome sind Einrollen, Kräuseln und Verformung junger Blätter, Wachstumshemmung, Vergilben sowie Abfallen von Knospen und Fruchtansätzen. Reichlicher Honigtau überzieht die Blätter, und der darauf wachsende Rußtaupilz bildet einen schwarzen Belag, der die Photosynthese einschränkt; vom Honigtau ernähren sich Ameisen, die im Gegenzug die Kolonie vor Fressfeinden schützen. Blattläuse sind zudem wichtige Vektoren von Pflanzenviren (u. a. Mosaiken) und übertragen diese bereits während eines kurzen Probestichs von Pflanze zu Pflanze.

Kleiner Frostspanner

Ein Falter mit ausgeprägtem Geschlechtsdimorphismus: das Männchen hat graubraune, fein gebänderte Flügel mit einer Spannweite von etwa 25 mm, während das Weibchen praktisch flügellos und flugunfähig ist und daher im Herbst am Stamm emporklettert, um die Eier in der Krone abzulegen. Im Frühjahr schlüpfen grüne Spannerraupen mit hellen Längsstreifen, die sich mit dem charakteristischen „Katzenbuckel“-Gang (Zusammenziehen des Hinterleibs) fortbewegen und die sich entwickelnden Knospen, jungen Blätter und Fruchtansätze auffressen, wobei sie diese oft mit Fäden umspinnen. Er befällt Apfel, Birne, Pflaume, Kirsche sowie viele Laubbäume und -sträucher. Die erwachsene Raupe erreicht eine Länge von bis zu etwa 25 mm, ist gelbgrün mit einer dunkleren Rückenlinie und hellen Streifen an den Seiten; als typischer Spanner (Geometridae) besitzt sie nur zwei Paar Bauchfüße am Hinterleibsende, woraus ihr schlingernder „Katzenbuckel“-Gang resultiert. Die Eier werden einzeln an den Knospen und in Rindenrissen abgelegt, wo sie überwintern, und kurz vor dem Frühjahrsschlupf wechseln sie ihre Farbe von grünlich zu orangerot. Die Art bildet eine Generation pro Jahr: die Falter fliegen im Spätherbst (Oktober–Dezember, daher der deutsche Name „Frostspanner“) an kühlen, frostfreien Abenden, und die flugunfähigen Weibchen klettern dann an den Stämmen empor. Der Raupenschlupf im Frühjahr ist eng mit dem Knospenaufbruch synchronisiert (meist April); nach etwa 4–6 Wochen Fraß lassen sich die Raupen an Fäden zum Boden herab und verpuppen sich flach in der Erde, wo die Puppe den Sommer verbringt. Anzeichen des Fraßes sind durchlöcherte und zerfetzte junge Blätter, ausgefressene Blüten- und Blattknospen sowie deformierte, mit korkigen Narben überzogene Früchte, die aus beschädigten Fruchtansätzen entstehen; bei starkem Befall können die Raupen die Krone nahezu kahl fressen.

Giftigkeit

Für wenStufeHinweise
Menschen Leicht Die Kerne der Früchte enthalten geringe Mengen cyanogener Verbindungen — der Verzehr großer Kernmengen kann leichte Magenbeschwerden verursachen, doch das Fruchtfleisch selbst ist essbar und wird traditionell verwendet.
Hunde Leicht
Pferde Leicht

Geschichte und Herkunft

Der Weißdorn begleitet den Menschen seit Jahrtausenden — er wurde als Grenzhecke gepflanzt (daher das englische „hawthorn" von haw — Zaun/Hecke) und in der Volksmedizin verwendet. Moderne Forschung hat einige der traditionellen Anwendungen von Blüten- und Fruchtextrakten zur Vorbeugung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen bestätigt.

Verwendung

Hervorragend als dichte, dornige Grenz- oder Schutzhecke, in Feldgehölzen und vogelfreundlichen Gärten. Blüten und Früchte werden in der Kräuterheilkunde verwendet.

Wissenswertes

  • Der Name „zweigriffelig" bezieht sich auf die zwei (seltener drei) Griffel in der Blüte, ein Merkmal, das diese Art vom Eingriffeligen Weißdorn unterscheidet.
  • Im Volksglauben galt der Weißdorn als Baum, der vor bösen Mächten schützt, und wurde an Höfen und Feldrainen gepflanzt.
  • Ein einzelner ausgewachsener Weißdornstrauch kann im Laufe eines Jahres mit seinen Früchten ein Dutzend in Polen überwinternder Vogelarten ernähren.

Häufige Fragen

Eignet sich Weißdorn als Schutzhecke?

Ja, das ist eine der besten einheimischen Arten für eine dornige, undurchdringliche Hecke — sie verträgt Formschnitt gut und bildet eine dichte, schwer zu überwindende Barriere.

Sind Weißdornbeeren essbar?

Das Fruchtfleisch ist essbar und wird traditionell für Konfitüren und getrocknet für Tee verwendet. Größere Mengen der Kerne sollten jedoch nicht verzehrt werden, da sie geringe Mengen cyanogener Verbindungen enthalten.

Wie alt wird ein Weißdorn?

Der Weißdorn gehört zu den sehr langlebigen Sträuchern — einzelne Exemplare können bis zu hundert Jahre alt werden, was ihn zu einer guten Wahl für eine dauerhafte Hecke oder einen Akzent im Garten macht.

Quellen

Bearbeitung:Redakcja Atlas-Flora. Aktualisierung: 14.7.2026.

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