Trockenheitsverträglicher Garten — den Garten auf Hitze und Wassermangel vorbereiten
Wie man einen Garten plant, der heiße, trockene Sommer übersteht: weniger Rasen, Kiesgarten, tief wurzelnde Stauden, Mulchen und kluges Gießen. Bewährte Arten und praktische Regeln.
Immer wärmere, trockenere Sommer sind heute eines der großen Themen im Gartenbau — in Deutschland spricht man von „klimafesten Gärten“, in den USA wächst die Begeisterung für Kiesgärten und trockenheitsverträgliche Arten. Ein trockenheitsverträglicher Garten bedeutet keine Wüste mit ein paar Kakteen. Es ist ein Garten, der so geplant ist, dass er nach dem Anwachsen fast ohne Gießen auskommt, weil man die richtige Pflanze an den richtigen Standort gesetzt und den Boden gepflegt hat. Dieser Ratgeber zeigt Schritt für Schritt, wie das gelingt.
Die richtige Pflanze an den richtigen Standort
Der billigste und wirksamste Weg, Wasser zu sparen, ist die Wahl von Arten, die in deinem Klima und an deinem Standort schlicht kein Gießen brauchen. Eine Pflanze, die entsprechend ihren natürlichen Ansprüchen — Licht, Boden und Frosthärte — gesetzt wird, ist gesund und bewältigt Trockenheit von selbst; eine, die mit einem falschen Standort „kämpft“, braucht ständige Pflege.
Bevor du eine Pflanze kaufst, prüfe, zu welcher Winterhärtezone dein Garten gehört und wie sonnig er ist. Dabei hilft der Ratgeber zu den USDA-Winterhärtezonen, und eine fertige Artenliste für schwierige, trockene Plätze findest du in der Zusammenstellung trockenheitsresistente Pflanzen.
Weniger Rasen, mehr tief wurzelnde Stauden
Der klassische, kurz gemähte und bewässerte Rasen ist das durstigste Element der meisten Gärten. In der Hitze wird er als Erstes braun und braucht das meiste Wasser. Die wichtigste Entscheidung im trockenheitsverträglichen Garten ist, den Rasen auf die Bereiche zu beschränken, die man wirklich nutzt, und den Rest durch Beete mit tief wurzelnden Stauden zu ersetzen.
Tief wurzelnde Stauden und Ziergräser — Purpur-Sonnenhut, Prächtige Fetthenne, Chinaschilf oder Blauschwingel — holen sich Wasser aus tieferen Bodenschichten, die den flachen Rasenwurzeln unzugänglich sind. Einmal eingewachsen, kommen sie den größten Teil des Sommers allein zurecht.
Der Kiesgarten — ein Trend, der funktioniert
Der Kiesgarten (englisch „gravel garden“) ist ein bewährter Weg für die trockensten, sonnigsten Stellen. Die Pflanzen werden direkt in durchlässiges Substrat gesetzt, die Oberfläche mit einer 5–8 cm dicken Schicht Kies oder Splitt bedeckt. Der Kies verringert die Verdunstung, hält keine Feuchtigkeit am Wurzelhals (was vor Fäulnis schützt) und unterdrückt Unkraut.
Im Kiesgarten fühlen sich mediterrane und Steingartenpflanzen wohl: Echter Lavendel, Blauraute, Rosmarin, Dach-Hauswurz, Scharfer Mauerpfeffer, Strand-Grasnelke und Sand-Thymian. Der Schlüssel ist die Drainage — auf schwerem, nassem Boden faulen diese Arten im Winter, deshalb muss man schwere Erde vor der Anlage eines Kiesgartens mit grobem Sand und Kies mischen.
Pflanzen, die keine Trockenheit fürchten
Trockenheitsverträgliche Arten verraten das meist durch ihr Aussehen: silbrige oder behaarte Blätter (sie reflektieren Licht und mindern die Verdunstung), fleischige Blätter (sie speichern Wasser) oder feine, nadelartige. Bewährte Pflanzen für den trockenen, sonnigen Garten:
- Stauden und Halbsträucher: Echter Lavendel, Blauraute, Blauminze, Wollziest, Prachtkerze, Purpur-Sonnenhut, Polster-Phlox.
- Fetthennen und Hauswurz: Prächtige Fetthenne, Scharfer Mauerpfeffer, Dach-Hauswurz — fleischig und in der Trockenheit praktisch unverwüstlich.
- Ziergräser: Chinaschilf, Lampenputzergras, Blauschwingel — sie geben Struktur und Bewegung und vertragen Trockenheit und Wind.
- Sträucher: Sommerflieder blüht trotz Trockenheit üppig und lockt zusätzlich Schmetterlinge an.
Viele dieser Pflanzen sind zugleich Bienenweiden — den trockenen Garten lässt sich also mühelos mit einem naturnahen Garten für Insekten verbinden.
Mulchen — bedecke den Boden
Nackter, der Sonne ausgesetzter Boden trocknet blitzschnell aus und reißt auf. Eine 5–8 cm dicke Mulchschicht (Rinde, Häckselgut, Kompost, im Kiesgarten Splitt) verringert die Verdunstung um bis zur Hälfte, gleicht die Bodentemperatur aus und unterdrückt Unkraut, das um Wasser konkurriert. Ergänze den Mulch jährlich — es ist einer der einfachsten und günstigsten Wege, damit der Garten Hitze besser übersteht.
Gießen: selten, aber tief
Paradoxerweise schwächt häufiges Gießen die Pflanzen in der Trockenheit. Tägliches Befeuchten der Bodenoberfläche erzieht ein flaches Wurzelsystem knapp unter der Oberfläche, das beim ersten ausgelassenen Tag abstirbt. Gieße seltener, aber durchdringend — so, dass das Wasser die Wurzeltiefe erreicht. Die Pflanze treibt dann Wurzeln in die Tiefe, dem Wasser der feuchteren Schichten entgegen, und wird wirklich trockenheitsfest.
Gieße früh morgens oder abends (mittags verdunstet das meiste Wasser, bevor es einsickert) und stets am Fuß der Pflanze, nicht auf die Blätter. Die Regeln zu Menge und Häufigkeit des Wassers für verschiedene Pflanzen fasst der Ratgeber zum Gießen zusammen, die Termine der Gartenarbeiten im Jahr der Gartenkalender.
Ein trockenheitsverträglicher Garten ist kein Verzicht auf Schönheit, sondern ein Entwurf, in dem die Pflanzen zu den Bedingungen passen, statt gegen sie anzukämpfen. Gut geplant, wird er nach zwei bis drei Jahren nahezu pflegefrei — und bleibt selbst im heißen Juli grün.
Häufige Fragen
Muss man ganz auf den Rasen verzichten?
Nein. Es geht darum, dass der Rasen dort liegt, wo man ihn wirklich nutzt, und nicht den ganzen Garten bedeckt. Ein bewässerter, kurz gemähter Rasen ist das durstigste Element des Gartens. Verkleinere seine Fläche zugunsten von Beeten mit tief wurzelnden Stauden und Ziergräsern und mähe seltener und höher (4–5 cm) — dann übersteht selbst eine gewöhnliche Wiese die Trockenheit besser.
Wie gießt man den Garten während einer Hitzewelle?
Selten, aber durchdringend — besser einmal pro Woche den Boden bis in die Wurzeltiefe gründlich durchnässen als täglich die Oberfläche befeuchten. Flaches, häufiges Gießen erzieht ein flaches Wurzelsystem, das beim ersten ausgelassenen Tag abstirbt. Gieße früh morgens oder abends, direkt am Fuß der Pflanze, und bedecke den Boden mit Mulch, um die Verdunstung zu verringern.
Welche Stauden vertragen Trockenheit am besten?
Bewährt haben sich Arten mit silbrigen, behaarten oder fleischigen Blättern und tiefen Wurzeln: Lavendel, Blauraute, Fetthennen, Hauswurz, Wollziest, Katzenminze, Sonnenhut, Grasnelke und Thymian, bei den Gräsern Chinaschilf, Blauschwingel und Lampenputzergras. Die meisten brauchen volle Sonne und durchlässigen Boden — auf schwerem, nassem Boden faulen sie von den zu langsam abtrocknenden Wurzeln, nicht von der Trockenheit.