Symptome
Die Krankheit hat einen Wirtswechsel: Hauptwirt ist die Birne, Zwischenwirt der Wacholder, vor allem der Sadebaum und der Chinesische Wacholder, auf dem der Pilz überwintert. Auf der Blattoberseite der Birne erscheinen im Frühjahr leuchtend orangerote Flecken, die sich allmählich vergrößern. Im Sommer wachsen auf der Blattunterseite, gegenüber den Flecken, warzige, gitterartige Auswüchse (Aecien) heran, die Sporen freisetzen. Am Wacholder bildet der Pilz spindelförmige Triebverdickungen, die im Frühjahr bei feuchter Witterung zu gallertartigen, orangefarbenen Auswüchsen anschwellen. Die Flecken auf der Blattoberseite sind anfangs klein und gelbgrün, nehmen mit der Zeit eine leuchtend orangerote Färbung mit rötlichem Rand an; in ihrer Mitte sind auf der Oberseite mitunter kleine schwarze Punkte (Spermogonien) zu erkennen. Die zugehörigen Aecien auf der Unterseite bilden einige Millimeter lange, hellbraune, röhrig-gitterartige Auswüchse in dichten Gruppen — genau diese gitterartige Anordnung gab der Krankheit ihren deutschen Namen „Birnengitterrost“. Bei starkem Befall treten zahlreiche Flecken auf, die Blätter vergilben vorzeitig und fallen ab, der Baum wird geschwächt und trägt schlechter; vereinzelt erscheinen die Flecken auch an Blattstielen, jungen Trieben und Früchten. Der Zyklus verläuft streng in eine Richtung: Im Frühjahr setzen die gallertartigen Auswüchse am Wacholder bei feuchter Witterung Basidiosporen frei, die vom Wind über Hunderte von Metern verweht werden und ausschließlich die Birne infizieren — der Pilz überträgt sich nicht von Birne zu Birne, und die reifen Aecien auf den Birnenblättern setzen ihrerseits Sporen frei, die wieder den Wacholder befallen, nicht weitere Birnen.
Bekämpfung
Das Herausschneiden und Vernichten der befallenen, verdickten Wacholdertriebe verringert die Infektionsquelle für die Birne. Im Frühjahr, während der Infektionsphase, lassen sich Birnen durch Fungizidspritzungen schützen, die während der Sporenfreisetzung vom Wacholder wiederholt werden. Befallene Birnenblätter sollten entfernt werden, was den Krankheitszyklus jedoch nicht unterbricht, da der Pilz nicht auf der Birne überwintert. Der Erfolg hängt vor allem von der Verringerung der Infektionsquelle ab, also des Wacholders — eine bloße Spritzung der Birne, ohne die befallenen Wacholder aus der Umgebung (bis zu mehreren Hundert Metern) zu entfernen oder abzurücken, wirkt nur teilweise. Die verdickten Wacholdertriebe schneidet man am besten unterhalb der Verdickung im Spätwinter oder Vorfrühling heraus, bevor die Frühjahrsfeuchte die gallertartigen Auswüchse anschwellen lässt und Sporen freisetzt; das Schnittgut muss verbrannt oder entsorgt werden. Die Fungizidbehandlung der Birne erfolgt vorbeugend während der Infektionsphase — vom Knospenaufbruch und der Blüte bis etwa Juni — mit Wiederholung alle 10–14 Tage bei feuchter Witterung, um den Moment der Sporenfreisetzung vom Wacholder zu treffen; nach Ausbildung der Flecken ist ein Eingreifen bereits deutlich weniger wirksam. Das Entfernen befallener Birnenblätter unterbricht den Zyklus nicht (die Infektion kehrt ohnehin vom Wacholder zurück), verringert aber die Zahl der Aecien, die den Wacholder infizierende Sporen freisetzen, sodass es über Jahre konsequent angewandt den Krankheitsdruck in der Umgebung senkt.
Vorbeugung
Grundlage ist die räumliche Trennung beider Wirte — Birnen sollten nicht in der Nähe von Sade- und Chinesischen Wacholdern gepflanzt werden, und in Gebieten mit starkem Krankheitsdruck verzichtet man besser auf diese Wacholderarten zugunsten resistenter Sorten. Auch die Wahl weniger anfälliger Birnensorten hilft. Da die Sporen vom Wind über Hunderte von Metern verweht werden, ist in dichter Bebauung eine vollständige Trennung oft nicht erreichbar — dann lohnt es sich, anfällige Wacholder vom eigenen Grundstück zu entfernen und die Nachbarn dazu anzuregen sowie die Bäume im Frühjahr zu beobachten. Am anfälligsten sind der Sadebaum (Juniperus sabina) und der Chinesische Wacholder (J. chinensis) sowie ihre Sorten; der Gemeine Wacholder (J. communis) ist meist resistent oder wenig anfällig, sodass man statt ganz auf Wacholder zu verzichten weniger empfindliche Arten und Sorten wählen kann. Im Spätwinter sollte man die Wacholder durchsehen und die spindelförmigen Verdickungen herausschneiden, bevor sie anschwellen. Auf Seiten der Birne helfen: ein luftiger Standort und ein auslichtender Schnitt (rasches Abtrocknen der Blätter), eine ausgewogene Düngung, das herbstliche Zusammenrechen und Entfernen des Falllaubs sowie die Wahl weniger anfälliger Sorten. Die Krankheit gefährdet das Leben des Baumes selten, sodass bei einzelnen Flecken meist sanitäre Maßnahmen ohne Griff zur Chemie ausreichen.
Bekämpfung — biologische und chemische Methoden
Ökologische und biologische Methoden
| Methode | Wirkungsweise | Anwendung |
|---|---|---|
| Beseitigung des Wacholders — des Zwischenwirts | Das Entfernen oder Abrücken anfälliger Wacholder (Sadebaum, Chinesischer Wacholder) verringert die örtliche Sporenquelle — der Pilz überwintert auf dem Wacholder, nicht auf der Birne. | Spätwinter / Vorfrühling, vor dem Anschwellen der gallertartigen Auswüchse |
| Sanitärschnitt und Entfernen befallener Organe | Das Herausschneiden verdickter Wacholdertriebe und das Aufsammeln befallener Birnenblätter verringert die Sporenmasse; wirkt unterstützend, wenn der Wacholder in der Nähe bleibt. | Wacholder — Vorfrühling; Birnenblätter — die ganze Saison über |
| Anbautechnik und weniger anfällige Sorten | Ein luftiger Standort und ein auslichtender Schnitt beschleunigen das Abtrocknen der Blätter, und die Wahl weniger anfälliger Birnen- und Wacholdersorten senkt den Krankheitsdruck. | — |
Chemische Methoden
| Methode | Wirkungsweise | Anwendung |
|---|---|---|
| Systemische Fungizide (Triazole, SBI/DMI) | Aufgenommene Präparate, die die Sterolbiosynthese des Pilzes hemmen; sie schützen die jungen Birnenblätter, vorbeugend alle 10–14 Tage bei feuchter Witterung angewandt. | Vom Knospenaufbruch und der Blüte bis etwa Juni |
| Rotation mit einem Fungizid mit anderem Wirkmechanismus (Strobilurine, QoI) | Der abwechselnde Einsatz oder Mischungen mit einem Fungizid mit anderem Wirkmechanismus verringert das Risiko einer Resistenzbildung des Erregers im Bekämpfungsprogramm. | — |
Wir nennen Wirkstoffgruppen und Wirkmechanismen, keine Handelsnamen — konkrete Präparate und ihre Zulassung unterscheiden sich je nach Land und werden mitunter zurückgezogen. Prüfen Sie stets das aktuelle Etikett und befolgen Sie es.
Quellen
- Atlas der Obstbaumkrankheiten
- Institut für Gartenbau – Staatliches Forschungsinstitut