Symptome
Die Krankheit befällt vor allem Apfel und Birne. An Trieben und Ästen bilden sich eingesunkene, konzentrisch aufgerissene und sich allmählich vergrößernde Wunden, die sogenannten Krebse, in deren Bereich Rinde und Holz absterben. Um die Wunde herum bildet der Baum Wülste aus Wundgewebe (Kallus) und versucht, sie zu überwallen. Im Herbst und an feuchten Tagen erscheinen an den Rändern der Krebse kleine, ziegelrote Fruchtkörper des Pilzes. Äste oberhalb des Krebses sterben ab, und junge Triebe werden über die Blattnarben befallen und gehen rasch zugrunde. Der Krebs ist eine mehrjährige Wunde — der Pilz überwintert in der befallenen Rinde und erweitert jedes Jahr den Nekrosesaum, sodass sich die Wundränder zu charakteristischen, konzentrischen Ringen aus abwechselnd absterbendem Gewebe und Kalluswülsten anordnen (ein Bild, das an eine „Zielscheibe“ erinnert). Der Pilz bildet zwei Sporentypen: im Sommer erscheinen bei Feuchtigkeit auf der Krebsoberfläche cremeweiße, schleimige Sporenlager der Konidien, im Herbst und Winter dagegen die erwähnten ziegelroten, kugeligen Fruchtkörper (Perithezien) mit Schlauchsporen. Die Infektion erfolgt vor allem über Verletzungen sowie natürliche Eintrittspforten: frische Narben abgefallener Blätter, Nebenblattnarben und Lentizellen, außerdem Wunden durch Schnitt und Obsternte, Frostrisse sowie Schäden durch den Fraß der Blutlaus. Ein Trieb oder Ast, der vollständig vom Krebs umringelt wird, stirbt oberhalb der Wunde ab. Derselbe Pilz ist mitunter auch Verursacher einer Fruchtfäule — die sich meist von der Kelchseite her entwickelt und erst im Lager zeigt.
Bekämpfung
Befallene, dünne Triebe schneidet man mit einem Rest gesunden Holzes heraus, ausgedehnte Krebse an stärkeren Ästen glättet man mit einem scharfen Messer bis ins gesunde Gewebe und schützt sie mit Wundverschlussmittel. Wichtig ist das Entfernen von Fruchtmumien und befallenen Rückständen aus der Anlage, da sie eine Sporenquelle sind. Hilfreich sind vorbeugende Spritzungen mit Kupferpräparaten während des Blattfalls, wenn die Blattnarben Eintrittspforten für die Infektion bilden. Den Schnitt führt man bei trockenem Wetter durch, denn Regen und Feuchtigkeit verbreiten die Sporen — schneide mindestens 15–20 cm unterhalb der sichtbaren Krebsgrenze und desinfiziere die Werkzeuge zwischen den einzelnen Bäumen. Herausgeschnittene Triebe sowie die von den Krebsen abgeschabte Rinde trage aus der Anlage und verbrenne sie, da sie an Ort und Stelle weiter sporulieren. Kupferspritzungen wiederholt man am besten mehrmals während des Blattfalls (orientierend bei etwa 10, 50 und 90 % abgefallener Blätter) und zusätzlich im Frühjahr zur Zeit des Knospenaufbruchs, wenn weitere frische Wunden freigelegt werden. Man muss sich bewusst sein, dass sich die Krankheit bei stark befallenen Bäumen nicht mehr vollständig heilen lässt — das Vorgehen hat den Charakter einer mehrjährigen Eindämmung: systematisches Herausschneiden neuer Krebse, Schutz jeder frischen Schnittwunde und Erhaltung des Baumes in guter Kondition.
Vorbeugung
Es lohnt sich, weniger anfällige Sorten zu pflanzen und Rindenverletzungen beim Schnitt und bei Pflegearbeiten zu vermeiden, denn jede Wunde ist ein mögliches Eintrittstor für die Infektion. Der Gesundheit der Bäume dienen eine luftige, ausgelichtete Krone, eine ausgewogene Düngung ohne Stickstoffüberschuss sowie das Vermeiden von Vernässung und Staunässe am Standort. Entscheidend ist die Anlage der Obstanlage aus gesundem, zertifiziertem Baumschulmaterial — junge Bäumchen sind mitunter Quelle einer latenten, symptomlosen Infektion, die sich erst nach Jahren zeigt. Meide schwere, staunasse Böden sowie kalte Geländesenken (Frostlöcher), wo die Rinde leichter aufreißt und Wunden langsamer verheilen. Begrenze den Fraß der Blutlaus, deren Schäden der Infektion den Weg öffnen, plane den Schnitt bei trockenem Wetter und schütze größere Wunden. Es lohnt sich außerdem, befallene Äste von benachbarten, vernachlässigten Bäumen zu entfernen — eine einzige unbehandelte Anlage kann eine ständige Sporenquelle für die ganze Umgebung sein.
Unterscheidung von Verwechslungen
| Merkmal | Obstbaumkrebs | Feuerbrand |
|---|---|---|
| Erreger | Pilz Neonectria ditissima (syn. Nectria galligena) | Bakterium Erwinia amylovora |
| Entwicklungstempo | Mehrjährig, langsam — der Krebs wächst über Jahre, umgeben von einem Kalluswulst | Stürmisch — Triebe sterben innerhalb von Tagen oder Wochen bei warmem, feuchtem Frühjahr ab |
| Erkennungsmerkmal | Eingesunkene, konzentrisch aufgerissene Krebse; ziegelrote Fruchtkörper an den Rändern | Hakenförmig (bischofsstabartig) gekrümmte Triebe, schwarze welke Blüten und Blätter, Tröpfchen von bakteriellem Schleim |
| Zeit und Infektionsweg | Vor allem Herbst — über frische Blattnarben und Schnittwunden | Frühjahr–Sommer — über Blüten und junge, wachsende Zuwächse |
| Status | Pilzkrankheit, bekämpft durch Schnitt und Kupfer | Reguliert, Quarantäneschaderreger in Schutzgebieten, meldepflichtig; hoch ansteckend |
Bekämpfung — biologische und chemische Methoden
Ökologische und biologische Methoden
| Methode | Wirkungsweise | Anwendung |
|---|---|---|
| Sanitärschnitt und Krebschirurgie | Das Herausschneiden befallener Triebe 15–20 cm unterhalb des Krebses sowie das Glätten der Krebse an Ästen bis ins gesunde Holz entfernt die Quelle des Pilzmyzels. | Zeitiges Frühjahr oder Sommer, an einem trockenen Tag |
| Anlagenhygiene und Werkzeugdesinfektion | Das Entfernen und Verbrennen von Fruchtmumien, befallenen Trieben und abgefallenem Laub sowie das Desinfizieren der Werkzeuge verringert das Sporenreservoir in der Anlage. | Ganze Saison, besonders im Herbst |
| Wundschutz mit Wundverschlussmittel | Das Abdecken frischer Schnittwunden und geglätteter Krebse mit Wundverschlusspaste verschließt die Eintrittspforten, bevor die Pilzsporen eindringen. | Unmittelbar nach jedem Schnitt |
| Weniger anfällige Sorten und gesundes Baumschulmaterial | Pflanzungen aus zertifizierten, von latenter Infektion freien Bäumchen und die Wahl widerstandsfähigerer Sorten begrenzen den Befall an der Quelle. | Bei der Anlage der Obstanlage |
Chemische Methoden
| Methode | Wirkungsweise | Anwendung |
|---|---|---|
| Kupferpräparate (Kontaktmittel) | Spritzungen mit Kupferverbindungen während des Blattfalls und des Knospenaufbruchs schützen frische Blattnarben und Wunden vor dem Eindringen des Pilzes. | Blattfall (ca. 10/50/90 %) und Knospenaufbruch |
| Systemische Fungizide (Triazole) | Behandlungen mit systemischen Mitteln unterstützen den Schutz von Wunden und Narben in Infektionsperioden; nachrangige Methode, nur gemäß aktueller Zulassung anzuwenden. | Perioden hohen Infektionsrisikos (Herbst, Frühjahr) |
Wir nennen Wirkstoffgruppen und Wirkmechanismen, keine Handelsnamen — konkrete Präparate und ihre Zulassung unterscheiden sich je nach Land und werden mitunter zurückgezogen. Prüfen Sie stets das aktuelle Etikett und befolgen Sie es.
Quellen
- Atlas der Obstbaumkrankheiten
- Institut für Gartenbau – Staatliches Forschungsinstitut