Kurz gefasst
- Essbar sind ausschließlich die sauren Blattstiele — die Blattspreiten sind giftig.
- Sehr winterharte Staude, die für einen guten Ertrag winterliche Kälte braucht.
- Mag einen sonnigen bis leicht schattigen Standort und einen fruchtbaren, humosen, feuchten Boden.
- Aufkommende Blütentriebe sollte man ausbrechen, um den Ertrag an Stielen zu stärken.
- Ein Wurzelstock trägt viele Jahre; die Vermehrung erfolgt durch Teilung im Frühjahr oder Herbst.
Botanische Daten
- Familie
- Polygonaceae (Polygonaceae)
- Höhe
- 0.6–1.5 m
- Breite
- 1–1.8 m
- Wuchsform
- Horstbildend
- Wuchsgeschwindigkeit
- Mäßig
- Standort
- Sonne, Halbschatten
- Boden
- Humos, Lehmig
- pH-Wert
- pH 5.5–7
- Feuchtigkeit
- Mäßig, Feucht
- Blütezeit
- Mai–Juni
- Winterhärte
- USDA 3a–8b
- Vermehrung
- Durch Teilung, Aus Samen
Merkmale
Bildet einen ausladenden, mehrjährigen Horst mit dickem Wurzelstock (Rhizom). Aus ihm treiben sehr große, herzförmige Blattspreiten an fleischigen, oft rot überlaufenen Stielen von 30–60 cm Länge. Ein hoher Blütentrieb mit cremeweißer Rispe erscheint im Spätfrühling, wird im Anbau aber meist entfernt.
Anbau und Pflege
Bewässerung
Die großen Blätter verdunsten stark — in trockenen Sommern regelmäßig gießen, damit die Stiele saftig bleiben. Fruchtbarer, humoser Boden, aber ohne dauerhafte Staunässe.
Düngung
Starkzehrer; großzügiges Mulchen mit Mist oder Kompost verbessert den Ertrag an Stielen deutlich.
Pflanzung
Tief umgegrabener, reichlich mit Kompost versorgter Boden; die Teilstücke (Wurzelstöcke) so setzen, dass die Knospen knapp unter der Oberfläche liegen.
Schnitt
Die austreibenden Blütentriebe am Grund ausbrechen, damit die Pflanze keine Kraft in Blüte und Samen steckt.
Begleitpflanzen
Gute Nachbarschaft
Rhabarber am Beetrand wird in der gärtnerischen Tradition als Schutzpflanze eingesetzt, die Kohlgewächse vor manchen Schädlingen abschirmt.
Hülsenfrüchtler reichern den Boden mit Stickstoff an, den der starkzehrende Rhabarber in großen Mengen braucht.
Schlechte Nachbarschaft
Der ausladende, mehrjährige Rhabarber-Horst beschattet die Umgebung stark und konkurriert um Wasser und Nährstoffe, sodass er Nachbarn unterdrückt.
Die Belegstufe zeigt an, ob der Zusammenhang durch Studien, Beobachtung oder gärtnerische Tradition gestützt ist.
Krankheiten und Schädlinge
Graubrauner, flaumiger Myzelbelag auf Blüten, Früchten, Blättern und Trieben, dem wässrige, faulende Flecken vorausgehen. Er befällt geschwächtes und beschädigtes Gewebe und entwickelt sich rasch bei Feuchtigkeit und Kühle sowie bei schlechter Luftzirkulation. Häufig an Erdbeeren, Begonien, Pfingstrosen und Rosen. Der Belag ist charakteristisch „mausgrau“ — flaumig, aschgrau, und beim Anstoßen des befallenen Gewebes steigt eine sichtbare Wolke von Sporen (Konidien) auf, was das Erkennungsmerkmal dieser Krankheit ist. Die Infektion beginnt meist an den schwächsten Geweben: verblühenden Blütenblättern, Wunden, Hagelschäden oder Fraßstellen von Schädlingen sowie an Pollenresten, die sich auf den Blütenblättern abgelagert haben. An den Blüten erscheinen kleine, braune, wässrige Flecken, die rasch die ganze Blüte erfassen („Blütenfäule“); von der befallenen Blüte wächst der Pilz oft in den Trieb hinein und verursacht dessen Einschnürung und Absterben. An Weichfrüchten (Erdbeere, Himbeere, Weintrauben, Tomate) entwickelt sich eine wässrige, braun werdende Fäule, die von einer dicken Schicht grauen, flaumigen Pilzrasens überzogen ist — die Beere wird weich und „zerfließt“. An Sämlingen und Stecklingen verursacht Botrytis eine Fäule der Triebbasis und ein plötzliches Umfallen der Pflanzen. Im älteren, absterbenden Myzel sowie an Pflanzenresten bilden sich harte, schwarze, unregelmäßige Klümpchen — Sklerotien (Dauerkörper), mit denen der Erreger im Boden und in Pflanzenresten überwintert. Die Krankheit tritt auch nach der Ernte auf, als rasch fortschreitende Lagerfäule von Obst und Gemüse.
BlattläuseKleine (1–3 mm) weichhäutige Insekten in Grün, Schwarz oder Rosa, die in Kolonien an jungen Trieben und auf der Blattunterseite saugen. Sie scheiden einen klebrigen Honigtau aus. Ein diagnostisches Merkmal, das Blattläuse von anderen kleinen saugenden Insekten unterscheidet, ist das Paar Siphonen (röhrenförmige Fortsätze) am Hinterleibsende sowie das Schwänzchen (Cauda); in einer Kolonie treten meist ungeflügelte Formen (parthenogenetische Weibchen) neben geflügelten Wanderformen auf, die im Sommer neue Pflanzen anfliegen. Im Sommer vermehren sich Blattläuse parthenogenetisch und lebendgebärend in vielen Generationen, wodurch die Population lawinenartig anwächst; im Herbst erscheint bei vielen Arten eine geschlechtliche Generation, die überwinternde Eier am Wirt ablegt, und wirtswechselnde Arten wandern zwischen dem Winterwirt (oft einem Baum oder Strauch) und dem Sommerwirt (einer krautigen Pflanze). Fraßsymptome sind Einrollen, Kräuseln und Verformung junger Blätter, Wachstumshemmung, Vergilben sowie Abfallen von Knospen und Fruchtansätzen. Reichlicher Honigtau überzieht die Blätter, und der darauf wachsende Rußtaupilz bildet einen schwarzen Belag, der die Photosynthese einschränkt; vom Honigtau ernähren sich Ameisen, die im Gegenzug die Kolonie vor Fressfeinden schützen. Blattläuse sind zudem wichtige Vektoren von Pflanzenviren (u. a. Mosaiken) und übertragen diese bereits während eines kurzen Probestichs von Pflanze zu Pflanze.
SchneckenNackt- und Gehäuseschnecken, die nachts und nach Regen fressen. Symptome: unregelmäßige Löcher in den Blättern und vollständig abgefressene junge Sämlinge, silbrige Schleimspuren auf Blättern und Boden. Die größten Schäden treten an feuchten, schattigen Stellen auf — besonders an Salat, Erdbeeren und Funkien. Am gefährlichsten im Garten sind die Nacktschnecken (ohne äußeres Gehäuse): die Spanische Wegschnecke (Arion vulgaris, früher als A. lusitanicus beschrieben) sowie die Genetzte Ackerschnecke (Deroceras reticulatum). Der Tigerschnegel (Limax maximus) ähnelt ihnen morphologisch, frisst jedoch vor allem an verrottender organischer Substanz und Pilzen und erbeutet mitunter sogar andere Schnecken, sodass er als Schädling lebender Pflanzen kaum Bedeutung hat. Gehäuseformen — Bänderschnecken (Cepaea) oder die geschützte Weinbergschnecke (Helix pomatia) — richten in der Regel geringere Schäden an. Der Körper ist weich, langgestreckt und ständig mit Schleim bedeckt; am Kopf sind zwei Paar einziehbare Fühler zu erkennen — das längere obere Paar trägt die Augen, das kürzere untere dient dem Tast- und Geruchssinn. Schnecken sind Zwitter: Sie legen kugelige, durchsichtige oder perlmuttfarbene Eier in Gelegen ab, verborgen im feuchten Boden, unter Steinen und in der Laubstreu. Ein einzelnes Exemplar der Spanischen Wegschnecke kann mehrere Hundert Eier ablegen; es überwintern sowohl die Eier als auch die Jungschnecken, und der Fraß dauert vom Frühjahr bis in den Spätherbst, wobei er sich in warmen, feuchten Nächten verstärkt. Die Schäden haben glatte Ränder und entstehen oft mitten in der Blattspreite, nicht nur am Rand; Sämlinge und Jungpflanzen werden bis auf den blanken Boden abgefressen, und an Erdbeeren sowie reifenden Gemüsen nagen die Schnecken Vertiefungen in die Früchte. Diagnostisch entscheidend ist die eingetrocknete, silbrig glänzende Schleimspur — kein Insekt hinterlässt sie.
Giftigkeit
| Für wen | Stufe | Hinweise |
|---|---|---|
| Menschen | Mäßig | Essbar sind nur die Blattstiele. Die Blattspreiten sind giftig — sie enthalten hohe Konzentrationen an Oxalsäure und Anthrachinon-Glykosiden; ihr Verzehr führt zu Vergiftungen. |
| Hunde | Mäßig | Die Blätter enthalten Oxalate und sind für Tiere giftig. |
| Katzen | Mäßig | Die Blätter enthalten Oxalate und sind für Tiere giftig. |
Geschichte und Herkunft
Die Gattung Rheum stammt aus Asien, wo verwandte Arten (Medizinalrhabarber) seit Jahrtausenden wegen ihrer abführenden Wirkung geschätzt werden. Als Gemüse für Kompott und Kuchen verbreitete sich der Gartenrhabarber in Europa erst im 18. und 19. Jahrhundert.
Verwendung
Die Blattstiele werden in der Küche für Kompott, Marmelade, Kuchen und Streusel verwendet. Wegen der stattlichen Blätter wird die Pflanze auch als Zierelement in naturnahen Gärten und an Teichrändern gepflanzt.
Wissenswertes
- Die frühe Frühjahrsernte lässt sich durch Bleichen beschleunigen — deckt man den Wurzelstock mit einem hohen, dunklen Gefäß ab, erhält man zartere, hellere Stiele.
- Der saure Geschmack der Stiele stammt vor allem aus Apfel- und Oxalsäure; in den Blattspreiten ist so viel Oxalat, dass sie giftig werden.
Häufige Fragen
Sind Rhabarberblätter giftig?
Ja. Essbar sind ausschließlich die Blattstiele. Die Blattspreiten selbst enthalten hohe Konzentrationen an Oxalsäure und Anthrachinon-Glykosiden und sind giftig — sie dürfen weder gegessen noch an Tiere verfüttert werden.
Bis wann kann man Rhabarber ernten?
Die Stiele erntet man vom Frühjahr bis etwa Mitte des Sommers (Juni–Juli). Später steigt der Oxalsäuregehalt, die Stiele werden hart und die Pflanze braucht Zeit zur Regeneration vor dem Winter. Die Stiele werden am Grund herausgebrochen, nicht abgeschnitten.
Warum treibt Rhabarber Blütentriebe und was tut man damit?
Das Aufkommen von Blütentrieben ist eine natürliche Reaktion älterer oder ausgetrockneter Pflanzen. Die Triebe bricht man am besten am Grund aus, sobald sie erscheinen — Blüte und Samenbildung schwächen den Ertrag an Stielen.
Quellen
- Plants of the World Online (POWO) — Rheum rhabarbarumDatenbank (GBIF, POWO…)
- RHS — Rhubarb (Rheum rhabarbarum)Institution / Botanischer Garten
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