Erkennung
Eine Blattlaus, bedeckt mit dichtem, weißem, wachsartigem Flaum, der an Watte oder Schimmel erinnert und unter dem sich braunrote Insekten verbergen. Sie bildet dichte Kolonien am Stamm, an Starkästen, in Rindenrissen, an Schnittwunden sowie an den Wurzeln. An den Saugstellen wächst die Rinde unregelmäßig, es entstehen knotige Wucherungen und Risse, die als Eintrittspforte für Fäulnis und Obstbaumkrebs dienen. Befallen wird vor allem der Apfel, seltener die Birne. Ein Erkennungsmerkmal ist die rostrote Flüssigkeit, die beim Zerdrücken der Kolonie austritt — sie färbt die Finger wie Blut, daher der deutsche Name Blutlaus. Die Insekten saugen Saft aus dem Phloem; der von ihnen ausgeschiedene Honigtau kann sich mit Rußtau überziehen. Die Blutlaus überwintert als junge Larven, versteckt in Rindenrissen am Stammgrund und an den Wurzeln; im Frühjahr wandert sie im Baum aufwärts und besiedelt junge Triebe, Schnittwunden, Wasserschosse und Wurzelausläufer. In Europa vermehrt sie sich ausschließlich jungfernzeugend (parthenogenetisch) und bringt im Laufe der Saison mehrere Generationen hervor — es fehlt ihr nämlich der Primärwirt (die Ulme), den sie in ihrer Heimat Nordamerika nutzt. Geflügelte Weibchen, die im Sommer auftreten, tragen den Befall auf benachbarte Bäume über. Die Wurzelform bildet an den Wurzeln knotige Verdickungen, die junge Bäume schwächen und deformieren — sie ist besonders gefährlich in Baumschulen und bei Neupflanzungen.
Bekämpfung
Herausschneiden und Vernichten befallener Triebpartien und Wucherungen, Abbürsten der Kolonien, Spritzungen mit Paraffinölen oder Insektiziden, die unter die Wachsschicht vordringen. Wirksam sind die Ansiedlung der parasitischen Schlupfwespe Aphelinus mali sowie das Pflanzen auf blutlausresistenten Unterlagen (z. B. der Malling-Merton-Serie). Der Wachsflaum ist eine physische Barriere — Kontaktmittel laufen an ihm ab, deshalb erfordert jede Spritzung den Zusatz von Öl oder einem netzenden Adjuvans, das die wattige Hülle durchbricht und die Flüssigkeit an die Insekten gelangen lässt; die Behandlung ist im Frühjahr und Frühsommer am wirksamsten, wenn die Kolonien jung und der Flaum dünn ist. Öle werden außerhalb von Hitze und praller Sonne angewendet — bei hohen Temperaturen können sie für die Blätter phytotoxisch sein und schädigen bei Kontakt auch einen Teil der Nützlinge. Zu den tief in Rindenrissen und unter dickem Wachs verborgenen Blattläusen gelangt ein systemisches Insektizid, das von der Pflanze aufgenommen und mit dem Phloemsaft verteilt wird und so zu den saugenden Insekten vordringt. Entscheidend ist der Schutz der natürlichen Feinde: neben Aphelinus mali dezimieren Ohrwürmer, Marienkäfer, Florfliegen und Schwebfliegenlarven die Kolonien — deshalb verzichtet man auf Spritzungen mit Breitbandmitteln (besonders Pyrethroiden), die die Nützlinge vernichten und die vom Wachs geschützten Blattläuse verschonen würden; indem sie Aphelinus mali und Räuber vernichtet, verstärkt eine solche Behandlung oft den Blutlausbefall, weshalb ein Pyrethroid das letzte Mittel bleibt und keine routinemäßige Spritzung ist. Kulturtechnische Maßnahmen unterstützen die Bekämpfung: das Entfernen von Wasserschossen und Wurzelausläufern (bevorzugten Saugstellen), das glatte Führen und Verheilen von Schnittwunden sowie das Vernichten herausgeschnittener, mit Wucherungen bewachsener Partien schränken die Verstecke des Schädlings ein. Die Wurzelform lässt sich chemisch praktisch nicht bekämpfen — deshalb ist bei der Anlage einer Obstanlage die Wahl resistenter Unterlagen (MM106, MM111 und die übrigen der Malling-Merton-Serie) grundlegend.
Unterscheidung von Verwechslungen
| Merkmal | Blutlaus | Schmierläuse |
|---|---|---|
| Wirt und Standort | Vor allem Apfel (seltener Birne) in der Obstanlage — Stamm, Starkäste, Rindenrisse, Wurzeln. | Überwiegend Topf-, Gewächshaus- und Zierpflanzen; Blattachseln und Blattunterseiten, Triebe. |
| Flüssigkeit beim Zerdrücken | Rostrot — färbt die Finger (daher der Name Blutlaus). | Farblos oder hell, ohne roten Farbstoff. |
| Symptom am Holz | Knotige Wucherungen und Risse an Rinde und Wurzeln an den Saugstellen. | Ohne verholzte Wucherungen; hauptsächlich Honigtau, Rußtau und Schwächung der Pflanze. |
| Insekt unter dem Wachs | Blattlaus (braunrot) in dichter, von wattigem Flaum bedeckter Kolonie. | Ovale, segmentierte Schmierlaus mit wachsigen Fortsätzen an den Körperseiten, oft beweglich. |
Bekämpfung — biologische und chemische Methoden
Ökologische und biologische Methoden
| Methode | Wirkungsweise | Anwendung |
|---|---|---|
| Parasitoid Aphelinus mali und natürliche Feinde | Die parasitische Schlupfwespe Aphelinus mali legt ihre Eier in die Körper der Blattläuse; unterstützt wird sie von Ohrwürmern, Marienkäfern, Florfliegen und Schwebfliegenlarven. Voraussetzung ist der Verzicht auf Spritzungen, die Nützlinge vernichten. | Während der ganzen Saison; der Parasitoid ist im Sommer am aktivsten |
| Resistente Unterlagen (Malling-Merton-Serie) | Das Pflanzen der Äpfel auf Unterlagen MM106, MM111 oder anderen der Malling-Merton-Serie schränkt den Saugbefall an den Wurzeln ein — der einzige reale Schutz gegen die Wurzelform, die sich nicht mit einer Spritzung bekämpfen lässt. | In der Phase der Anlage von Obstanlage und Baumschule |
| Herausschneiden von Wucherungen und Entfernen von Ausläufern | Herausschneiden und Vernichten befallener Partien mit Wucherungen, Entfernen von Wasserschossen und Wurzelausläufern (bevorzugten Saugstellen), Abbürsten der Kolonien sowie glattes Verheilen von Schnittwunden. Unterstützende Maßnahme, schränkt die Verstecke ein. | Winter bis Vorfrühling sowie laufend in der Saison |
| Paraffin-/Sommeröle | Das Öl löst den Wachsflaum auf und verstopft die Atemöffnungen der Insekten; unbedingt mit einem netzenden Zusatz, damit die Flüssigkeit unter die Watte eindringt. Wirkt ausschließlich als Kontaktmittel — man muss alle Kolonien gründlich benetzen und außerhalb der Hitze anwenden, da es bei Gluthitze phytotoxisch sein kann. | Im Frühjahr und Frühsommer, wenn die Kolonien jung sind |
Chemische Methoden
| Methode | Wirkungsweise | Anwendung |
|---|---|---|
| Systemisches Insektizid (im Phloem verteilt) | Der von der Pflanze aufgenommene und mit dem Phloemsaft verteilte Wirkstoff gelangt zu den unter Wachs und in Rindenrissen verborgenen Blattläusen, die ein Kontaktmittel nicht benetzt. Selektiv bei starkem Befall anwenden, um Aphelinus mali zu schonen. | Bei starkem Befall der oberirdischen Teile |
| Kontaktmittel mit Öl-Adjuvans (Pyrethroid) | Kontaktmittel (z. B. ein Pyrethroid) sind allein wenig wirksam — das Wachs schützt die Insekten; sie erfordern den Zusatz von Öl, das den Flaum durchbricht. Das breite Wirkungsspektrum vernichtet Aphelinus mali und Räuber, was den Befall oft verstärkt — ein letztes Mittel, keine routinemäßige Behandlung. | Interventionsweise, punktuell auf Befallsherde |
Wir nennen Wirkstoffgruppen und Wirkmechanismen, keine Handelsnamen — konkrete Präparate und ihre Zulassung unterscheiden sich je nach Land und werden mitunter zurückgezogen. Prüfen Sie stets das aktuelle Etikett und befolgen Sie es.
Quellen
- Atlas der Pflanzenschädlinge
- Gartenbauinstitut – Staatliches Forschungsinstitut