Symptome
Weißer, mehliger Belag auf Blättern, Trieben und Knospen. Die Blätter vergilben, verformen sich und fallen vorzeitig ab. Der Belag entwickelt sich auf beiden Blattseiten, ist von oben oft gut sichtbar und lässt sich leicht mit dem Finger abwischen – es handelt sich um das oberflächliche Myzel eines Ektoparasiten, das den Zellen der Epidermis mithilfe von Saugorganen (Haustorien) Nährstoffe entzieht. Anfangs sind einzelne, runde, weiße Flecken zu sehen, die mit der Zeit zusammenfließen und die gesamte Blattoberfläche sowie die jungen Zuwächse überziehen. Am anfälligsten sind junge Blätter und die diesjährigen Triebe; bei starkem Befall kräuseln und versteifen sie sich und ihr Wachstum wird gehemmt, an den Knospen kommt es zu Verformung oder Absterben der Blüten. An den Früchten mancher Arten (Stachelbeere, Apfel, Kürbisgewächse) hinterlässt der Belag Berostungen oder eine verkorkte Schale. Gegen Ende der Saison erscheinen im Belag kleine, dunkle Fruchtkörper (Chasmothecien, früher Kleistothecien genannt) – die Überwinterungsstrukturen des Erregers. Die Krankheit befällt viele Pflanzen, u. a. Rosen, Eiche, Liguster, Flieder, Kürbisgewächse, Getreide, Weinrebe, Apfel, Stachelbeere, Phlox und Sonnenhut (Echinacea), wobei jeden dieser Wirte eine spezialisierte Pilzart befällt.
Bekämpfung
Entfernen befallener Pflanzenteile, Spritzungen mit schwefel- oder triazolhaltigen Fungiziden, in leichteren Fällen Präparate auf Basis von Pflanzenauszügen. Befallene Triebe und Blätter entfernt man am besten laufend und vernichtet sie (nicht kompostieren), um die Sporenquelle einzuschränken. Schwefel wirkt als Kontakt- und Vorbeugemittel, sollte jedoch weder bei Hitze (über etwa 28–30°C – Verbrennungsgefahr) noch auf schwefelempfindliche Arten (manche Sorten von Stachelbeere, Johannisbeere und Kürbisgewächsen) angewendet werden. Bei starkem Befall greift man zu systemischen Fungiziden – Triazolen (Hemmstoffe der Sterol-Biosynthese, Gruppe DMI) oder Strobilurinen (Gruppe QoI) –, wobei auf den wechselnden Einsatz verschiedener Gruppen (Rotation nach FRAC) zu achten ist, da der Erreger schnell gegen einen einzelnen Wirkmechanismus resistent wird. Unterstützend bewähren sich bei geringem Befallsdruck Präparate auf Basis von Kaliumhydrogencarbonat, Pflanzenölen und Pflanzenauszügen. Die Behandlungen wiederholt man alle 7–14 Tage und achtet dabei auf eine gründliche Benetzung der gesamten Pflanze; am wirksamsten ist das Spritzen bereits bei den ersten Symptomen, da sich ein fortgeschrittener Befall nur schwer zurückdrängen lässt.
Vorbeugung
Für gute Luftzirkulation sorgen, das Benetzen der Blätter beim Gießen vermeiden, maßvolle Stickstoffdüngung. Pflanzen sollten in einem luftig haltenden Abstand an sonnigen Standorten gesetzt und Kronen sowie Sträucher regelmäßig ausgelichtet werden, wobei Verdichtung sowie schattige, feuchte Ecken zu vermeiden sind. Ein Stickstoffüberschuss begünstigt üppige, weiche Zuwächse, die besonders anfällig sind – besser ausgewogen und unter Einbeziehung von Kalium düngen. Große Bedeutung hat die Wahl resistenter oder toleranter Sorten (verfügbar u. a. bei Rosen, Gurken, Kürbissen und Getreide). Gegossen wird an der Basis und morgens, damit die Blätter abtrocknen können. Im Herbst sind abgefallenes Laub und befallene Reste zu entfernen, an denen die Fruchtkörper des Pilzes überwintern – die Sanitation verringert die Infektion in der folgenden Saison. Bei chronisch befallenen Arten hilft der vorbeugende Einsatz von Schwefel oder Kaliumhydrogencarbonat schon vor dem Auftreten der Symptome.
Unterscheidung von Verwechslungen
| Merkmal | Echter Mehltau | Falscher Mehltau |
|---|---|---|
| Lage und Farbe des Belags | Belag auf BEIDEN Blattseiten, oft von oben gut sichtbar; weiß, mehlig, lässt sich leicht mit dem Finger abwischen | Belag auf der UNTERSEITE des Blattes, grauviolett oder schmutzig weiß; oben gelbe, eckige, von den Blattadern begrenzte Flecken |
| Erreger | Schlauchpilze aus der Ordnung Erysiphales – Ektoparasiten, die auf der Gewebeoberfläche wachsen | Pilzähnliche Organismen, Eipilze (Oomyceten) aus der Ordnung Peronosporales – Parasiten, die in das Gewebe eindringen |
| Begünstigende Bedingungen | Wärme und hohe Luftfeuchtigkeit, jedoch bei TROCKENER Blattoberfläche – benötigt keine Benetzung | Kühl und feucht; für die Infektion ERFORDERT es Wasser oder Tau, der auf den Blättern verbleibt |
| Beschaffenheit des Belags | Oberflächlich, trocken, mehlig – lässt sich mit dem Finger abwischen | Flaumig, filzartig, stärker mit dem Gewebe verbunden, ordnet sich in Feldern zwischen den Blattadern an |
| Wirksamkeit von Schwefel | Schwefel und Hydrogencarbonat wirken zuverlässig | Schwefel unwirksam; erforderlich sind spezifische Fungizide gegen Eipilze (z. B. kupferhaltige) |
Bekämpfung — biologische und chemische Methoden
Ökologische und biologische Methoden
| Methode | Wirkungsweise | Anwendung |
|---|---|---|
| Sanitation und hygienischer Rückschnitt | Das laufende Entfernen und Vernichten befallener Blätter und Triebe sowie das herbstliche Beseitigen von Resten schränkt die Quelle von Sporen und überwinternden Fruchtkörpern ein. Eine unterstützende Methode, die bei starkem Druck die Spritzungen nicht ersetzt. | Während der gesamten Saison, gründlich im Herbst |
| Anbautechnik und resistente Sorten | Ein luftiger, sonniger Standort, der richtige Pflanzabstand, das Auslichten sowie maßvoller Stickstoff schränken die Entwicklung der Krankheit ein; die Wahl resistenter Sorten ist der günstigste dauerhafte Schutz. | In der Phase der Planung und Anlage der Pflanzungen |
| Kaliumhydrogencarbonat und Präparate auf Öl- und Pflanzenbasis | Sie verändern über Kontaktwirkung die Bedingungen auf der Blattoberfläche (pH-Wert, Ölfilm) und hemmen die Entwicklung des Myzels. Wirksam bei geringem und mittlerem Befall, erfordern regelmäßige Wiederholungen. | Ab den ersten Symptomen, alle 7–10 Tage |
Chemische Methoden
| Methode | Wirkungsweise | Anwendung |
|---|---|---|
| Schwefel (Kontaktfungizid) | Mineralisches Kontakt- und Vorbeugemittel, auch im ökologischen Anbau zugelassen; hemmt die Keimung der Sporen. Weder bei Hitze noch auf schwefelempfindliche Arten anwenden. | Vorbeugend und bei den ersten Symptomen |
| Systemisches Fungizid (Triazole / Strobilurine) | Tiefen- und systemische Wirkung: DMI blockieren die Sterol-Biosynthese, QoI die Atmung des Pilzes. Für starken Befall, unbedingt mit Rotation der FRAC-Gruppen, um keine Resistenz auszuselektieren. | Bei hohem Krankheitsdruck |
Wir nennen Wirkstoffgruppen und Wirkmechanismen, keine Handelsnamen — konkrete Präparate und ihre Zulassung unterscheiden sich je nach Land und werden mitunter zurückgezogen. Prüfen Sie stets das aktuelle Etikett und befolgen Sie es.
Quellen
- Kompendium der Zierpflanzenkrankheiten