Symptome
Dunkelbraune, sich ausbreitende Flecken auf den Blättern (bei Feuchtigkeit oft mit hellerem Rand und weißlichem Belag auf der Unterseite), braune Streifen an den Stängeln sowie harte, braune Fäulnisstellen an den Tomatenfrüchten. In feuchten, warmen Sommern entwickelt sie sich blitzschnell und kann die Kultur in wenigen Tagen vernichten. Die ersten Symptome sind kleine, wässrige, graugrüne Flecken, die meist an den Rändern und Spitzen der Blätter erscheinen und sich innerhalb weniger Tage zu ausgedehnten, braunschwarzen, absterbenden Bereichen vergrößern – die Flecken machen an den Blattadern nicht halt und erfassen die gesamte Blattspreite. Der charakteristische weißliche, zarte Belag auf der Blattunterseite (das ist die Sporenbildung des Erregers – die Sporangienträger) entsteht bei hoher Luftfeuchtigkeit am Fleckenrand, meist morgens oder nach Regen. Stängel und Blattstiele überziehen braune, sich dunkel färbende Streifen, an deren Stelle der Trieb spröde und brüchig wird. An den Kartoffelknollen zeigen sich blaurostige, eingesunkene Verfärbungen der Schale, unter denen das Fleisch in eine rostbraune, körnige, harte Fäule übergeht, die unregelmäßig in die Tiefe eindringt – häufig sekundär von Bakterien befallen, was in eine übelriechende Nassfäule übergeht. An den Tomatenfrüchten (auch grünen, unreifen) entstehen harte, fettig wirkende, braune, unregelmäßige Flecken. Unter günstigen Bedingungen (kühle Nächte, warme und feuchte Tage) kann ein befallener Bestand in wenigen Tagen „verbrennen“ und einen charakteristischen Geruch nach faulendem Kraut verströmen.
Bekämpfung
Sofortiges Entfernen befallener Blätter und Früchte; im ökologischen Anbau sind die Möglichkeiten begrenzt – entscheidend ist die Vorbeugung. Bei hohem Befallsdruck werden kupferhaltige oder fungizide Präparate vorbeugend eingesetzt. Zu beachten ist, dass Fungizide bei der Bekämpfung der Kraut- und Knollenfäule vor allem VORBEUGEND (schützend) und nicht heilend wirken – sie sind vor dem Auftreten der Krankheit oder bei den ersten, vereinzelten Flecken anzuwenden, denn nach der Ausbreitung im Bestand macht kein Präparat die Schäden mehr rückgängig. Befallene Blätter, Triebe und Früchte werden entfernt und vernichtet (verbrennen oder außerhalb des Grundstücks entsorgen – nicht kompostieren und nicht auf dem Beet liegen lassen). Im Kartoffelanbau ist bei stark befallenem Kraut die Vernichtung (Abmähen, mechanisch oder – im Erwerbsanbau – Sikkation) des Krauts 2–3 Wochen vor der Ernte entscheidend, ebenso die Ernte erst nach dem Abtrocknen der Schale und bei trockenem Wetter – das schützt die Knollen vor einer Infektion durch Sporen, die von den Blättern in den Boden gespült werden. Zur Einlagerung eignen sich ausschließlich gesunde, trockene Knollen. Im Tomatenanbau werden befallene Früchte und Blätter entfernt, die Durchlüftung verbessert und die Pflanzen unter Schutz vor Benetzung bewahrt. Chemisch werden Kontaktfungizide (kupferhaltig) vorbeugend eingesetzt, im Erwerbsanbau tiefenwirksame/systemische Mittel stets in Mischung mit einem Kontaktmittel und im Wechsel verschiedener Gruppen, um das Risiko einer Resistenzbildung des Erregers zu verringern.
Vorbeugung
Luftiger Pflanzabstand, Gießen an der Basis (nicht auf die Blätter), Tomatenanbau unter Schutz (ein Dach hält den Regen ab), Fruchtfolge, widerstandsfähige Sorten, Vermeiden der Nachbarschaft von Kartoffeln. Grundlage des Schutzes sind gesundes Ausgangsmaterial und das Beseitigen von Infektionsquellen: Pflanze zertifiziertes, gesundes Pflanzgut (Pflanzknollen), entferne regelmäßig Kartoffeldurchwuchs und lasse keine Haufen mit Knollenabfällen zurück (die wichtigste, früheste Frühjahrsquelle von Sporen). Häufle die Kartoffeln sorgfältig und hoch an – eine dicke Bodenschicht über den Knollen erschwert den Sporen das Erreichen der Knollen. Wähle Sorten mit erhöhter Widerstandsfähigkeit sowie frühe Sorten, die ihre Vegetation vor dem Höhepunkt des Krankheitsdrucks (zweite Sommerhälfte) abschließen. Halte eine räumliche Trennung von Kartoffel und Tomate ein (derselbe Erreger überträgt sich zwischen ihnen) und wende eine Fruchtfolge an. Dünge ausgewogen, ohne Stickstoffüberschuss, der ein üppiges, lange feucht bleibendes Kraut hervorbringt. Gieße an der Basis und morgens, damit die Blätter abtrocknen können, und ziehe Tomaten unter einem Schutz, der vor Regen und Tau bewahrt. In Regionen und Jahren mit hoher Gefährdung sind das Verfolgen von Warndienst-Meldungen (kritische Zeiträume – Abfolgen von Tagen mit hoher Luftfeuchtigkeit und mäßiger Wärme) sowie die erste vorbeugende Schutzmaßnahme, bevor Symptome auftreten, hilfreich.
Unterscheidung von Verwechslungen
| Merkmal | Kraut- und Knollenfäule der Kartoffel und Tomate | Dürrfleckenkrankheit (Alternaria-Dürrfleckenkrankheit, Alternaria solani) |
|---|---|---|
| Aussehen des Flecks | Sich ausbreitend, wässrig, unregelmäßig, braunschwarz; macht an den Blattadern nicht halt, ohne deutliche Ringe. | Rundlich, scharf abgegrenzt, mit konzentrischen Ringen (Effekt einer „Zielscheibe“), oft mit gelbem Rand. |
| Belag auf dem Fleck | Weißlicher, zarter Sporulationsflaum auf der Blattunterseite, am Fleckenrand, nur bei Feuchtigkeit. | Dunkeloliv bis schwarz, samtiger Belag auf der Fleckenoberfläche; kein weißer Flaum. |
| Lage und Reihenfolge | Häufig von den Blattspitzen und -rändern sowie den oberen Pflanzenteilen ausgehend; erfasst schnell die ganze Pflanze. | Zuerst die unteren, älteren Blätter; schreitet allmählich nach oben fort. |
| Begünstigende Witterung | Kühle Nächte sowie mäßig warme, feuchte Tage; hohe Luftfeuchtigkeit, häufige Niederschläge und Tau. | Warmes Wetter, geschwächte und gestresste Pflanzen (Trockenheit, Mangelernährung); wechselnde Benetzung und Abtrocknung. |
| Entwicklungstempo | Blitzartig – kann die Kultur in wenigen Tagen vernichten. | Langsamer, allmähliche Zunahme im Laufe der Saison. |
Bekämpfung — biologische und chemische Methoden
Ökologische und biologische Methoden
| Methode | Wirkungsweise | Anwendung |
|---|---|---|
| Pflanzenhygiene | Entfernen und Vernichten befallener Blätter, Triebe und Früchte sowie von Durchwuchs und Haufen mit Knollenabfällen (nicht kompostieren) – verringert die Sporenquellen. | Ganze Saison über, ab den ersten Symptomen |
| Anbautechnik zur Verringerung der Benetzung | Luftiger, weiter Pflanzabstand, Gießen an der Basis am Morgen, Tomatenanbau unter Schutz, Fruchtfolge und Wahl widerstandsfähiger sowie früher Sorten. | Ab Anlage der Kultur |
| Krautvernichtung vor der Kartoffelernte | Abmähen/Vernichten des befallenen Krauts 2–3 Wochen vor der Ernte und Ernte der Knollen erst nach dem Abtrocknen der Schale schützt sie vor in den Boden gespülten Sporen. | Spätsommer, vor der Ernte |
Chemische Methoden
| Methode | Wirkungsweise | Anwendung |
|---|---|---|
| Kontaktfungizide (kupferhaltig) | Präparate auf Kupferbasis wirken oberflächlich und ausschließlich vorbeugend (nicht heilend); die einzige auch im Ökoanbau zugelassene Gruppe, mit begrenzter Kupfermenge. | Vorbeugend, vor der Infektion oder bei den ersten Flecken |
| Tiefenwirksame/systemische Fungizide | Tiefenwirksame/systemische Mittel (Gruppe der Phenylamide, z. B. Metalaxyl-M, sowie Cyanoacetamide) in Mischung mit einem Kontaktmittel und im Gruppenwechsel, um eine Resistenzbildung zu vermeiden. | Interventiv/vorbeugend, im Gruppenwechsel |
Wir nennen Wirkstoffgruppen und Wirkmechanismen, keine Handelsnamen — konkrete Präparate und ihre Zulassung unterscheiden sich je nach Land und werden mitunter zurückgezogen. Prüfen Sie stets das aktuelle Etikett und befolgen Sie es.
Quellen
- Atlas der Gemüsekrankheiten