Pflanzenschädling

Kartoffelkäfer

Leptinotarsa decemlineata

Diagnose nach Symptom

Erkennung

Käfer von 6–11 mm Länge mit gelben, gewölbten Deckflügeln, die zehn schwarze Längsstreifen tragen. Die Larven sind ziegelrot bis orange, hochgewölbt und tragen an den Seiten zwei Reihen schwarzer Punkte; die orangegelben Eier werden in Gelegen an der Blattunterseite abgelegt. Symptome: Larven und Käfer fressen die Blätter von Kartoffel sowie Aubergine, Tomate und Paprika bis auf die Blattrippen kahl — bei starkem Befall wird die Pflanze fast völlig abgefressen. Charakteristisch ist außerdem der orangefarbene, schwarz gepunktete Halsschild (Schild hinter dem Kopf). Die Käfer überwintern im Boden in 10–30 cm Tiefe und erscheinen im Frühjahr, wenn sich die obere Schicht auf etwa 14–15 °C erwärmt, meist im Mai, direkt auf den auflaufenden Kartoffeln. Das Weibchen legt insgesamt einige hundert Eier in Gelegen zu je 20–60 Stück ab; nach einigen bis mehreren Tagen schlüpfen die Larven, die vier Stadien (L1–L4) durchlaufen. Am gefräßigsten und für den Ertrag am gefährlichsten sind die Larven der älteren Stadien (L3–L4), besonders wenn sie in der Phase der Knollenbildung und des Knollenwachstums fressen. Ausgewachsene Larven gehen in den Boden und verpuppen sich dort; unter polnischen Bedingungen entwickeln sich meist 1–2 Generationen pro Jahr (in wärmeren Regionen bis zu drei). Ein stark geschädigter Bestand ist oft von Weitem als stellenweise kahl gefressene Pflanzen mit Resten der Blattrippen und dunklem Larvenkot zu erkennen.

Bekämpfung

Absammeln von Käfern und Larven sowie Zerdrücken der Eigelege von Hand (in kleinen Beständen wirksam), Fruchtwechsel und räumliche Trennung von den vorjährigen Kartoffelflächen, Spritzungen mit Bacillus thuringiensis var. tenebrionis gegen junge Larven. Im äußersten Fall Insektizide mit Wechsel der Wirkstoffe (starke Resistenz) sowie Förderung von Räubern wie Marienkäfern und Ohrwürmern. Grundlage ist das Monitoring — die Beobachtung des Frühjahrsauftretens der Käfer und des Larvenschlupfs — sowie das gezielte Ausrichten der Maßnahmen auf junge Larven (L1–L2), die am empfindlichsten sind, bevor sie den Bestand kahl fressen. Der Kartoffelkäfer ist ein Musterbeispiel für einen Schädling mit starker, mehrfacher Resistenz: Pyrethroide versagen in vielen Regionen, und ein Teil der früher eingesetzten Neonicotinoide wurde in der EU aus dem Freilandanbau zurückgezogen. Deshalb ist der Wechsel der Wirkmechanismen (verschiedener IRAC-Gruppen) entscheidend und nicht nur der Wechsel des Handelsnamens — zu den neueren, wirksameren Gruppen zählen unter anderem Spinosyne sowie Anthranildiamide (Ryanodinrezeptor-Modulatoren). In kleinen und ökologischen Anbauten helfen Barrieren aus Vlies über den jungen Pflanzen, ein weiter Fruchtwechsel sowie Räuber — neben Marienkäfern und Ohrwürmern auch die räuberische Wanze Perillus bioculatus. Ökologische Methoden wirken am besten vorbeugend und bei geringem Druck; bei Massenauftreten begrenzen sie den Schaden, halten ihn aber selten vollständig auf, sodass es sich lohnt, sie mit Monitoring und punktuellen Behandlungen zu kombinieren.

Bekämpfung — biologische und chemische Methoden

Ökologische und biologische Methoden

MethodeWirkungsweiseAnwendung
Absammeln von Hand und Vernichten der EigelegeAbschütteln und Zerdrücken der Käfer, Larven sowie der orangefarbenen Eigelege von der Blattunterseite; senkt die Population ohne Chemie, in kleinen Beständen umsetzbar.Ab dem Frühjahrsauftreten der Käfer, alle paar Tage wiederholen
Fruchtwechsel und räumliche TrennungDas Entfernen der neuen Anpflanzung von den vorjährigen Kartoffelfeldern erschwert den überwinternden Käfern den Zugang zur Wirtspflanze; Anbaupause bei Nachtschattengewächsen.Planung vor der Saison, auf der Ebene der Fruchtfolge
Bacillus thuringiensis var. tenebrionis (biologisches Präparat)Das bakterielle Toxin wirkt als Fraßgift nur auf junge Kartoffelkäferlarven; selektiv, schont Nützlinge und ist auch im ökologischen Anbau zugelassen.Beim Larvenschlupf (Stadien L1–L2), bei neuen Gelegen wiederholen
Schutz der natürlichen FeindeMarienkäfer, Ohrwürmer und die räuberische Wanze Perillus bioculatus fressen Eier und Larven; sie begrenzen die Population unterstützend, schwächer bei Massenauftreten.Saisonal, als unterstützender Schutz

Chemische Methoden

MethodeWirkungsweiseAnwendung
Wechsel der Wirkmechanismen (IRAC-Gruppen)Der Kartoffelkäfer wird schnell resistent gegen aufeinanderfolgende Gruppen; der abwechselnde Einsatz von Mitteln mit unterschiedlichem Mechanismus (nicht nur unterschiedlichen Namen) ist die Grundlage einer wirksamen Chemie.Bei jeder Behandlung die IRAC-Gruppe wechseln
Selektive Insektizide gegen Larven — Spinosyne, AnthranildiamideNeuere Gruppen — Spinosyne und Anthranildiamide (Ryanodinrezeptor-Modulatoren) — treffen die Larven; Pyrethroide versagen durch Resistenz, ein Teil der Neonicotinoide wurde in der EU von den Feldern zurückgezogen.Nach Überschreiten der Schadschwelle, gezielt gegen junge Larven L1–L2

Wir nennen Wirkstoffgruppen und Wirkmechanismen, keine Handelsnamen — konkrete Präparate und ihre Zulassung unterscheiden sich je nach Land und werden mitunter zurückgezogen. Prüfen Sie stets das aktuelle Etikett und befolgen Sie es.

Quellen

  • Leitfaden zum Kartoffelpflanzenschutz
  • GBIF — Leptinotarsa decemlineata

Profile gefährdeter Pflanzen

Verwandte Gefahren