Erkennung
Winzige (0,3–0,5 mm) Spinnentiere, mit bloßem Auge kaum zu erkennen, die an der Blattunterseite saugen. Symptome: feine helle Sprenkel (Einstichstellen), mit der Zeit werden die Blätter grau, vergilben und vertrocknen. Bei starkem Befall zeigt sich ein feines Gespinst. Warme, trockene Luft fördert die Entwicklung — ein häufiges Problem bei Zimmerpflanzen im Winter in der Nähe von Heizkörpern. Spinnmilben sind keine Insekten, sondern Milben aus der Familie Tetranychidae — erwachsene Tiere haben 8 Beine (Larven nur 6). Am häufigsten tritt in Kulturen die Gemeine Spinnmilbe (Tetranychus urticae) auf: gelbgrüne Weibchen tragen an den Körperseiten zwei dunkle Flecken, überwinternde Weibchen verfärben sich orangerot. In Obstgärten ist die Obstbaumspinnmilbe (Panonychus ulmi) verbreitet, deren rote Eier gehäuft an der Triebrinde überwintern. Fraßmechanismus: Die Milben stechen die Zellen der Epidermis und des Mesophylls an der Blattunterseite an und saugen deren Inhalt aus, und die entleerten Zellen füllen sich mit Luft — daher die charakteristische, silbrig-graue, feine Sprenkelung, die von der Blattoberseite sichtbar ist (ähnelt einer mosaikartigen Verfärbung). Bei hoher Dichte werden die Blätter braun, rollen sich ein und fallen vorzeitig ab, und die ganze Pflanze schwächt sich und verliert an Zuwachs. Ein dichtes Gespinst zwischen Blättern und Triebspitzen erscheint erst bei fortgeschrittenem Befall und ist ein Signal für die Gefahr einer Verschleppung des Schädlings auf benachbarte Pflanzen. Der Entwicklungszyklus ist bei Wärme und Trockenheit sehr schnell — bei einer Temperatur von 25–30°C kann sich eine Generation in 1–2 Wochen abschließen, daher zahlreiche Generationen pro Saison und ein rasantes, exponentielles Anwachsen der Population. Die Weibchen legen kugelige, durchsichtige Eier an der Blattunterseite ab. Es überwintern begattete Weibchen (in Rindenritzen, Streu und Pflanzenresten) oder — bei der Obstbaumspinnmilbe — die Eier an der Rinde. Ein früher Befall wird leicht übersehen; bei der Diagnose hilft das Abschütteln eines Blattes über einem weißen Blatt Papier (wandernde Pünktchen werden sichtbar) oder das Betrachten der Blattunterseite mit einer Lupe.
Bekämpfung
Erhöhung der Luftfeuchtigkeit (Besprühen, Luftbefeuchter), Abwaschen der Blätter mit Wasser, Kaliseife oder Präparate auf Ölbasis. Im biologischen Anbau werden Raubmilben eingesetzt. Stark befallene Blätter entfernen. Vorbeugung und ökologische Methoden: Das Aufrechterhalten einer höheren Luftfeuchtigkeit (Besprühen, Luftbefeuchter, Abrücken der Zimmerpflanzen von Heizkörpern im Winter) begrenzt die Entwicklung tatsächlich, denn trockene Wärme ist der Hauptmotor der rasanten Vermehrung. Regelmäßiges, kräftiges Abspülen der Blätter mit Wasser — besonders von der Unterseite — verringert mechanisch die Population und entfernt das Gespinst. Neu gekaufte Pflanzen sollten unter Quarantäne gestellt werden, da Spinnmilben leicht zwischen Töpfen übertragen werden. Das sind unterstützende und vorbeugende Methoden — sie bremsen den Schädling, reichen bei fortgeschrittenem Befall allein aber nicht aus. Natürlicher Feind: Räuberische Raubmilben regulieren die Population im geschützten Anbau und an Zimmerpflanzen wirksam — Phytoseiulus persimilis bei Wärme und hoher Luftfeuchtigkeit, Amblyseius (Neoseiulus) californicus unter etwas trockeneren Bedingungen. Sie sind einzuführen, solange der Befall noch gering ist, denn der Räuber braucht Zeit, um der Entwicklung des Schädlings zuvorzukommen. Die chemische Bekämpfung stützt sich auf Akarizide (milbentötende Mittel) mit unterschiedlichem Wirkmechanismus: Kontaktmittel, solche, die den Eischlupf und die Häutung hemmen, sowie auf Schwefelpräparate (Schwefel wirkt milbentötend) und Ölpräparate. Grundregel: Spinnmilben werden sehr schnell gegen Mittel resistent, deshalb müssen die Wirkmechanismen rotiert werden (nicht immer wieder dieselbe Gruppe wiederholen), und die Spritzbrühe ist genau auf die Blattunterseite zu richten, wo die Milben saugen. Breitband-Insektizide, besonders Pyrethroide, sind zu vermeiden — sie bekämpfen die Milben nicht wirksam, töten aber deren natürliche Feinde ab, was zu einem sekundären Ausbruch der Spinnmilbenpopulation führt. Ebenso sollten Schwefelpräparate nicht gleichzeitig mit der Einführung von Raubmilben eingesetzt werden — Schwefel schadet auch den Raubmilben und würde den biologischen Schutz zunichtemachen. Hygienisch: stark eingesponnene Blätter und Triebe entfernen und vernichten und im Herbst Pflanzenreste beseitigen, die den Weibchen als Überwinterungsort dienen.
Unterscheidung von Verwechslungen
| Merkmal | Spinnmilben | Thripse |
|---|---|---|
| Verursacher | Milben (Spinnentiere), 0,3–0,5 mm, 8 Beine, an der Blattunterseite | Insekten, 1–2 mm, länglich, beweglich — erwachsene Tiere springen und fliegen |
| Symptom am Blatt | Feine helle Einstichstellen, die in eine silbrig-graue Sprenkelung übergehen, dann Bräunung und Vertrocknen | Silbrig-graue Schlieren und Flecken, Deformationen junger Blätter und Blütenknospen |
| Gespinst | Bei starkem Befall fein, zwischen Blättern und Trieben gesponnen | Keins — Thripse bilden kein Gespinst |
| Kotspuren | Keine deutlichen | Schwarze, glänzende Pünktchen (Kot) auf der Blattoberfläche |
| Ort des Fraßes | Blattunterseite, meist zuerst untere und ältere Blätter; die Kolonien wandern zu den Triebspitzen | Junge Blätter, Knospen und Blüten — bevorzugt in geschützten, sich entwickelnden Pflanzenteilen |
Bekämpfung — biologische und chemische Methoden
Ökologische und biologische Methoden
| Methode | Wirkungsweise | Anwendung |
|---|---|---|
| Erhöhung der Luftfeuchtigkeit | Trockene Wärme treibt die Vermehrung der Milben an; Besprühen, Luftbefeuchter und das Abrücken von Heizkörpern verlangsamen die Entwicklung und erschweren die Besiedlung. | Vorbeugend, besonders im Winter bei Zimmerpflanzen |
| Mechanisches Abwaschen mit Wasser | Ein kräftiger Wasserstrahl oder eine Dusche spült die Milben und das Gespinst von der Blattunterseite ab und senkt so mechanisch die Populationsdichte. | Ab den ersten Symptomen, die Behandlung wiederholen |
| Räuberische Raubmilben (Nützlingsmilben) | Phytoseiulus persimilis und Amblyseius californicus fressen Eier und bewegliche Stadien der Spinnmilben und regulieren so die Population im geschützten Anbau. | Einführung bei geringem Befall |
Chemische Methoden
| Methode | Wirkungsweise | Anwendung |
|---|---|---|
| Kaliseife und Ölpräparate (Kontaktmittel) | Sie wirken über Kontakt — sie überziehen und verkleben die Milben; sie müssen genau auf die Blattunterseite aufgebracht werden, wirken schwach gegen Eier, daher sind Wiederholungen nötig. | Alle 5–7 Tage, mehrere Behandlungen |
| Schwefelpräparate (Schwefel) | Schwefel wirkt milbentötend und begrenzt die Vermehrung; auf empfindlichen Arten und bei Hitze wegen der Gefahr der Phytotoxizität vorsichtig anwenden. | Bei wärmerem, aber nicht heißem Wetter; nicht mit der Einführung von Raubmilben kombinieren |
| Selektives Akarizid mit Wirkmechanismus-Rotation | Milbentötende Mittel mit unterschiedlichem Wirkmechanismus (Kontaktmittel, den Eischlupf und die Häutung hemmende); die Gruppen gegen Resistenz rotieren und auf die Blattunterseite zielen. | Bei starkem Befall, dieselbe Gruppe nicht wiederholen |
Wir nennen Wirkstoffgruppen und Wirkmechanismen, keine Handelsnamen — konkrete Präparate und ihre Zulassung unterscheiden sich je nach Land und werden mitunter zurückgezogen. Prüfen Sie stets das aktuelle Etikett und befolgen Sie es.
Quellen
- Atlas der Zierpflanzenschädlinge