Erkennung
Ein kleiner, graubrauner Falter mit einer Flügelspannweite von etwa 12–15 mm; beim sitzenden Tier bilden die zusammengelegten Flügel entlang des Rückens ein helles, rautenförmiges Muster, dem die englische Bezeichnung „diamondback moth“ ihren Namen verdankt. Den Schaden richten kleine, grüne, spindelförmige Raupen von bis zu 10 mm Länge an, die vor allem an der Blattunterseite fressen: sie schaben die untere Haut ab und hinterlassen durchsichtige „Fensterchen“, während ältere Raupen unregelmäßige Löcher fressen. Sie befällt Kohlgewächse — Kohl, Brokkoli, Blumenkohl sowie Radieschen; in warmen, trockenen Sommern bildet sie mehrere Generationen und tritt außergewöhnlich zahlreich auf. Die Falter sind in der Dämmerung und nachts aktiv und sitzen tagsüber verborgen zwischen den Blättern; aufgeschreckt führen sie kurze, nervöse Flüge aus. Die gelblichen Eier legt das Weibchen einzeln oder zu mehreren an der Blattunterseite entlang der Blattadern ab. Ein sehr hilfreiches Erkennungsmerkmal ist das Verhalten der Raupen: bei Berührung winden sie sich heftig und lassen sich oft an einem dünnen Spinnfaden herab — ein bei anderen Kohlraupen seltenes Merkmal. Die Verpuppung erfolgt in einem lockeren, netzartigen Gespinst (Kokon), das am Blatt befestigt ist. Unter günstigen Bedingungen dauert der vollständige Zyklus nur 2–3 Wochen, weshalb sich in einer Saison 3–5 sich überlappende Generationen entwickeln und der Falterflug zeitlich gestreckt ist. Es überwintern die Puppen an den Kohlpflanzenresten; in milden Wintern überleben auch die erwachsenen Tiere, und im Frühjahr werden die Populationen durch den Zuflug aus Südeuropa migrierender Falter aufgefüllt. Am gefährlichsten ist die Schädigung des Herzens (Vegetationspunktes) der Jungpflanzen sowie der Blütenstände (Röschen) von Brokkoli und Blumenkohl; die charakteristische „Fensterung“ erkennt man am leichtesten, wenn man das Blatt gegen das Licht hält.
Bekämpfung
Die Beete werden ab dem Auspflanzen der Jungpflanzen mit Vlies abgedeckt, man wendet Fruchtfolge an und entfernt nach der Ernte die Kohlpflanzenreste, an denen die Puppen überwintern. Die wirksamste biologische Maßnahme ist das Spritzen mit Bacillus thuringiensis var. kurstaki, ausgeführt an jungen Raupen und wiederholt, da der Falterflug zeitlich gestreckt sein kann. Die Art ist für ihre rasche Resistenzbildung gegen Insektizide berüchtigt, weshalb Chemie (falls nötig) mit Wechsel der Wirkstoffe und nur bei starkem Befall eingesetzt wird. Es lohnt sich, Pheromonfallen aufzuhängen — sie erfassen Beginn und Stärke des Falterflugs, wodurch man die Btk-Behandlung auf das empfindlichste, junge Raupenstadium legen kann; genau das entscheidet über die Wirksamkeit des Biopräparats. Die Spritzbrühe richtet man auf die Blattunterseite, wo die Larven fressen, und angesichts der wachsigen, abweisenden Oberfläche der Kohlblätter hilft der Zusatz eines Netzmittels. Entscheidend ist die Schonung der natürlichen Feinde: parasitische Hautflügler (u. a. Diadegma semiclausum, Cotesia) sowie Räuber können die Population stark begrenzen, während breit wirkende Insektizide sie ausschalten und einen sprunghaften Wiederanstieg der Schädlingsdichte auslösen. Die Hygiene am Standort — Fruchtfolge und das Entfernen der Kohlpflanzenreste — begrenzt jedoch ausschließlich die örtliche Quelle überwinternder Puppen und schützt nicht vor dem Zuflug aus Südeuropa migrierender Falter, weshalb sie eine unterstützende Praxis bleibt und kein eigenständiger Weg, den Entwicklungszyklus zu unterbrechen. Da Resistenz bei dieser Art die Regel ist (gegen Pyrethroide mitunter vollständig), müssen aufeinanderfolgende Spritzungen verschiedenen Wirkmechanismus-Gruppen nach der IRAC-Klassifikation angehören — man darf weder denselben Wirkstoff wiederholen noch Chemie vorbeugend bei geringem Befall einsetzen, da dies die Selektion resistenter Formen beschleunigt.
Unterscheidung von Verwechslungen
| Merkmal | Kohlschabe | Großer Kohlweißling |
|---|---|---|
| Raupe — Größe und Aussehen | Klein, bis 10 mm, hellgrün, spindelförmig (an den Enden verjüngt), fast nackt | Groß, bis 40 mm, gelbgrün mit schwarzen Flecken, deutlich behaart |
| Fraßweise | Schabt die untere Haut ab → durchsichtige „Fensterchen“, dann kleine Löcher, vor allem an der Unterseite | Frisst große, unregelmäßige Löcher und kahlt die Blätter bis zu den Blattadern ab |
| Reaktion auf Berührung | Windet sich heftig und lässt sich an einem Spinnfaden herab | Lässt sich nicht herab, bleibt auf dem Blatt |
| Verteilung der Raupen | Einzeln, verstreut, überwiegend an der Blattunterseite | Gesellig, in ganzen Ansammlungen auf einem Blatt |
| Falter | Klein, graubraun, nachtaktiv; rautenförmiges Muster entlang des Rückens | Großer, weißer Tagfalter mit schwarzen Flügelspitzen |
Bekämpfung — biologische und chemische Methoden
Ökologische und biologische Methoden
| Methode | Wirkungsweise | Anwendung |
|---|---|---|
| Barriere aus Vlies oder Netz | Eine dichte Abdeckung des Beetes, bereits ab dem Auspflanzen der Jungpflanzen angelegt, verhindert die Eiablage der Falter; sie muss an den Rändern genau am Boden anliegen. | Vom Auspflanzen der Jungpflanzen bis zur Ernte |
| Bacillus thuringiensis var. kurstaki (Btk) | Selektives Biopräparat; von jungen Raupen gefressen, schädigt es deren Darm. Unschädlich für Bienen und Parasitoide, erfordert die Wiederholung der Behandlung. | An jungen Raupen, alle 7–10 Tage wiederholen |
| Fruchtfolge und Entfernen der Kohlpflanzenreste | Begrenzt die örtliche Quelle überwinternder Puppen, verhindert jedoch nicht den Zuflug migrierender Falter — eine unterstützende Praxis. Keine Kohlgewächse nach Kohlgewächsen anbauen. | Nach der Ernte und bei der Beetplanung |
| Schonung der natürlichen Feinde (Parasitoide) | Hautflügler (Diadegma, Cotesia) und Räuber begrenzen die Population auf natürliche Weise; breit wirkende Spritzungen, die sie vernichten, vermeiden. Unterstützende Methode. | Ständig, durch Vermeidung nichtselektiver Chemie |
Chemische Methoden
| Methode | Wirkungsweise | Anwendung |
|---|---|---|
| Spinosine | Gruppe mit neuronaler Wirkung, wirksam gegen Raupen, auch im Ökolandbau zugelassen; hohes Resistenzrisiko — unbedingt mit anderen Gruppen rotieren. | Kurativ, bei starkem Befall |
| Anthranildiamide | Aktivieren den Ryanodinrezeptor und lähmen die Muskeln der Raupen; ein wirksames, modernes Mittel — in IRAC-Rotation mit Btk und Spinosinen einsetzen. | Kurativ, bei starkem Befall |
Wir nennen Wirkstoffgruppen und Wirkmechanismen, keine Handelsnamen — konkrete Präparate und ihre Zulassung unterscheiden sich je nach Land und werden mitunter zurückgezogen. Prüfen Sie stets das aktuelle Etikett und befolgen Sie es.
Quellen
- Atlas der Schädlinge an Gemüsepflanzen
- GBIF — Plutella xylostella