Erkennung
Winzige (1–3 mm) Käfer mit schwarzen oder schwarzen, gelb längsgestreiften Deckflügeln und stark verdickten Hinterschenkeln, mit denen sie bei Störung wie Flöhe wegspringen. Sie befallen Kohlgewächse sowie Radieschen, Rucola, Chinakohl und Kohlrabi. Symptome: In die Blattspreiten fressen sie zahlreiche kleine, runde Löcher wie ein Sieb, besonders gefährlich für Sämlinge und Jungpflanzen, deren Wachstum starker Fraß völlig hemmen kann. Die größten Schäden richten sie bei warmer, trockener Witterung an. Der Name „Erdflöhe“ umfasst mehrere Arten der Gattung Phyllotreta — an Kohlgewächsen sind in Polen am häufigsten Phyllotreta undulata, P. atra, P. nemorum und P. nigripes. Die erwachsenen Käfer überwintern in der obersten Bodenschicht, unter Pflanzenresten und in der Streu an den Rändern von Feldern, Gärten und Rainen. Im Frühjahr kommen sie bei Erwärmung (die Aktivität steigt deutlich oberhalb von etwa 15°C) aus ihren Verstecken und fliegen die jüngsten Kohlpflanzen an — deshalb fallen die ersten Zuflüge mit dem Auflaufen des Gemüses zusammen. Die meisten Arten bilden eine Generation im Jahr: Die Weibchen legen ihre Eier in den Boden, und die Larven fressen an den Wurzeln und feinen Würzelchen (bei den meisten Phyllotreta wenig schädlich; eine Ausnahme ist P. nemorum, deren Larven die Blätter minieren). Die neue Käfergeneration erscheint im Sommer, frisst sich fertig und geht in die Überwinterung. Charakteristische Schäden sind flache Fraßstellen und Löcher von 1–2 mm Durchmesser, die sich auf der Blattoberseite konzentrieren; bei starkem Befall sieht die Spreite wie durchsiebt aus, bräunt sich rund um die Wunden und vertrocknet. Am gefährlichsten ist der Fraß an den Keimblättern und ersten Laubblättern sowie am Vegetationskegel — ein geschädigter Sämling stellt seine Entwicklung ein, und die Wunden sind oft Eintrittspforten für Sekundärinfektionen. Die Käfer sind an sonnigen, warmen Mittagsstunden am aktivsten; Kühle, Regen und hohe Luftfeuchtigkeit hemmen ihren Fraß deutlich.
Bekämpfung
Vliesabdeckungen ab der Aussaat, das Feuchthalten des Bodens und regelmäßiges Gießen (Erdflöhe meiden Feuchtigkeit) sowie gelbe Leimtafeln zum Abfangen und zur Überwachung. Es hilft auch, den Aussaattermin so zu verschieben, dass der Auflauf den Aktivitätsgipfel der Käfer umgeht; junge Pflanzen lassen sich zudem mit Basaltmehl bestäuben. Grundlage ist der Schutz der empfindlichsten Phase — vom Keimen bis zu einigen Laubblättern. Gut versorgte und gegossene Pflanzen wachsen der Gefahr schneller davon, daher verkürzt eine sorgfältige Standortvorbereitung und ein beschleunigtes Wachstum (z. B. aus vorgezogenen Jungpflanzen statt Direktsaat) die Anfälligkeitsphase. Es lohnt sich, das Reservoir des Schädlings einzuschränken: Unkräuter aus der Familie der Kreuzblütler (Ackersenf, Hirtentäschel, Acker-Hellerkraut) entfernen, die die Erdflöhe zwischen den Kulturen ernähren, sowie Ernterückstände beseitigen und den Boden im Herbst umgraben, um die Winterverstecke zu zerstören. Wirksam ist mitunter eine Ablenkfalle — ein Streifen aus Radieschen oder Senf, einige Tage früher und dichter ausgesät, sammelt die Käfer, wonach er samt den Schädlingen vernichtet wird. Das Bestäuben der Blätter mit trockenem Gesteinsstaub (Basaltmehl) oder Kieselgur schreckt mechanisch vom Fraß ab, wirkt aber nur bis zum nächsten Regen oder Gießen und muss wiederholt werden; das ist eine unterstützende, keine eigenständige Methode. Zum Insektizid greift man erst bei massenhaftem Fraß an den Sämlingen, wenn die nichtchemischen Methoden nicht mehr nachkommen: Bewährt haben sich Kontaktmittel aus der Gruppe der Pyrethroide, nach Etikett und in Wirkstoffgruppen-Rotation angewendet, da Erdfloh-Populationen rasch Resistenzen entwickeln. Saatgutbeizen mit Neonikotinoiden, früher gegen Erdflöhe verbreitet, sind heute in der EU im Feldanbau zurückgezogen — sie sollten nicht eingeplant werden.
Unterscheidung von Verwechslungen
| Merkmal | Erdflöhe | Kohlschabe |
|---|---|---|
| Verursacher der Schäden | Kleiner (1–3 mm) springender Käfer, schwarz oder mit gelben Streifen | Kleine (bis etwa 1 cm), grüne, spindelförmige Schmetterlingsraupe |
| Aussehen der Schäden | Zahlreiche kleine, runde, durchgehende Löcher auf der Blattoberseite (Siebeffekt) | Fensterfraß — die untere Epidermis und das Blattgewebe werden abgeschabt, die obere Epidermis bleibt als durchsichtiges „Fensterchen“ zurück; auch unregelmäßige Löcher |
| Gespinst und Kot | Kein Gespinst und kein grüner Kot | Feines Gespinst auf den Blättern sowie grüner Kot (Frass) |
| Reaktion auf Störung | Die Käfer springen ruckartig weg wie Flöhe | Die Raupen winden sich und lassen sich an einem Spinnfaden herab |
| Bedingungen und Zeit des Auftretens | Warme, trockene Witterung; vor allem Sämlingsphase im Frühjahr, sekundär die Sommergeneration der Käfer | Mehrere Generationen pro Saison, Höhepunkt im warmen Sommer |
Bekämpfung — biologische und chemische Methoden
Ökologische und biologische Methoden
| Methode | Wirkungsweise | Anwendung |
|---|---|---|
| Vliesabdeckungen | Eine physische Barriere ab der Aussaat verhindert, dass die springenden Käfer die Sämlinge erreichen — für Kohlkulturen die wirksamste Methode. | Von der Aussaat, bis die Pflanzen der empfindlichen Sämlingsphase entwachsen sind. |
| Bewässerung und feuchter Boden | Erdflöhe bevorzugen Wärme und Trockenheit; regelmäßiges Gießen und Beregnen schränkt den Fraß ein und beschleunigt das Pflanzenwachstum. Unterstützende Methode. | An warmen, trockenen Tagen mit dem Aktivitätsgipfel der Käfer. |
| Anbautechnik und Fangpflanzen | Entfernen von Kreuzblütler-Unkräutern und Ernterückständen (Winterverstecken) sowie früher ausgesäte Radieschen oder Senf als Fangpflanze. | Herbst (Aufräumen) und zeitiges Frühjahr (Aussaatplanung). |
| Bestäuben mit Gesteinsstaub, Leimtafeln | Trockener Gesteinsstaub (Basaltmehl) oder Kieselgur schreckt mechanisch vom Fraß ab; muss nach Regen wiederholt werden. Leimtafeln — Überwachung. | Nach jedem Regen und Gießen wiederholen. |
Chemische Methoden
| Methode | Wirkungsweise | Anwendung |
|---|---|---|
| Kontaktinsektizid (Pyrethroid) | Kontaktmittel aus der Gruppe der Pyrethroide (IRAC 3A) erst nach Überschreiten der Schadschwelle an den Sämlingen; Wirkstoffgruppen rotieren, da Erdflöhe rasch Resistenzen entwickeln. | Letztes Mittel, bei massenhaftem Fraß an Jungpflanzen. |
Wir nennen Wirkstoffgruppen und Wirkmechanismen, keine Handelsnamen — konkrete Präparate und ihre Zulassung unterscheiden sich je nach Land und werden mitunter zurückgezogen. Prüfen Sie stets das aktuelle Etikett und befolgen Sie es.
Quellen
- Atlas der Gemüseschädlinge
- GBIF — Phyllotreta