Symptome
Keimlinge und junge Jungpflanzen welken plötzlich, fallen um und sterben ab, oft nesterweise. An der Stängelbasis, dicht über der Bodenoberfläche, wird der Wurzelhals schwarz, weich und schnürt sich ein, wodurch die Pflanze den Halt verliert und sich legt. Die Samen können auch schon vor dem Auflaufen faulen, was sich in einem lückigen, ungleichmäßigen Auflaufen der Jungpflanzen von Gemüse, einjährigen Blumen und aus Saat gezogenen Kräutern zeigt. Man unterscheidet zwei Phasen: die Auflaufkrankheit vor dem Auflaufen (Fäulnis der keimenden Samen, fehlendes oder lückiges Auflaufen) und nach dem Auflaufen (Umfallen bereits aufgelaufener Keimlinge). Das genaue Bild hängt vom Erreger ab. Bei Befall durch Eipilze (Pythium) ist die Fäule wässrig, durchscheinend und weich — der eingeschnürte Stängel sieht wie „mit dem Messer abgeschnitten“ aus, und der Keimling fällt flach um, besonders bei Kälte und Wasserüberschuss. Rhizoctonia solani verursacht eine braune bis rostrote Einschnürung, das Gewebe ist eher trocken und eingedrückt als wässrig, der Keimling bleibt noch eine Zeit lang stehen, und auf der Substratoberfläche und am Wurzelhals ist manchmal ein zartes, braunes, spinnwebartiges Pilzgeflecht zu sehen. Fusarium ruft Welke mit Vergilbung und Verfärbung an der Basis sowie an den Wurzeln hervor. Der Befallsherd breitet sich kreisförmig, nesterweise vom ersten befallenen Keimling aus, weil der Erreger durch das feuchte Substrat und Wasser wandert; die Wurzeln kranker Keimlinge sind braun, schwach ausgebildet und mit sich ablösender Rinde.
Bekämpfung
Das Entfernen befallener Keimlinge samt der sie umgebenden Erde und das Einschränken des Gießens, um die obere Substratschicht abtrocknen zu lassen. Bei Bedarf werden die Jungpflanzen mit Fungiziden oder biologischen Präparaten gegossen, und stark befallene Partien werden besser beseitigt und in sauberem, entseuchtem Substrat neu ausgesät. Die Krankheit schreitet stürmisch voran, und ein einzelner, bereits umgefallener Keimling lässt sich meist nicht mehr retten — Ziel ist es, die Ausbreitung im Befallsherd zu stoppen und die gesunden Jungpflanzen zu schützen. Sofort muss die Feuchtigkeit gesenkt werden: das Gießen aussetzen, bis die obere Schicht abtrocknet, die Abdeckung (Folie, Glas) entfernen, die Durchlüftung erhöhen und die Luftfeuchtigkeit senken, für gutes Licht sorgen und die Substrattemperatur leicht anheben, um die Entwicklung der überlebenden Pflanzen zu beschleunigen. Die Wahl des Mittels hängt vom Erreger ab, was hier wesentlich ist: Eipilze (Pythium, unter den verwandten z. B. Phytophthora) sind gegen einen Teil der auf echte Pilze wirkenden Fungizide unempfindlich und umgekehrt. Gegen Eipilze werden auf Oomycota ausgerichtete Präparate eingesetzt (z. B. aus der Gruppe der Phenylamide oder Phosphonate), gegen Rhizoctonia und Fusarium ein Bodenfungizid mit anderem Wirkmechanismus. Ergänzend wird mit biologischen Präparaten mit Antagonisten gegossen. Stark befallene Anzuchtschalen werden am besten vollständig beseitigt und in frischem, sterilem Substrat sowie sauberen Gefäßen neu ausgesät.
Vorbeugung
Nicht zu dichte Saat in durchlässiges und entseuchtes Substrat, maßvolles Gießen sowie das Sicherstellen von Durchlüftung und gutem Licht. Hilfreich sind das Vermeiden von zu viel Stickstoff und zu niedrigen Temperaturen sowie die Verwendung gesunden, gebeizten Saatguts und sauberer Gefäße. Die Vorbeugung ist hier wirksamer als jede Behandlung, weil sich die Krankheit schneller entwickelt, als ein Eingriff wirken kann. Entscheidend ist die Hygiene: frisches, steriles Substrat (keine Gartenerde und keines, das nach kranken Jungpflanzen verwendet wurde), entseuchte Gefäße und Werkzeuge sowie das Gießen mit sauberem Wasser — nicht aus einem Behälter oder Teich, wo Eipilze leben können. Halte das Substrat feucht, aber nicht durchnässt; gieße eher morgens und von unten und vermeide Kondenswasser und Staunässe. Warmes Substrat und gutes Licht beschleunigen das Auflaufen, wodurch der Keimling kürzer in der empfindlichsten Phase verbleibt. Hilfreich ist eine dünne Schicht aus trockenem, sterilem Material auf der Oberfläche (Sand, Perlit, Vermiculit), die den Wurzelhals trocken hält. Ergänzend kann man das Substrat schon vorbeugend mit biologischen Präparaten mit Antagonisten (z. B. Trichoderma) impfen.
Unterscheidung von Verwechslungen
| Merkmal | Umfallkrankheit der Keimlinge (Schwarzbeinigkeit) | Grauschimmel (Botrytis cinerea) |
|---|---|---|
| Ort und Art der Fäule | Schwarzfärbung und Einschnürung des Wurzelhalses dicht über dem Substrat; Stängel wässrig (Pythium) oder trocken eingeschnürt (Rhizoctonia). | Fäule meist von oben — von den Keimblättern, beschädigten oder absterbenden Geweben — und schreitet am Trieb abwärts fort. |
| Belag und Sporulation | Kein deutlicher Belag; höchstens ein zartes, braunes, spinnwebartiges Pilzgeflecht auf dem Substrat (Rhizoctonia). | Reichlicher, graubrauner, staubiger Sporenbelag auf den faulenden Geweben — das entscheidende Merkmal. |
| Begünstigende Bedingungen | Durchnässtes, übergossenes Substrat, Kälte, schwache Durchlüftung. | Hohe Luftfeuchtigkeit und Kondenswasser; abgestorbene oder beschädigte Gewebe als Eintrittspforte der Infektion. |
| Entwicklungsphase der Pflanze | Hauptsächlich Keimlinge und junge Jungpflanzen, auch Samenfäule vor dem Auflaufen. | Befällt Pflanzen jeden Alters — Keimlinge, Jungpflanzen und ausgewachsene Exemplare, oft über Wunden. |
Bekämpfung — biologische und chemische Methoden
Ökologische und biologische Methoden
| Methode | Wirkungsweise | Anwendung |
|---|---|---|
| Hygiene und entseuchtes Substrat | Frisches, steriles Substrat, entseuchte Gefäße und Werkzeuge sowie sauberes Gießwasser beseitigen die Erregerquellen — die Grundlage des gesamten Schutzes. | Vor jeder Aussaat |
| Kontrolle von Feuchtigkeit und Durchlüftung | Maßvolles Gießen morgens und von unten, das Entfernen der Abdeckung, Belüftung und eine trockene Deckschicht halten den Wurzelhals trocken und hemmen Eipilze. | Von der Aussaat bis zum Pikieren |
| Dünnere Saat und warmes Substrat | Geringere Dichte und warmes Substrat sorgen für schnelles, gleichmäßiges Auflaufen — der Keimling verbleibt kürzer in der befallsanfälligsten Phase. | Bei der Anlage |
| Biologische Präparate mit Antagonisten | Antagonisten (Trichoderma, Bacillus, Pythium oligandrum) besiedeln Substrat und Wurzeln und drängen den Erreger zurück; die Wirkung ist überwiegend vorbeugend, nicht rettend. | Vorbeugend, ab der Aussaat |
Chemische Methoden
| Methode | Wirkungsweise | Anwendung |
|---|---|---|
| Saatgutbeizung | Eine fungizide Saatgutbeize schützt das keimende Samenkorn und den Wurzelhals vor der Auflaufkrankheit vor dem Auflaufen; die Wahl hängt vom vorherrschenden Erreger ab. | Vor der Aussaat |
| Angießen mit einem an den Erreger angepassten Bodenfungizid | Gegen Eipilze (Pythium) Präparate gegen Oomycota — Phenylamide oder Phosphonate; gegen Rhizoctonia und Fusarium ein Bodenfungizid mit anderem Mechanismus. Eine falsche Gruppenwahl ist wirkungslos. | Interventiv, zu Beginn des Befallsherds |
Wir nennen Wirkstoffgruppen und Wirkmechanismen, keine Handelsnamen — konkrete Präparate und ihre Zulassung unterscheiden sich je nach Land und werden mitunter zurückgezogen. Prüfen Sie stets das aktuelle Etikett und befolgen Sie es.
Quellen
- Krankheiten von Jungpflanzen und Keimlingen
- Institut für Pflanzenschutz – PIB