Pflanzenkrankheit

Bakterienbrand des Steinobstes

Erreger: Pseudomonas syringae (Bakterium)

Diagnose nach Symptom

Symptome

An Stamm und Ästen entstehen eingesunkene, nekrotische Wunden (Krebse), aus denen – vor allem im Frühjahr – bernsteinfarbenes Gummi austritt (Gummifluss). Die Rinde über den Wunden stirbt ab und reißt auf, und befallene Knospen sowie Kurztriebe treiben nicht aus oder sterben im Frühjahr ab, sodass ganze Kronenpartien vertrocknen. An den Blättern können kleine, braune, wässrige Flecken auftreten, die aus der Spreite herausfallen („Schrotschuss“). Betroffen sind Steinobstbäume – Sauerkirsche, Süßkirsche, Pflaume, Pfirsich und Aprikose – und beim Umgürten eines Astes führt die Krankheit zu dessen Absterben. Verursacher sind zwei Pathovare des Bakteriums — Pseudomonas syringae pv. syringae und pv. morsprunorum — mit ähnlichen Symptomen, die sich mit bloßem Auge nicht unterscheiden lassen. Ein charakteristisches, frühes Symptom ist das Absterben von Knospen und Blüten im Frühjahr (sogenannter Blütenbrand): Die Knospen bräunen und treiben nicht aus, während einzelne Äste plötzlich welken und vertrocknen und die braun gewordenen Blätter lange festhalten. Das aus den Krebsen austretende Gummi ist glasig bis bernsteinfarben und tritt am reichlichsten im Frühjahr und Frühsommer nach dem Einsetzen des Saftstroms auf; im Hochsommer versiegt der Ausfluss meist. Nach dem Anschneiden der Rinde am Rand des Krebses ist das darunterliegende Gewebe oft wässrig, braunrostig und riecht säuerlich-gärig (typisch für pv. syringae). Die Blattflecken sind anfangs klein, eckig, wässrig und von einem helleren Hof umgeben; ihre abgestorbenen Zentren brechen heraus und erzeugen den „Schrotschuss“-Effekt. Die Symptome lassen sich leicht mit Frostschäden der Rinde sowie mit dem pilzlichen Triebsterben (Monilia) und der pilzlichen Schrotschusskrankheit (Wilsonomyces carpophilus) verwechseln — entscheidend sind dann der Zeitpunkt des Auftretens und das Vorhandensein einer Pilzsporulation. Die Krankheit verstärkt sich bei kühlem, feuchtem Wetter im Frühjahr und Herbst; im Sommer, bei Wärme und Trockenheit, ist das Bakterium am wenigsten aktiv.

Bekämpfung

Nach der Infektion gibt es keine wirksame chemische Bekämpfung – Grundlage ist das Herausschneiden befallener Triebe und Äste mit einem Sicherheitsabstand ins gesunde Holz. Der Schnitt erfolgt bei trockenem Wetter im Sommer, wenn die Bakterienaktivität am geringsten ist und die Wunden schnell verheilen, nicht im Winter oder frühen Frühjahr. Werkzeuge werden zwischen den Schnitten desinfiziert und große Wunden geschützt; stark befallene, umgürtete Bäume werden entfernt. In der Praxis erfolgt der Schnitt im Hochsommer (Juli–August), bei trockenem Wetter und einer Vorhersage ohne Niederschlag, wobei der Ast mindestens 15–30 cm unterhalb der sichtbaren Krebsgrenze bis ins gesunde, helle Holz entfernt wird. Die Werkzeuge werden vor jedem weiteren Schnitt desinfiziert (z. B. mit 70%igem Alkohol oder einer Hypochloritlösung), und das ausgeschnittene Material wird aus der Anlage entfernt und vernichtet — eingetrocknete Krebse bleiben eine Bakterienquelle für die nächste Saison. Größere Wunden sollten mit einem Wundverschlussmittel geschützt werden, um sie vor dem Austrocknen und einer erneuten Besiedlung zu bewahren. Kupferpräparate wirken ausschließlich begrenzend und vorbeugend — sie „heilen“ einen bestehenden Krebs nicht, und ein Teil der Stämme hat eine Kupfertoleranz entwickelt, weshalb sie nicht als Kur betrachtet werden sollten. Bäume, deren Stamm oder Leittrieb vom Krebs auf dem gesamten Umfang umgürtet ist, sind nicht mehr zu retten und müssen entfernt werden, damit sie benachbarte Bäume nicht anstecken.

Vorbeugung

Entscheidend ist das Verringern von Wunden, durch die das Bakterium eindringt – Vermeiden von Schnitt in feuchten und frostigen Perioden sowie Schutz der Stämme vor Frost- und Sonnenschäden (Weißen). Man pflanzt gesundes Material an luftigen, nicht überstauten Standorten, wählt weniger anfällige Sorten und Unterlagen und hält die Bäume durch ausgewogene Düngung in guter Kondition. Kupferbehandlungen im Herbst (beim Blattfall) können die Infektionsquelle verringern. Das Bakterium überwintert in den Krebsen, in den Knospen und auf der Baumoberfläche und verbreitet sich mit Regentropfen und an Werkzeugen; die herbstlichen Blattfallnarben und Mikroverletzungen sind die wichtigsten Eintrittspforten — daher die Bedeutung der Kupferspritzung während des Blattfalls und in Gebieten mit starkem Befall auch beim Schwellen der Knospen. Das Weißen der Stämme mit Kalk ab dem Herbst verringert das Aufreißen der Rinde durch Frost und Wintersonne, das der Infektion den Weg öffnet. Es lohnt sich, Bäume auf weniger anfälligen Unterlagen zu pflanzen und Sorten mit höherer Toleranz aus zertifiziertem, gesundem Baumschulmaterial zu wählen. Übermäßige, späte Stickstoffdüngung wird vermieden — üppige, nicht verholzte Triebe sind anfälliger — und man sorgt für gute Drainage und luftige Pflanzabstände, damit die Krone rasch abtrocknet. Der Erziehungs- und Sanitätsschnitt wird auf die trockene Sommerperiode gelegt, niemals auf kühle, feuchte Tage im Herbst und Vorfrühling.

Unterscheidung von Verwechslungen

MerkmalBakterienbrand des SteinobstesMonilia (Braunfäule) des Steinobstes
ErregerBakterium Pseudomonas syringaePilz Monilinia (M. laxa, M. fructigena)
GummiflussReichlicher Gummifluss aus den Krebsen an Stamm und ÄstenGummifluss selten; vorherrschend sind Bräunung und Welke von Blüten und Trieben
SporulationFehlt — das Bakterium bildet keine sichtbaren PilzansammlungenGraucremefarbene „Sporenpolster“, oft in Kreisen auf Blüten und Früchten
FrüchteMeist nicht befallenBraunfäule und Mumifizierung der am Baum verbleibenden Früchte
Zeitpunkt des stärksten AuftretensKühles, feuchtes Frühjahr und HerbstDas Absterben von Blüten und Trieben wird durch kühles, feuchtes Wetter zur Blütezeit begünstigt (wie beim Bakterienbrand — der Zeitpunkt unterscheidet hier nicht); die Braunfäule der Früchte entwickelt sich erst bei warmem, feuchtem Wetter während der Reife

Bekämpfung — biologische und chemische Methoden

Ökologische und biologische Methoden

MethodeWirkungsweiseAnwendung
Sanitätsschnitt in der trockenen SommerperiodeHerausschneiden der Krebse und befallener Äste 15–30 cm unterhalb der Veränderungen bis ins gesunde Holz, mit Desinfektion der Werkzeuge zwischen den Schnitten — die wichtigste Maßnahme.Juli–August, trockenes Wetter ohne Niederschlagsvorhersage
Weißen der Stämme und FrostschutzDas Kalken der Stämme ab dem Herbst verringert das Aufreißen der Rinde durch Frost und Wintersonne — es beseitigt eine der wichtigsten Eintrittspforten des Bakteriums.Spätherbst und Winter
Wahl resistenter Sorten, Unterlagen und gesunden MaterialsDas Pflanzen weniger anfälliger Sorten und Unterlagen aus zertifiziertem, gesundem Baumschulmaterial verringert die Anfälligkeit der Pflanzung von Anfang an.
Anlagenhygiene und ausgewogene DüngungEin luftiger Standort, gute Drainage, maßvolle Stickstoffgaben und das Entfernen befallenen Holzes verringern die Infektionsquelle und die Anfälligkeit der Bäume.

Chemische Methoden

MethodeWirkungsweiseAnwendung
Kupferpräparate (Kontaktmittel)Kupfer während des Blattfalls und beim Schwellen der Knospen begrenzt die Infektionsquelle — es wirkt vorbeugend, heilt den Krebs nicht; eine Kupfertoleranz der Stämme ist möglich.Blattfall; Schwellen der Knospen

Wir nennen Wirkstoffgruppen und Wirkmechanismen, keine Handelsnamen — konkrete Präparate und ihre Zulassung unterscheiden sich je nach Land und werden mitunter zurückgezogen. Prüfen Sie stets das aktuelle Etikett und befolgen Sie es.

Quellen

  • Atlas der Obstbaumkrankheiten
  • Institut für Gartenbau – PIB

Pflanzenprofile anfällig für bakterienbrand des steinobstes

Verwandte Gefahren