Pflanzenkrankheit

Weißstängeligkeit (Sklerotinia-Fäule)

Erreger: Sclerotinia sclerotiorum (Pilz)

Diagnose nach Symptom

Symptome

An den Stängeln, am Pflanzengrund und an bodennahen Teilen tritt eine wässrige, weiche Fäule auf, die von einem dichten, weißen, watteartigen Pilzmyzel überzogen ist. Im Gewebe und an dessen Oberfläche bilden sich schwarze, harte Dauerkörper (Sklerotien) von Korngröße, die ein diagnostisches Merkmal sind. Befallene Pflanzen welken, knicken um und sterben ab; die Krankheit befällt viele Gemüse- und Zierpflanzenarten. Die Infektion beginnt meist mit einem hellen, wässrigen, fast durchscheinenden Fleck, der sich rasch zu einer weichen Fäule ausweitet; bei feuchter Luft überzieht ihn das charakteristische, wattig-weiße Pilzmyzel. Mit fortschreitender Krankheit wird der befallene Stängel eingeschnürt und umgürtet, verliert seine Festigkeit, wodurch die Pflanze oberhalb der Befallsstelle welkt und abstirbt, und das Gewebe bleicht nach dem Austrocknen aus, wird trocken, bastig und fasert auf. Das Innere der befallenen Stängel (das Mark) ist oft hohl und mit schwarzen Sklerotien von der Größe von Getreidekörnern gefüllt — das sicherste Merkmal zur Unterscheidung dieser Krankheit. Sclerotinia befällt einen sehr breiten Wirtskreis (u. a. Salat, Bohnen, Gurken, Möhren, Kohlgewächse, Sonnenblume, Raps sowie zahlreiche Stauden und Zierpflanzen), und die Fäule entwickelt sich auch nach der Ernte, in gelagerten Wurzeln und Köpfen. Im Frühjahr wachsen aus den im Boden verbleibenden Sklerotien kleine, cremebraune, becherförmige Fruchtkörper (Apothecien), die Schlauchsporen (Askosporen) freisetzen, welche die Pflanzen meist über verblühte Blütenblätter und geschwächtes Gewebe befallen.

Bekämpfung

Entfernen und Vernichten befallener Pflanzen samt der umgebenden Erde, in der die Sklerotien viele Jahre überleben. Im Feld- und geschützten Anbau werden Fungizidbehandlungen sowie eine Begrenzung der Feuchtigkeit eingesetzt; befallene Pflanzenreste sollten nicht kompostiert werden. Eine einzelne befallene Pflanze lässt sich nicht mehr heilen — entscheidend ist ihr möglichst rasches Entfernen samt Wurzelballen und anhaftender Erde, bevor die Sklerotien ausreifen und den Boden für die nächsten Jahre auffüllen (die Dauerkörper bleiben meist einige Jahre keimfähig, in Extremfällen sogar bis zu 8–10 Jahre). Gleichzeitig muss die Feuchtigkeit sofort gesenkt werden: Schutzabdeckungen lüften, Bestände auslichten, das Benetzen der Blätter einschränken und die Drainage verbessern, denn ohne freies Wasser entwickelt sich das Pilzmyzel nicht weiter. Fungizidbehandlungen wirken vorbeugend, nicht eingreifend — wirksam sind sie nur, wenn sie das Gewebe und die verblühten Blütenblätter vor der Infektion durch Askosporen schützen, weshalb man sie im Blühfenster anfälliger Pflanzen durchführt und nicht nach dem Auftreten der Fäule. Eingesetzt werden systemische Fungizide aus verschiedenen Gruppen mit unterschiedlichem Wirkmechanismus (SDHI, Strobilurine/QoI, Triazole), die man rotiert, um das Risiko einer Resistenzbildung des Erregers zu begrenzen. Eine biologische Unterstützung ist das Einbringen des antagonistischen Pilzes Coniothyrium minitans in den Boden, der die Sklerotien parasitiert und ihren Vorrat allmählich verringert — er wirkt jedoch vorbeugend und langfristig und ersetzt nicht das Entfernen kranker Pflanzen.

Vorbeugung

Weite Fruchtfolge ohne anfällige Pflanzen über mehrere Jahre, luftiger Pflanzabstand, Vermeiden übermäßiger Feuchtigkeit und Dichte, Unkrautbekämpfung, tiefes Pflügen zum Vergraben der Sklerotien sowie gute Belüftung unter Schutz. Da der Erreger mehrere Hundert zweikeimblättrige Pflanzenarten befällt, stützt man die Fruchtfolge am besten auf Arten, die keine Wirte sind — Getreide und Gräser — und hält mindestens 3–4 Jahre Pause zwischen anfälligen Kulturen ein (Kohlgewächse, Hülsenfrüchte, Salat, Möhren, Sonnenblume, Raps). Tiefes Pflügen verlagert die Sklerotien unter die Zone, aus der sie Apothecien bilden und Pflanzen wirksam infizieren können. Bewässert wird mittels Tröpfchen oder am Pflanzengrund, wobei das Benetzen der Blätter vermieden wird, und wenn doch — morgens, damit die Pflanzen vor der Nacht abtrocknen können. Es hilft außerdem eine maßvolle Stickstoffdüngung (üppige, dichte Bestände halten die Feuchtigkeit länger und sind anfälliger), das sorgfältige Entfernen von Ernterückständen sowie von Unkräutern, die als Wirte dienen, und unter Schutz — Bodensolarisation und eine gut funktionierende Belüftung, die die relative Luftfeuchtigkeit senkt. Den Sklerotienvorrat im Boden kann man zusätzlich durch das vorbeugende Einbringen des Pilzes Coniothyrium minitans verringern.

Unterscheidung von Verwechslungen

MerkmalWeißstängeligkeit (Sklerotinia-Fäule)Grauschimmel (Botrytis cinerea)
Belag auf dem GewebeDichtes, weißes, watteartiges Pilzmyzel; keine stäubende SporenbildungGraubrauner, staubiger, flaumiger Sporenbelag — stäubt bei Berührung
Dauerkörper (Sklerotien)Korngroß, schwarz, hart; zahlreich im Inneren der Stängel und an der OberflächeKlein, flach, unregelmäßig, schwarz; deutlich seltener auffällig
Ort des BefallsbeginnsStängelgrund und bodennahe Teile; befällt auch gesundes, festes GewebeBlüten, verblühte Blütenblätter, Wunden sowie geschwächtes und absterbendes Gewebe
AusbreitungAskosporen aus Apothecien, die aus im Boden verbleibenden Sklerotien wachsenReichlich Konidiensporen, verbreitet durch Luft und Wasser

Bekämpfung — biologische und chemische Methoden

Ökologische und biologische Methoden

MethodeWirkungsweiseAnwendung
Sanierung — Entfernen befallener Pflanzen samt ErdeEntfernt die Sklerotienquelle, bevor sie ausreift und den Boden für Jahre auffüllt; Reste nicht kompostieren, sondern vernichten.Sofort nach der Entdeckung, vor dem Zerfall des Gewebes
Fruchtfolge mit NichtwirtsartenGetreide und Gräser werden nicht befallen; 3–4 Jahre Anbaupause ohne anfällige Pflanzen erschöpfen den Sklerotienvorrat, und tiefes Pflügen vergräbt sie.Planung der Fruchtfolge
Regulierung von Feuchtigkeit und DurchlüftungWeiter Pflanzabstand, Tröpfchenbewässerung statt Beregnung und Lüften der Schutzabdeckungen entziehen dem Pilzmyzel das für die Entwicklung nötige freie Wasser.
Antagonistischer Bodenpilz (Coniothyrium minitans)Parasitiert die Sklerotien im Boden und verringert deren Vorrat; unterstützende, vorbeugende Methode — heilt befallene Pflanzen nicht.Einbringen in den Boden vor der Kultur

Chemische Methoden

MethodeWirkungsweiseAnwendung
Vorbeugende systemische Fungizide (SDHI, Strobilurine, Triazole)Schützen verblühte Blütenblätter und Gewebe vor der Infektion durch Askosporen; wirken vorbeugend, nicht nach der Fäulnisentwicklung. Gruppen gegen Resistenz rotieren.Beginn und Vollblüte anfälliger Pflanzen

Wir nennen Wirkstoffgruppen und Wirkmechanismen, keine Handelsnamen — konkrete Präparate und ihre Zulassung unterscheiden sich je nach Land und werden mitunter zurückgezogen. Prüfen Sie stets das aktuelle Etikett und befolgen Sie es.

Quellen

  • Atlas der Gemüsekrankheiten

Pflanzenprofile anfällig für weißstängeligkeit (sklerotinia-fäule)

Verwandte Gefahren